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Orientierung
für die Ausbildung
von Brüdern in der SVD

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„IHR alle aber seid Brüder”

(Mat 23, 8)

Orientierung
für die Ausbildung von Brüdern
in der SVD

SVD Veröffentlichungen
Generalat – Rom - 2005

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„Ihr alle aber seid Brüder”

(Mt 23,8)

Orientierung für die Ausbildung
von Brüdern in der SVD


VORWORT

Liebe Mitbrüder,

Dieses Büchlein wählt treffend die Matthäusstelle ‚Ihr alle aber seid Brüder’ (Mt 23,8) als Titel. Es soll einige Hinweise geben zur Brüderausbildung in der Gesellschaft des Göttlichen Wortes. Generalrat Br. Alfonso Berger, der Sekretär des Generalates für Ausbildung und Erziehung, P. Thomas Malipurathu und Br. Guy Mazola von der Provinz Kongo haben die vorliegende Orientierung zur Ausbildung der Brüder in der SVD erarbeitet. Ihre Kommission weist in der Einleitung darauf hin, es sei nicht die Absicht, ein vollständiges Programm für die Brüderausbildung anzubieten. Es geht vielmehr darum, grundsätzliche Überlegungen vorzulegen, die helfen sollen, ein Ausbildungsprogramm für Brüder zu erarbeiten, das auf die Charismen unserer Gesellschaft und die Zeichen der Zeit in der jeweiligen Provinz/Region ausgerichtet ist.

Die Kommission hat ihrer Arbeit umfangreiches Material zugrunde gelegt: Die Antworten auf die Diskussion des Textes über die Brüderausbildung wurden bereits zuvor allen Ausbildern zugeschickt; die verschiedenen Ausbildungsprogramme, die im Moment in unseren Provinzen/Regionen Anwendung finden; verschiedene Gesellschaftsdokumente über Brüderausbildung und ähnliche Dokumente. Ein erster Entwurf wurde wiederholt im Generalrat besprochen und schließlich in der Sitzung vom 27. Januar 2005 gutgeheißen. Ich möchte den Mitgliedern der Kommission für die Zeit und die Bemühungen danken, die sie aufgewendet haben, um dieses Büchlein zusammenzustellen. Es ist meine und gewiss auch ihre Hoffnung, dass der Aufwand bei der Entwicklung eines soliden und modernen Ausbildungsprogramms für Brüder in unseren Provinzen/ Regionen Früchte trägt.

Das Büchlein bietet im Anhang einen interessanten Überblick über die Situation der Brüder in unserer Gesellschaft. Er wurde von Br. Alfonso Berger zusammengestellt. Ein Blick auf die Statistik bereitet uns allerdings große Sorgen. Die Zahl der Brüder ist derart zurückgegangen, dass nur noch 12,5% der Mitglieder der SVD Brüder sind. Br. Alfonso befürchtet, dass diese Zahl in den nächsten Jahren auf etwa 10% fällt. Im Jahre 2004 waren von unseren jungen Mitbrüdern in zeitlichen Gelübden nur 7,3% Brüder und 92,7% Kleriker. Aber Zahlen sagen nicht alles. Es gibt auch hoffnungsvolle Zeichen. Br. Alfonso erwähnt die folgenden: (1) In der Vergangenheit haben die Brüder in unserer Gesellschaft ein hervorragendes Zeugnis für das geweihte Leben in ihrem persönlichen Leben und in ihrem Einsatz als Ordensmissionare gegeben; (2) mehr und mehr Brüder sind in Führungspositionen als Vizeprovinzial, Provinzialrat und Lokaloberer gewählt oder ernannt worden; (3) ein neuer Frühling von Berufungen zum Bruder scheint sich in einigen Provinzen/Regionen wie in Indonesien, Indien, Brasilien und Argentinien anzubahnen.

Aber es nützt nichts, wenn wir wieder jene Zeiten heraufbeschwören, in denen es noch sehr viele Brüder in unseren Kommunitäten oder Niederlassungen gab. Natürlich sollten wir nie nachlassen in unserem Bemühen, Brüderberufe zu fördern. Gleichzeitig sind wir uns aber bewusst, dass die Zukunft der Brüderberufung in unserer Gesellschaft abhängt nicht davon ab, wie viele Brüder wir haben, sondern wie überzeugend sie ihre Berufung als Bruder leben, ganz gleich, wie gering auch ihre Anzahl ist. Konsequenterweise müssen wir dem Brüderausbildungsprogramm größere Aufmerksamkeit schenken. Auf verschiedenen Generalkapiteln und Brüderversammlungen haben wir uns – in der Tat - immer wieder damit beschäftigt, dass was wir heutzutage in unserer Gesellschaft dringend ein verlässliches und umfassendes Brüderausbildungsprogramm brauchen. Denn nur Brüder, die eine entsprechende Ausbildung erhalten haben, können ihre Berufung überzeugend leben. Und nur Brüder, die ihre Berufung überzeugend leben, können junge Menschen für unsere Gesellschaft gewinnen.

Die Lage der Brüderberufe in der SVD geht nicht nur die Brüder selbst, sondern jeden einzelnen von uns an. Auch die Kleriker müssen sich mit dieser Situation vertraut machen. Jeder soll aktiv unsere Bemühungen um Brüderberufe unterstützen und begleiten. Und vielleicht besteht die beste Unterstützung darin, dass wir uns dieser Herausforderung der Brüder mit aller Kraft stellen, wie es in der Überschrift Ihr alle aber seid Brüder zum Ausdruck kommt und so beginnen, diese Wahrheit in unseren Kommunitäten zu leben und zu gestalten.

Ich möchte mit einem Zitat aus dem 15. Generalkapitel schließen. Dort heißt es über die Brüder:

„Die Brüder sind in unserer Gesellschaft sehr wichtig. Wir empfehlen deshalb, das die Gesellschaftsleitung auf allen Ebenen ihre Bemühungen verstärkt, die Brüderberufung und ihre Entfaltung in der Gesellschaft zu fördern. Die Brüder sollen ermutigt werden, Arbeiten und Tätigkeitsbereiche zu wählen und fachliche Meisterschaft in den Bereichen zu erwerben, die direkt mit dem vierfachen prophetischen Dialog und den charakteristischen Dimensionen unseres SVD-Einsatzes verknüpft sind” (IDW, Nr. 1/2000, Nr.104).

Mögen diese Ausführungen uns in unseren „Bemühungen helfen, die Brüderberufung und ihre Entfaltung in der Gesellschaft zu fördern”.

Brüderlich im Göttlichen Wort

Antonio M. Pernia SVD
Generalsuperior


1. EINLEITUNG

Im Mai 2003 sandte Br. Alfonso Berger nach vorausgegangener Besprechung im Generalrat ein Diskussionspapier über die Brüderausbildung an alle Formatoren. Hauptgrund für diese Initiative war die Feststellung, dass es in manchen Provinzen/Regionen überhaupt kein entsprechendes Ausbildungsprogramm für Brüder gab. In einigen Fällen waren die Programme veraltet, zum Teil gab es keine. Einige Formatoren haben darauf reagiert. Im Dezember 2003 legte Br. Alfonso diese Stellungnahmen über die Brüderausbildung wie auch einige neuere Programme dem Generalrat vor.

Nach den Planungssitzungen im Januar 2004 beschloss der Generalrat, die Bemühungen um die Erneuerung des Ausbildungsprogramms für Brüder fortzusetzen. Im Mai 2004 erhielten die Formatoren ein Schreiben unter dem Titel: Weiterführung des Brüderausbildungsprogramms (SVD 4b/041172). Im Juni 2004 wurde Br. Guy Mazola (CNG) vom Rat nach Rom berufen, um mit P. Thomas Malipurathu, dem Sekretär für Ausbildung und Erziehung, und Br. Alfonso Berger eine Kommission zu bilden. Die Kommission sollte ein Büchlein über die Brüderausbildung und ihr nahestehende Bereiche erstellen und auf der Website den Formatoren zugänglich machen. Auf diesem Weg würden die Provinzen/Regionen eher motiviert sein, ihre Brüderausbildungsprogramme neu zu fassen.

Das Büchlein ist das Ergebnis eines umfangreichen Gedankenaustausches zwischen den Provinzen/Regionen und dem Generalrat. Die Kommission bietet hiermit eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte und Einsatzbereiche in den verschiedenen Stufen der Brüderausbildung an. Es möge den Provinzen eine Hilfe sein, ihr Ausbildungsprogramm neu zu überdenken. Es ist nicht als ein vollständiges Programm für die Brüder in der Gesellschaft gedacht, sondern soll eine Motivation und Orientierung auf der Grundlage der Antworten zum Diskussionspapier, den dem Generalat zur Verfügung stehenden Programmen der Brüderausbildung und anderen Dokumenten anbieten. Auf diese Weise kann das Ausbildungsprogramm für Brüder in den Provinzen/Regionen eine wesentliche Verbesserung erfahren.

Den Formatoren wird dieses Büchlein als ‚Nachschlagewerk’ bei ihren Gesprächen mit möglichen Kandidaten in die Hand gegeben, um diese mit den beiden Optionen bekannt zu machen, dem Herrn in unserer Gesellschaft als Priester oder Bruder zu dienen. Es mag auch jenen eine Hilfe sein, die in der Berufungspastoral arbeiten. Ihnen kann das Büchlein eine klare Idee über die Brüderausbildung in unserer Gesellschaft geben.

Wir hoffen, dass dieses Buch auf den verschiedenen Ebenen (Provinzen/ Regionen und Zonen) genutzt wird, um geeignete Programme für unsere Brüder zu entwickeln. Besondere Beachtung sollte den missionarischen Herausforderungen geschenkt werden, denen sich unsere Gesellschaft gegenüber sieht, um in geeigneter Weise für das Reich Gottes Zeugnis ablegen zu können.

Wichtig ist uns, dass wir nicht beabsichtigen, ein vereinheitlichtes Programm für alle Provinzen und Regionen zu haben. Vielmehr möchten wir alle Provinzen und Regionen ermutigen, ein eigenes, modernes Brüderausbildungsprogramm zu erarbeiten. Wir bieten hier lediglich einige Grundlinien an, um eine Hilfe zu geben. Wenn Sie ihr Programm erarbeitet haben und es von den zuständigen Stellen gutgeheißen wurde, senden Sie bitte den Entwurf an das Generalat. Es kann so die Zahl der verschiedenen Ausbildungsprogramme, die in der Gesellschaft zur Verfügung stehen, bereichern und auf unserer Website angeboten werden.

Weitere Informationen über die verschiedenen Brüderausbildungsprogramme finden Sie auf unserer SVD-Website: www.svdcuria.org (unter Ausbildung). Falls Sie keinen Zugang zur Website haben sollten, senden Sie bitte Ihre Wünsche an das Generalat. Die Programme, die sie auf der Website finden, liegen in den jeweiligen Originalsprachen vor. Möglicherweise werden wir die Provinzen und Regionen bitten, ihr eigenes Programm in eine der offiziellen Sprachen unserer Gesellschaft zu übersetzen.

2. DIE BRÜDER IN DER GESELLSCHAFT

2.1. Der Beginn

Blickt man auf die Geschichte unserer Gesellschaft zurück, so kann man drei Hauptphasen in der Entwicklung der Brüderberufung feststellen. Die erste Phase erstreckt sich von der Gründung 1875 bis zum Vatikanum II (1962-1965). In dieser Zeit galt der SVD-Bruder als ‚eine geweihte Person, die ihr Leben der Sendung der Kirche durch den handwerklichen Einsatz widmet’ (Die Brüderberufung heute, Analecta SVD 70/1, 1995, p. 74). Jedoch betrachtete man den Bruder trotz seines bedeutungsvollen missionarischen Einsatzes nur als einen Gehilfen der Priester. Letztere galten in der damaligen Zeit als die eigentlichen treibenden Kräfte der Mission. Im Laufe des Vaticanum II änderte sich die Auffassung von der Sendung der Kirche. Jetzt geht es mehr um den Dienst am Reiche Gottes als um die Einpflanzung der Kirche.

Die zweite Phase zwischen 1965 und 1982 fiel mit einer der kritischsten Phasen unserer Gesellschaft im allgemeinen und der des Bruderstandes im besonderen zusammen. Eine große Anzahl von Brüdern trat aus der Gesellschaft aus. Jeder musste sich dem neuen Verständnis von Kirche und Mission anpassen. Trotz aller Schwierigkeiten fand das Brüderausbildungsprogramm mit der Einführung einer stärkeren spirituellen und pastoralen Ausbildung neben der beruflichen Weiterbildung eine bedeutende Modernisierung. Ab dem IX. Generalkapitel (1967-1968) waren stets Brüder anwesend, manche von ihnen wurden in den Generalrat gewählt. In gleicher Weise hält das letzte Generalkapitel fest: „Alle Ämter in der Gesellschaft stehen allen Mitbrüdern in ewigen Gelübden offen.” (IDW 1, Entscheidungen des XV. Generalkapitels, Resolution 2.7).

Die Phase einer gewissen Konsolidierung bezüglich der Brüderberufung setzte 1982 ein. Das in diesem Jahr stattfindende XII. Generalkapitel hieß die neuen Konstitutionen gut und gab gleichzeitig besondere Hinweise für die Brüderausbildung. Das Kapitel betont, das Ausbildungsprogramm für Brüder müsse sich klar mit drei wesentlichen Aspekten von Ausbildung befassen: 1) der menschlichen Entwicklung, 2) der missionarischen und spirituellen Entwicklung und 3) der beruflichen Ausbildung und Weiterbildung. (Nuntius XI, p. 586). Das Schlussdokument der Brüderversammlung über die Berufung der Brüder (Nemi 1994) Analecta SVD 70/1., pp.86-92) gab feste Orientierungen über die Identität, Spiritualität und Ausbildung der Brüder an. Jetzt geht es um die Frage, wie weit sind diese Orientierungen in die Brüderausbildungsprogramme eingearbeitet worden? Haben alle Provinzen/Regionen eine Auswertung des Programms nach jeweils drei Jahren vorgenommen, wie es das XIV. Generalkapitel empfohlen hatte?

2.2. Die Gegenwart

Das XV. Generalkapitel (2000) bestätigte den Erneuerungsprozess und empfahl der ganzen Gesellschaft: „Die Brüder sind in unserer Gesellschaft sehr wichtig. Wir empfehlen deshalb, das die Gesellschaftsleitung auf allen Ebenen ihre Bemühungen verstärkt, die Brüderberufung und ihre Entfaltung in der Gesellschaft zu fördern.” (IDW 1, Nr. 104). Diese Stellungnahme macht deutlich, dass die Brüder eine neue Aufwertung erhalten. Sie werden wegen ihrer Bedeutung in und für die Gesellschaft hochgeschätzt. Ihre Bedeutung, obschon nicht weiter ausgeführt, liegt nicht nur in den Diensten, die die Brüder leisten. Sie liegt vielmehr in ihrem geweihten Leben als Laien. Ihr Leben in unseren SVD-Kommunitäten bereichert diese. Sie zeigen der Kirche im allgemeinen und der Gesellschaft im besonderen den sich ergänzenden Charakter von Klerikern und Brüdern in der Mission: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn” (1 Kor 12, 4-5).

In vielen SVD-Kommunitäten zeichnen sich Brüder für ihre herzliche Art gegenüber Gästen, für ihre Teilnahme am Gemeinschaftsleben und für ihren Gebetsgeist aus. Gerade durch ihre verschiedenen Dienste und Berufe tragen die Brüder wesentlich zur materiellen Selbständigkeit der Gesellschaft bei und machen dies durch ihr Tun auch allen Mitbrüdern bewusst.

2.3. Die Zukunft

Das XV. Generalkapitel gibt auch eine Empfehlung hinsichtlich der Sendung der Brüder: „Die Brüder sollen ermutigt werden, Arbeiten und Tätigkeitsbereiche zu wählen und fachliche Meisterschaft in den Bereichen zu erwerben, die direkt mit dem vierfachen prophetischen Dialog und den charakteristischen Dimensionen unseres SVD-Einsatzes verknüpft sind” (IDW 1, Nr. 104). Eine große Anzahl von Brüdern verrichtet ‚traditionelle Aufgaben und Dienste’ innerhalb größerer Kommunitäten. Das müssen wir hochschätzen. Es stellt sich dennoch die Frage, wie die Brüder besser in ihrem Leben und in ihrem Dienst in die charakteristischen Dimensionen der SVD im Zusammenhang mit dem vierfachen prophetischen Dialog eingebunden werden können. Denn der vierfache prophetische Dialog und die charakteristischen Dimensionen beziehen sich ja auf alle Mitglieder der Gesellschaft. Von daher gesehen kann ein Bruder am wöchentlichen Bibelgespräch teilnehmen oder sich unter den Mitgliedern der Kommunität für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen.

Was können Brüder noch tun, um den prophetischen Dialog in ihr tägliches Leben umzusetzen? Ein Blick in die Heilige Schrift macht es deutlich. Sie berichtet darüber, wie Jesus auf Menschen zugeht, durch ihre Städte wandert (Lk 19,5) und sich mit Sündern an den gleichen Tisch setzt (Mt 9,10-13). Bei all diesen Begegnungen stellt Jesus Fragen, hört zu, nennt die Menschen bei ihrem Namen und unterhält sich mit ihnen. Sein Beispiel regt uns an, auf die Glaubensuchenden zuzugehen, zu jenen zu gehen, die arm und ausgestoßen sind, auf Menschen anderer Kulturen und auf Anhänger anderer religiöser Traditionen zuzugehen.

Wie können Brüder, die eng mit dem Volk leben und arbeiten, die charakteristischen Dimensionen innerhalb des vierfachen prophetischen Dialoges noch stärker integrieren? Eine beträchtliche Anzahl von Brüdern arbeitet im Bereich der menschlichen Entwicklung, der Erziehung mit. Sie stehen im pastoralen Dienst und arbeiten in anderen Apostolaten wie der Ausbildung, der Gesundheitsvorsorge und der Kommunikation. Wenn all das zufriedenstellend geschieht, könnte man sich fragen, wie Brüder gerade auch in diesen Diensten sich um Glaubensuchende kümmern können, um die Armen und um Menschen aus anderen Kulturen und Religionen. Mit anderen Worten: Wie helfen Brüder durch ihren persönlichen Einsatz mit, dass die Armen und Ausgestoßenen besser organisiert werden? Wie können ihre pastoralen Dienste christliche Gemeinschaften anregen, auf Glaubensuchende zuzugehen und eine Atmosphäre des Willkommens zu schaffen? Dürfen sie sagen, ihr Einsatz trage dazu bei, dass Menschen missionarisch in ihrer Welt wirken und dass dies in einem Geiste des prophetischen Dialogs und mit Hochachtung vor Menschen anderen Glaubens und anderer Kulturen geschieht?

Als Missionare sollten sich die Brüder immer stärker des Hauptzieles unserer Mission bewusst werden, nämlich, dass wir Zeugnis für das Reich Gottes geben. Sie tun dies durch ihr Zeugnis im Gemeinschaftsleben und durch ihren missionarischen Einsatz unter den Menschen, denen sie täglich begegnen. Eine Konsequenz dieses neuen Ansatzes von Mission ist, dass es nötig ist, eine offene Gesinnung und eine Haltung zu pflegen, das, was in der Welt vor sich geht, im Lichte des Göttlichen Wortes mitzuverfolgen.

„Der veränderte und sich weiter ändernde Kontext der Mission heute verlangt von uns dringlicher denn je eine neue missionarische Antwort” (IDW 1, Nr.34). Auf diesem Hintergrund brauchen Brüderkandidaten eine geeignete Ausbildung, die den neuen Herausforderungen und Anforderungen besser entspricht. Die folgenden Ausführungen dienen diesem Ziel.

3. BERUFUNGSPASTORAL UND AUSBILDUNGSPROGRAMME

3.1. Berufungspastoral

„Da uns der Rückgang an Berufen in einigen Provinzen seit einiger Zeit Sorge bereitet, bleibt die Berufungspastoral eine unserer wichtigsten Verantwortlichkeiten. Einzig eine tiefe Liebe für die Kirche und die Gesellschaft, gepaart mit einer echten Begeisterung für unseren missionarischen Dienst, wird alle Mitbrüder befähigen, in diesem wichtigen Anliegen mitzuarbeiten und so das Fundament für ein neuerliches Wachstum von Missions- und Ordensberufen zu legen. Allein auf dieser Basis kann die Berufungspastoral sinnvoll sein und Früchte tragen” (Handbuch für Obere, C 1, 2.0)

Unsere Sorge um Berufe sollte nicht allein jenen Mitbrüdern überlassen bleiben, die für diese Aufgabe ernannt worden sind. Jedem Mitbruder soll, unabhängig von seiner Bestimmung, die Berufungspastoral ein Herzensanliegen sein. Das kann geschehen durch persönliche Kontakte, durch Korrespondenz mit Jugendlichen und natürlich durch eine vorbildliche persönliche Lebensführung.

Junge Leute teilen sich gerne mit und sprechen auch über Glaubenszweifel oder stellen Fragen über kirchliche Berufe. Es wäre schade, wenn wir allzu sehr mit seelsorglichen, sozialen oder ähnlichen Problemen beschäftigt wären und keine Zeit fänden, um auf ihre Probleme einzugehen. Es bieten sich die unterschiedlichsten Wege an, mit möglichen Kandidaten über den Anruf Gottes zu sprechen: Broschüren über die Berufung, persönlicher Kontakt mit Mitbrüdern, die in der Berufspastoral tätig sind, die Bildung von Gruppen, die über Fragen der geistlichen Berufung nachdenken, oder auch Einkehrtage und Exerzitien.

„Wenn jemand sich zu einem besonderen Dienst in der Kirche berufen fühlt, braucht er gezielte Hilfe und Führung, damit er seinen Missionsund Ordensberuf erkennen kann und wachsen und heranreifen sieht. Jedoch sollte schon bei den ersten Kontakten ein Kandidat gänzlich über die beiden Wege informiert werden, in denen wir in unserer Gesellschaft unseren missionarischen Dienst als Ordensleute leben, nämlich als Bruder und Priester” (Handbuch für Obere C1, 4.1).

Was die Berufung der Brüder angeht, so lassen „manche sozialen, geschichtlichen and religiösen Gegeben-heiten lassen den Bruderberuf als unzeitgemäss erscheinen. Hier müssen wir Verständnis dafür schaffen, dass er den be-rechtigten Wünschen junger Menschen entgegenkommt, die sich am Geiste des Evangeliums ausrichten” (XII. Gen. Kap.1982, Dok. IV, II, 2 - Nuntius SVD XI, p. 585)

Die Bedeutung der Berufung des Bruders ist in der Brüderlichkeit selbst begründet und nicht in der Beziehung zum Priestertum. Die Brüderberufung ist entsprechend dem II. Vatikanischen Konzil (Perfectae Caritatis 10) in sich ein eigenständiger Ausdruck des geweihten Lebens, eine vollendete Berufung in sich.

Weil die Berufung zum Bruder wenig bekannt ist und noch weniger von den Gläubigen verstanden wird, müssen wir die Menschen darüber aufklären. Wir können möglichen Interessenten und Kandidaten Schriften an die Hand geben, in denen konkrete Beispiele überzeugend gelebter Brüderberufung in unserer Gesellschaft dargestellt werden.

3.1.1 Ziele

Es geht darum, einen Kandidaten bei der Berufsentscheidung zu begleiten und ihn zu einer reifen Entscheidung für das Ordensleben als Missionar der Gesellschaft des Göttlichen Wortes zu führen. So sollte man ihn ermutigen:

  • seine Berufung zur Mission der Kirche und der SVD zu überdenken,

  • bereit zu sein, als Mensch und im spirituellen Leben zu wachsen,

  • ein Grundverständnis und eine Wertschätzung für das Leben als Missionar und Ordensmann im allgemeinen und in der SVD im Besonderen zu entwickeln,

  • die Entscheidung und Eignung für die SVD zu klären,

  • in seiner Beziehung zu Gott zu wachsen,

  • Verständnis und Achtung für die verschiedenen Wege, auf denen die Kirche ihre Sendung erfüllt, zu gewinnen.

3.1.2 Mittel und Wege

  • Pflege eines regelmäßigen Kontaktes durch Korrespondenz und/ oder persönliche Beziehungen mit dem Kandidaten.

  • Persönliche Begleitung anbieten.

  • Kontakte mit SVD-Gemeinschaften ermöglichen.

  • Exerzitien/Einkehrtage, Wochenenden etc. anbieten.

  • Prospekte, Werbematerial, Rundbriefe etc. als Wege zur Information und Anregung zur Verfügung stellen.

  • Die Angehörigen des Betreffenden kennen lernen, ein Vertrauensverhältnis zur Familie aufbauen, zu Fragen über die SVD und das Ordensleben anregen.

  • Den Pfarrer der Pfarrei des Kandidaten, den Katechisten oder Gemeindeleiter in die Bewertung des Kandidaten einbeziehen.

Um Auswahlkriterien für den Brüderberuf aufzustellen, ist es ratsam, Informationen oder Hinweise bezüglich der Berufsentscheidung unter den Provinzen/Regionen (etwa durch E-Mail) auszutauschen.

Es wird empfohlen, regelmäßig Brüder in Ewigen Gelübden in die Berufungspastoral mit einzubeziehen. Auch sollten Brüder in Ewigen Gelübden von Zeit zu Zeit die Ausbildungsgemeinschaften besuchen. Soweit wie möglich, sollte ein Bruder auch Mitglied des Teams der Berufungspastoren sein.

3.2. Vor-Noviziat

3.2.1 Propädeutikum

„In einigen Provinzen wird manchmal ein einführendes Ausbildungsjahr der Philosophie, dem Kolleg oder einem entsprechenden Ausbildungsgang vorgeschaltet. Gelegentlich wird es als ‚propädeutisches Jahr’ bezeichnet. Auch wenn es als Teil des dem Noviziat vorangehenden Ausbildungsprogramms angesehen wird, soll es nicht als Postulatsjahr betrachtet werden“ (HS, C2, 2.3) In manchen Provinzen/Regionen ist jedoch das Propädeutikum bereits in das Postulat einbezogen.

3.2.2 Postulat

„In jenen Provinzen, in denen die Philosophie, das Kolleg oder ein entsprechender Ausbildungsgang dem Noviziat vorangeht, wird das Postulat oft in das letzte Jahr oder in die sechs Monate des dem Noviziat vorausgehenden Ausbildungsprogramms integriert..“ (HS, C2, 2.2). In manchen Provinzen/Regionen wird das Postulat für Brüder zusammen mit dem der Klerikerkandidaten durchgeführt. Die Dauer des Postulats ist von Provinz zu Provinz verschieden.

Das Postulat ist eine Zeit, in der der Kandidat zu einer realistischeren Einschätzung seiner Berufung kommen soll. Wenn sein Entschluss klar ist, sollte er seinen Wunsch, die nächste Phase der Ausbildung beginnen zu wollen, zum Ausdruck bringen.

Der Schwerpunkt des Postulatsprogramms der SVD liegt im Bereich des seelisch-emotionalen Wachsens. Die anderen Aspekte der Ausbildung (menschlich, geistig, akademisch und apostolisch) sind hier ebenfalls angesprochen. Der seelisch-emotionale Aspekt ist bedeutsam. Denn hier geht es wesentlich darum, einen freien und reifen Entschluss für ein Leben als Ordensmann zu fassen. Besondere Betonung sollte das Studium der menschlichen Psychologie und das Nachdenken darüber finden. Geeignete Mitbrüder, gruppendynamische Prozesse, Tests und persönliche Gespräche mit einem Experten können ebenfalls hilfreich sein. Hier sollte auch das Thema der Sexualität und der Affektivität angesprochen werden. Wer in diesem Bereich der Hilfe bedarf, dem sollte man helfend zur Seite stehen.

All diese Aktivitäten sollten den Kandidaten zur tieferen Selbsterkenntnis und Selbstannahme führen. Fähigkeiten und Fertigkeiten für zwischenmenschliche Beziehungen sollen hier entwickelt werden, gerade im Hinblick auf unser Gemeinschaftsleben und unseren apostolischen Einsatz. Zeichen von emotionalen Problemen müssen klar erkannt und entsprechend behandelt werden. Ein professionelles Vorgehen und gezielte geistige Unterstützung sind Grundvoraussetzungen für eine klare Berufsentscheidung.

Auf dieser Stufe ist die Einführung in das Gemeinschaftsleben der SVD angebracht. Beide, der Kandidat wie auch die Gesellschaft, sollen diese Zeit der Unterscheidung der Geister nutzen, um entscheiden zu können, ob er als Priester oder Bruder für die SVD geeignet ist. Besser wäre es, wenn der Kandidat in dieser Phase entscheidet, ob er Priester oder Bruder werden soll. Eine frühe Festlegung trägt dazu bei, dem Kandidaten eine klarere Begleitung anbieten zu können, besonders im Hinblick auf seinen Beruf. Dies wird den Prozess einer weiterführenden Unterscheidung erleichtern (vgl. auch 3.2.2, unter 3. Erstellung eines personbezogenen Projekts für den Bruderkandidaten).

Das Programm des Postulates kann mit drei Stichworten zusammengefasst werden: Hineinwachsen (Leben in einer Kommunität, persönliche Reife, Selbst-Akzeptanz), Spiritualität (geistiges Leben, Entscheidungsfähigkeit) und Studium (akademisch, Sprachkenntnis). Das Charisma unserer Internationalität legt nahe, wenigstens eine der offiziellen Sprachen unserer Gesellschaft zu erlernen oder eine zweite, wenn er schon eine beherrscht.

3.2.2.1 Ziele

  • Die Berufung des Kandidaten erkennen.

  • Wachsen in Selbsterkenntnis, Selbstannahme und der Annahme der anderen.

  • Schwächen und Versäumnisse aus der Vergangenheit bewältigen, mögen sie im spirituellen, menschlichen oder intellektuellen Bereich angesiedelt sein.

  • Erfahrungen sammeln mit unseren Kommunitäten, das Ordensleben besser kennen lernen.

  • Sich vertraut machen mit der Geschichte, dem Charisma und der Spiritualität der Gesellschaft.

  • Sich auf die nächste Stufe der Ausbildung und des akademischen Studiums vorbereiten.

  • Eine der offiziellen Sprachen der SVD lernen.

3.2.2.2 Mittel und Wege

  • Geistliche Übungen (tägliche Eucharistie, Gebet, Meditation, Bibel- Glaubensgespräch).

  • Anregungen und Begleitung im Hinblick auf den Bereich des Seelisch-Emotionalen und den Bereich menschlicher Sexualität.

  • Pflege guter Beziehungen zu Oberen, Mitbrüdern, Männern und Frauen etc....

  • Konferenzen über: SVD-Geschichte; Spiritualität; Biographien der Heiligen Arnold und Joseph, der Seligen Maria Helena; Geschichte der SSpS und SSpSAP; Einführung in die Bibel AT + NT; psychologische Beratung; Liturgie; Computer; Sprachen.

  • Seelsorge (Jugendarbeit, religiöse Unterweisung, Kranke, Senioren etc.).

  • Kenntnisse über SVD-Visionen und den weltweiten, missionarischen Einsatz der SVD, Erfahrungsaustausch mit den Mitbrüdern.

  • Gespräch mit dem Postulantenmeister, regelmäßige Auswertung.

  • Geistliche Begleitung.

  • Handarbeit, Sport etc.

3.2.2.3 Erstellung eines personbezogenen Projekts für den Bruderkandidaten

Ein umfassendes Programm für alle Brüder aufzustellen, das ist recht schwierig. Zu verschieden sind die Einzelinteressen, die einzelnen Berufe und der intellektuelle Hintergrund eines jeden. Manche haben bereits eine Berufsausbildung hinter sich, andere stehen noch vor der Wahl und der Entscheidung.

Ein auf die jeweilige Person bezogenes Programm für Brüderkandidaten erweist sich dort als notwendig, wo sie gegenüber den Klerikerstudenten zahlenmäßig nur eine kleine Gruppe bilden. Selbst wenn die Brüderkandidaten getrennt von den Klerikerkandidaten einem eigenen Programm folgen, ist es ratsam, für jeden einzelnen ein spezifisches Programm zu erstellen, zumal die beruflichen Voraussetzungen ganz verschieden sein können.

Dieses Vorgehen ist notwendig, um der Tendenz entgegenzuwirken, für alle Kandidaten das gleiche Curriculum vorzuschreiben. Ein Beispiel: Gelegentlich bestehen wir darauf, dass alle Philosophie studieren. Dabei bedenken wir nicht, dass einige sich bereits dazu entschlossen haben, Missionsbruder zu werden. Ein eigenes Programm für einen Bruderkandidaten ist wichtig, weil man dann einem bestimmten Plan folgen kann. Evaluierungen werden so erleichtert, sowie auch ein Anreiz geschaffen, seine eigenen Talente im Kontext der SVD und der Mission zu entwickeln. Es befähigt den jungen Menschen, Selbstvertrauen zu gewinnen und seine Berufung besser zu verstehen.

Dieses auf die Einzelperson zugeschnittene Programm ist eine Art Wegweiser für den Kandidaten. Seine Vorzüge, Talente und Fähigkeiten können so eher mit den Anforderungen und Prioritäten der Gesellschaft in Einklang gebracht werden (vgl. c.515.1 und IDW 1, Nr. 104). Eine persönliche Begleitung ist dabei erforderlich, er wird ernstgenommen und er selbst gestaltet seine Ausbildung mit.

Obwohl dieses Programm auf der ersten Stufe der Ausbildung begonnen wird, wenn ein Kandidat seinen Wunsch äußert, Bruder zu werden, sollte es auch für den weiteren Verlauf seines Weges beibehalten werden. Der Präfekt wird in Zusammenarbeit mit dem Kandidaten das Programm entwerfen und es dem Ausbildungsteam oder den zuständigen Oberen zur Begutachtung vorlegen.

3.2.3 Theologische Ausbildung

Ein SVD-Bruder ist ein Ordensmissionar und ein ‚Geistlicher’, der die Gefühle und Nöte anderer sensibel wahrnimmt. Als Mitglied der Kirche gibt er ein lebendiges Zeugnis für die Frohe Botschaft. Zur Verkündigung der Botschaft ist ein vertrauter Umgang mit der Hl. Schrift und eine gewisse Kenntnis in der Theologie erforderlich. Daher sollte jeder Bruder um ein tieferes Verständnis der christlichen Botschaft bemüht sein und seine Fähigkeit weiterentwickeln, auch bei theologischen Fragen mitzureden.

„Neben der fachlichen Ausbildung soll den Brüdern eine angemessene theologische und missiologische Grundausbildung geboten werden, damit sie tiefer in die eigene Berufung eindringen und auch katechetisch-pastoral tätig sein können.“ (c.515.2)

Mit dem Beginn des Ausbildungsprogramms wird nach Rücksprache mit dem Direktor der Brüderausbildung der jeweiligen Provinz ein theologisches Studienprogramm für den einzelnen festgelegt. In der Regel genügen ein bis zwei Jahre, um einen Überblick über die wichtigsten theologischen Bereiche zu gewinnen.

In manchen Provinzen erfolgt die theologisch/religiöse Ausbildung erst nach der Berufsausbildung. Im Einklang mit der in manchen Provinzen heute gegebenen Tendenz ist es ratsam, es sei denn andere Gründe sprechen dagegen, die theologisch-ordensmäßige Ausbildung vor der Berufsausbildung anzusetzen. Vernünftigerweise sollten die Brüder ihre theologische Ausbildung in Instituten erhalten, die diese Art der Ausbildung für Ordensleute und Laien anbieten.

Während der theologischen und ordensmäßigen Ausbildung sollen die Brüder es nicht vernachlässigen, ihre beruflichen Interessen weiterhin zu pflegen, sei es durch Lesen oder durch eine entsprechende praktische Arbeit. Das gilt in besonderer Weise für jene Kandidaten, die bereits ein Fachdiplom erworben haben.

Formatoren sollen darauf achten, dass Brüderkandidaten nicht denselben Tagesablauf haben wie ihre Kollegen, die Priester werden wollen. Das kann bedeuten, dass sie nicht an allen Aktivitäten der jeweiligen Kommunität teilnehmen können. Gegenseitiges Verständnis von den Formatoren und der Kommunität hinsichtlich der Brüderkandidaten ist gefragt. Brüderkandidaten sollen einen gewissen Freiraum haben, um ihr Programm durchführen zu können. Das gilt natürlich auch für jüngere Brüder in den Zeitlichen Gelübden, wenn sie ihrer beruflichen Weiterbildung nachgehen.

3.2.3.1 Ziele

  • Das geistige Leben und die Liebe zu Christus vertiefen.

  • Akademisches und intellektuelles Wissen erweitern.

  • Wachstum der Persönlichkeit.

  • Das eigene Wissen mit der pastoralen Praxis verknüpfen.

3.2.3.2 Mittel und Wege

Neben anderen sind folgende Breiche für eine theologische Ausbildung nützlich:

  • Christliche Moral und Soziallehre der Kirche.

  • Theologie des geweihten Lebens.

  • Bibeltheologie.

  • Missiologie, Ökumenismus.

  • Aspekte der Pastoraltheologie und Katechese.

  • Soziologie, Psychologie, theologische Anthropologie, Politik.

3.3. Noviziat

Das Noviziat ist die Zeit einer tiefer gehenden Entscheidungsfindung. Der Novize soll zur Berufsklärung geführt werden und ein solides Fundament für ein Leben als missionarischer Ordenschrist ausbilden.

Der Novize wird die Zeit zur Besinnung und Entscheidung im Hinblick auf den Weg nutzen, den er als Bruder oder Priester im Dienste des Herrn in der Gesellschaft einschlagen will.

„Grundsätzlich ist das Noviziat in unserer Gesellschaft für Brüder und Kleriker gemeinsam. Wenn es zwei Jahre dauert, wird zumindest das kanonische Jahr gemeinsam durchgeführt. Stehen einem gemeinsamen Noviziat Schwierigkeiten entgegen, können getrennte Noviziate durchgeführt werden.” (c. 512.8)

3.3.1 Ziele

„Im Noviziat soll die Berufung reifen und sich klären. Der Novize wird in die Nachfolge Christi eingeführt, wie sie in Leben und Spiritualität unserer Gesellschaft und in unseren Konstitutionen zum Ausdruck kommt. So lernt er, dem Herrn immer entschiedener zu folgen. Lebendige Verbundenheit mit dem Göttlichen Wort und Leben in einer Gemeinschaft sollen ihn zu einem klaren Verständnis seiner selbst und zu einer besseren Kenntnis unserer Gesellschaft führen, so dass er eine verantwortliche Berufsentscheidung treffen kann” (c.512).

3.3.2 Mittel und Wege

  • Tägliche Eucharistie und Gemeinschaftsgebet; Schriftbetrachtung; geistliche Lesung und Übungen; Bibelgespräch.

  • Einkehrtage und Exerzitien.

  • Leben nach den evangelischen Räten.

  • Einhalten der Tagesordnung; Verzicht, Alleinsein und Stille praktizieren; Dienst an der Gemeinschaft, Teilnahme am Gemeinschaftsleben; Mitbrüderlichkeit.

  • Pflege missionarischer Spiritualität und Erfahrungsaustausch von Missionaren.

  • Studium der Geschichte, der Konstitutionen und Charismen der Gesellschaft und der christlichen Spiritualität.

  • Persönliche Einkehr; psychologische Hilfe; spirituelle Leitung; correctio fraterna.

  • Gemeinsame Auswertung und Reflexion über das Noviziat.

  • Handarbeit, Sport.

3.4. Nachnoviziat

3.4.1 Die Etappe der zeitlichen Gelübde

„Die Jahre der zeitlichen Gelübde dienen der weiteren Entfaltung des geistlichen Lebens. Die Mitbrüder sollen ihre grundsätzliche Verfügbarkeit für den Anspruch Gottes in den Evangelischen Räten vertiefen und klarer sehen, in welchen Arbeitsbereichen der Gesellschaft sie einmal tätig sein können. In dieser Zeit soll jeder Mitbruder die Gewissheit gewinnen, in seiner Berufung als Ordensmissionar auch menschliche Erfüllung zu finden.

Eigenständigkeit und Ausgeglichenheit, Fähigkeit zum gemeinsamen Leben und Arbeiten, lebendiger Glaube und missionarische Bereitschaft sollen während dieser Zeit weiter wachsen” (c.513).

Dies ist eine Zeit beständigen Wachsens. Als Ordensmann in der SVD soll der Bruder in zeitlichen Gelübden persönliches Gebet, Meditation, Gewissenserforschung, Schriftlesung und geistliche Lesung miteinander verbinden. Er nimmt regelmäßig am Gemeinschaftsgebet und an der Liturgie teil. Jeder sollte einen geistlichen Begleiter haben, mit dem er sich regelmäßig trifft und bespricht.

Die Situation des Bruders verlangt eine aktive Kommunität, die eine Atmosphäre für einen jungen Menschen bietet, die lebendig und dynamisch ist, die ihn beachtet und Respekt erweist, die eine klare Richtung vorgibt und gegebenenfalls auch herausfordert. Eine solche Kommunität pflegt ein geregeltes Gebetsleben, fördert spirituelles Wachstum und zeigt Offenheit und Verständnis.

Der Brüderpräfekt für die Zeitlichen Gelübde trifft sich regelmäßig mit jedem Bruder. Er bespricht sich ebenso mit Mitbrüdern auf lokaler Ebene, die mit der Brüderausbildung zu tun haben. Eine jährliche Auswertung über den Verlauf der Ausbildung geschieht durch den Leiter der Brüderausbildung, durch jene, die in sein Ausbildungsprogramm involviert sind und durch den betreffenden Bruder selbst.

3.4.2 Fachliche Ausbildung

Im Idealfall ist die Teilnahme der Brüder an apostolischen Diensten direkt und auf die Menschen hin orientiert. Dies fordert ihn heraus, mehr und mehr eine Rolle in Leitung zu übernehmen. Wenn Brüder auch ermutigt werden sollen, in den traditionellen Aufgabengebieten ihren Dienst zu versehen, so muss doch die Ausbildung des Bruders die Vielfalt der heute möglichen Optionen für einen Dienst ebenso sehr in Betracht ziehen wie die höheren fachlichen Anforderungen, die sich ihm heute stellen (Analecta SVD-70/1, 1995, p. 83). Während der beruflichen Ausbildung sollten wir nicht vergessen, dass diese „den Forderungen des jeweiligen Landes entsprechen und die missionarische Ausrichtung sowie den internationalen Charakter unserer Gesellschaft berücksichtigen“ muss (c. 503).

Es besteht für Brüderkandidaten ebenso die Möglichkeit, ihre weitere Berufsausbildung im Ausland zu machen, wie es das XIV. Generalkapitel empfiehlt: „Die Praxis, Brüder und Kleriker nach dem Noviziat für das Theologiestudium oder die Berufsausbildung in ein anderes Land zu schicken, um so den internationalen Charakter unserer Gesellschaft voranzubringen und den Horizont der einzelnen zu erweitern, soll ermutigt werden“ (FW 5, 5.9.).

3.4.2.1 Ziele

  • Berufliche Qualitäten erwerben.

  • Wachsen in der Selbsteinschätzung und im Selbstvertrauen.

  • Wachsen in der ordensmissionarischen Berufung als SVD-Bruder.

3.4.2.2 Mittel und Wege

  • Studium an einer anerkannten Institution.

  • Beschäftigung mit den Dokumenten der Kirche über das Ordensleben sowie Dokumenten der Gesellschaft.

  • Geistliche Übungen (Meditation, Bibellesen, Einkehrtage, Exerzitien, geistliche Führung).

  • Zugehörigkeit zu und Teilnahme an einer SVD-Kommunität.

  • Erlernen des Dialogs mit Menschen anderer Glaubensrichtungen und Kulturen.

  • Leitung des Rektors/Präses der Kommunität oder des Distriktsoberen; Fortsetzung des Entscheidungsprozesses, so dass er sich auf eine Lebensentscheidung für Gott und die Gesellschaft vorbereiten kann.

  • Regelmäßige Selbstevaluierung.

  • Regelmäßiger Kontakt mit dem Präfekten des Brüder in Zeitlichen Gelübden und/oder dem Direktor der Brüderausbildung und mit dem geistlichen Begleiter.

Es kommt vor, dass ein Bruderkandidat mit einem Abschlussexamen oder einem Berufsabschluss eintritt. Auf dieser Stufe der Zeitlichen Gelübde kann er unmittelbar seinen Beruf ausüben, entweder innerhalb oder auch außerhalb der SVD-Strukturen. In jedem Falle sollte er aber in einer SVDKommunität bleiben, da dies ein integraler Bestandteil seiner Ausbildung als Missionar und Ordensmann ist.

3.4.3 OTP/CTP

„Auf jeder Stufe ihrer Ausbildung widmen die Brüder unter Anleitung einen Teil ihrer Zeit einem sozialen und apostolischen Dienst. Begegnungen mit anderen Kulturen und zeitlich begrenzter Missionseinsatz sind sehr empfehlenswerte Möglichkeiten ihrer Ausbildung” (c. 515,3)

Der Bruder kann auch ein OTP in einer anderen Provinz machen. Ob er OTP oder CTP machen möchte, bleibt dem Einzelnen überlassen. Die Bewerbung richtet sich an den Direktor des Brüderausbildungsprogramms, an den Hausrat und dann an den Provinzialrat, dem die Entscheidung obliegt.

OTP/CTP soll dem jungen Bruder die Gelegenheit bieten, Erfahrungen im missionarischen Dienst außerhalb seines eigenen sozio-kulturellen Kontextes zu machen und den internationalen Charakter der Gesellschaft zu erleben. In dieser Zeit kann der Bewerber das Charisma unserer Kommunitäten konkret erfahren und seine missionarischen Überzeugungen in einem besonderen apostolischen Zusammenhang stärken und festigen.

3.4.3.1 Ziele

  • Dem Bruder die Gelegenheit geben, in unseren eigenen Kommunitäten und Missionen leben und arbeiten zu können, in einem anderen sozio-kulturellen Kontext.

  • Den Reifungsprozess in seiner missionarischen Berufung begleiten.

  • Seine Talente fördern und zur Vollkommenheit in seiner ordensmissionarischen Berufung anregen.

  • Zur engeren Verbindung unter den Provinzen/Regionen aufrufen, unser Charisma der Internationalität und des multikulturellen Zusammenlebens fördern und pflegen.

  • Dem Bruder helfen, eine neue Kultur schätzen zu lernen und eine ausgeglichene Einstellung und Haltung zu erwerben, indem er sich mit den Gegebenheiten jenes Landes vertraut macht, in dem er sein OTP/CTP macht.

Vor Beginn des OTP soll der Bruder:

  • fest in seiner Berufung stehen.

  • zu einer ausgeglichenen emotionalen und spirituellen Reife gelangt sein.

  • bei guter Gesundheit sein. 􀁺 über genügend Fachkenntnisse verfügen.

3.4.3.2 Dienste und Aufgaben

Die Aufgaben des Bruders während des OTP:

  • zur Missionsarbeit in der gastgebenden Provinz/Region beitragen.

  • Gelegenheit haben, seinen Beruf ausüben zu können.

  • langfristige Erfahrungen im missionarischen Einsatz der Gesellschaft machen.

  • sich den neuen berufsbezogenen Wirklichkeiten in einer anderen Kultur aussetzen.

3.4.4 Erfahrung in der Berufspraxis

Wie bereits erwähnt, stehen dem jüngeren Bruder OTP/CTP als Option offen. Er entschließt sich dazu nach Rücksprache mit seinen Formatoren. Neben der Möglichkeit, in einem anderen Kulturraum seine Erfahrungen zu sammeln, kann er ebenso in der eigenen Provinz bzw. dem eigenen Land ein praktisches Programm für ein oder zwei Jahre ableisten, wenn er seine Berufsausbildung abgeschlossen hat. So kann er seine Talente und Begabungen auf seinem Spezialgebiet besser entwickeln. Es gibt ihm die Gelegenheit, seinen Beruf mit großem Selbstvertrauen auszuüben.

Wir sollten uns bewusst sein, dass der junge Bruder auf dieser Stufe immer noch am Anfang seiner Ausbildung steht. Darum soll die Gemeinschaft ihm ein förderndes Umfeld bereiten und ihm bei der Aufstellung seines Planes behilflich sein. Ausgeglichenheit zwischen seiner Arbeit und den Aktivitäten der Gemeinschaft soll angestrebt werden.

3.4.4.1 Ziele

  • Die Gelegenheiten nutzen, sich besser mit den eigenen Begabungen vertraut zu machen.

  • Lernen, den Beruf mit dem Leben in der Gemeinschaft und mit dem eigenen spirituellen Leben in Einklang zu bringen.

  • Offen zu sein für die Einschätzung des Formators und anderer Mitglieder der Gesellschaft in Beziehung zum eigenen Berufsfeld und dem Gemeinschaftsleben.

3.4.4.2 Mittel und Wege

  • Ein angemessener Platz für den jüngeren Bruder für seine praktischen Erfahrungen, innerhalb oder außerhalb der SVDStrukturen.

  • Begleitung durch eine erfahrene Persönlichkeit.

  • Weiterbildung durch Lektüre etc. in seinem Berufsbereich.

  • Ermunterung von Seiten der Gemeinschaft und Interesse zeigen an seinem Einsatz als Bruder.

3.4.5 Ewige Gelübde

Der junge Bruder hat in diesem Stadium seiner Ausbildung im Rahmen unserer Konstitutionen regelmäßig die Gelübde erneuert. Er hat sich diesem Wachstumsprozess ganz bewusst ausgesetzt und diesen sich zu eigen gemacht. Jetzt will er sich als Ordensmissionar dem Herrn durch die Ewigen Gelübde in der Gesellschaft des Göttlichen Wortes für immer weihen.

3.4.5.1 Inhalte und Ziele

„Die unmittelbare Vorbereitung auf die Ewigen Gelübde geschieht unter besonderer geistlicher Leitung. Durch bewusste Regelmäßigkeit von Betrachtung und Gebet, Schriftlesung und Eucharistiefeier müssen die Mitbrüder in der ständig geforderten Hinwendung zum Herrn gefestigt sein; so werden sie ihre endgültige Entscheidung treffen können, sich in unserer Gesellschaft lebenslang dem Göttlichen Wort für seinen Heilsdienst zu übereignen” (c.514).

  • Die verschiedenen Erfahrungen und Bewertungen aus der Frühzeit der Ausbildung einordnen und integrieren.

  • Das emotionale und affektive Leben mit der Hingabe als Ordensmissionar in Einklang bringen.

  • Die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit schwierigen Situationen und Spannungen abschätzen, um herauszufinden, ob man für das Gemeinschaftsleben geeignet ist.

  • Die Fertigkeiten in den verschiedenen Diensten prüfen und festigen.

  • Bestätigung für die eigene Fähigkeit und Treue zu einem Leben in den drei Gelübden der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams erlangen.

3.4.5.2 Mittel und Wege

„Die Mitbrüder verbringen die Zeit der Vorbereitung auf die Ewigen Gelübde in einem Hause der Gesellschaft, in dem gründliche Schulung und Vorbereitung gewährleistet sind. Die Vorbereitung auf die Ewigen Gelübde dauert sechs bis zwölf Monate” (c. 514,1).

  • Unterweisung in den Gelübden und Betrachtung der Gelübde: Ehelosigkeit, Armut, Gehorsam.

  • Nachdenken über die SVD-Konstitutionen und andere kirchliche Dokumente, die mit dem Ordensleben zu tun haben.

  • Exerzitien und Einkehrtage.

  • Regelmäßige geistliche Begleitung, Betrachtung und persönliches Gebet.

  • Rege Teilnahme am Gemeinschaftsleben.

  • Dialogbereitschaft in Vorbereitung auf die Erstbestimmung im Lichte der eigenen Begabungen und der Erwartungen der Kirche und unserer Gesellschaft.

3.4.6 Erstbestimmung

„Wer sich unserer Gesellschaft anschließt, muss bereit sein, in Erfüllung unseres missionarischen Auftrages dorthin zu gehen, wohin der Obere ihn sendet, auch wenn diese Bestimmung den Verzicht auf die Heimat, die Muttersprache und den angestammten Kulturraum bedeutet” (c.102).

„Die Mitbrüder erhalten ihre erste Arbeitsbestimmung für gewöhnlich mit der Zulassung zu den Ewigen Gelübden. Sie teilen den Oberen mit, für welches Arbeitsfeld und für welche Art der Arbeit sie sich für am besten geeignet halten. Der Generalsuperior weist ihnen ihr Arbeitsfeld zu unter Berücksichtigung ihrer Gesundheit, ihrer Neigungen und Fähigkeiten” (c. 116,1)

„Dem Charakter unserer Gesellschaft entsprechend, werden die Mitbrüder für die verschiedenen Provinzen nach dem Grundsatz der relativen Internationalität bestimmt” (c. 116,2). In der Tat geben wir durch unsere internationalen und interkulturellen Gemeinschaften ein besonderes Zeugnis für das Reich Gottes (vgl. IDW 1, Nr. 48). Daher sollen jene, die ihr volles Ausbildungsprogramm innerhalb ihrer eigenen Provinz/Region gemacht haben, ermutigt werden, sich mit der Erstbestimmung um eine andere Provinz oder um ein anderes Land bewerben.

In manchen Fällen kann ein Bruder, der für eine bestimmte Aufgabe in seiner eigenen Provinz/Region vorgesehen ist, für eine bestimmte Zeit auch missionarische Erfahrungen in einem anderen Land machen.

Da die Brüder ihren missionarischen Beitrag besonders durch ihre Berufstätigkeit leisten, ist es ratsam, sie auch wirklich den Beruf ausüben zulassen, für den sie ausgebildet sind. Ein Schreinerbruder sollte demnach nicht in eine Provinz/Region geschickt werden, wo dieser Beruf nicht gefragt ist.

Erstbestimmung: Bewerbungen
(Handbuch für Obere, c. 21, 1.0-4.4)

1.0 Umfassende Verfügbarkeit gegenüber Kirche und Gesellschaft

„Erstbestimmungen waren immer schon der Ausdruck unserer spezifischen Berufung: der Bereitschaft des Mitbruders, dorthin zu gehen, wohin ihn der Obere sendet (vgl. c. 102). … Wir geben uns nicht selbst unsere Missionsbestimmung. Wir erhalten sie direkt von der Gesellschaft – und durch diese von der Kirche. Ein Individuum, der den Oberen seinen eigenen Willen aufzwingen würde, würde sowohl dem Sinn des Ordenslebens wie auch dem der missionarischen Berufung widersprechen. Für uns ist daher diese Bereitschaft eine der grundlegendsten Haltungen unserer Berufung. Immer wieder wird dies in unseren Konstitutionen betont” (Nuntius XIII, p. 423, 2). Die Bitte um die Erstbestimmung in unserer Gesellschaft sollte als Ausdruck der Solidarität und Mitverantwortung für das Wohlergehen und die Entwicklung unserer missionarischen Ordensgemeinschaft verstanden werden (c. 603).

2.0 Vorgehensweise

2.1 Dialog. Die Erstbestimmung erfolgt im Rahmen eines Dialogs, bei dem die Oberen die personale Würde unserer Mitbrüder achten und diese Mitbrüder derselben Personwürde dadurch Achtung erweisen, dass sie Initiative und Eifer zeigen, die Ziele der Gesellschaft zu erreichen, sowie die Bereitschaft, die rechtmäßige Autorität unserer Oberen anzunehmen (c. 602; 217;218).

2.2 Glaubwürdigkeit. Dementsprechend ist es wichtig für die Mitbrüder, ihre Oberen offen und wahrheitsgetreu zu informieren über:

2.2.1 ihren Gesundheitszustand,

2.2.2 ihre persönlichen Neigungen und Fähigkeiten,

2.2.3 ihren Einsatzbereich, für den sie sich selbst am besten geeignet halten,

2.2.4 ihre akademische oder berufsmäßige Ausbildung, Spezialgebiete, Abschlussexamen oder Titel etc.... (c.116,1; 517)

2.3 Aufrichtigkeit. Bei der Abfassung ihrer Eingabe um die Erstbestimmung sollen sich die Mitbrüder von Vertrauen und Offenheit leiten lassen. Unaufrichtigkeit in der Darlegung von Vorliebe und Neigung ist ein schwerer Fehler und würde die Oberen und alle anderen Beteiligten in die Irre führen. Es ist gleichermaßen wichtig, Vorliebe und Abneigung bekannt zugeben; für Obere ist es hilfreich zu wissen, wofür jemand nicht bestimmt werden möchte (c. 116.1; 218; 219).

2.4 Flexibilität. Bereitschaft und Anpassungsfähigkeit sind notwendig, um vernünftige Planung in der Gesellschaft zu ermöglichen (Nuntius XI, p. 409.5).

3.0 Nennung von drei verschiedenen Vorschlägen (Nuntius XIV, p. 339)

3.1. Der Bewerber kann eine spezifische Provinz angeben, wenn ein bestimmter Grund vorliegt, z.B. wenn er dort ein OTP gemachtoder in den Ausbildungsjahren ein besonderes Interesse entwickelt hat oder dergleichen.

3.2. Es besteht die Möglichkeit, ein Land anstelle einer Provinz zu wählen, wenn es mehrere Provinzen hat (Brasilien, Philippinen, Deutschland), oder wenn es nicht Teil eines grof3eren Sprachraums ist (wie z. B. im Falle von Angola, Neuguinea, China usw.)

3.3. Für das Generalat bedeutet es eine große Hilfe, wenn der Bewerber anstelle einer Provinz ein Sprachgebiet angibt, z.B. das franzo-sischoder englischsprachige Afrika, das spanisch- oder portugiesischsprachige Lateinamerika. Diese Offenheit and Flexibiliät ermöglicht uns, das Personal nach den bestehenden Notwendigkeiten einzusetzen.

Bei Erstbestimmungen berücksichtigt das Generalat wichtige Faktoren. Im Handbuch für Obere heißt es (C21, 4.1-4.5):

Die Gesellschaft benötigt Mitbrüder, die zur Arbeit in bestimmten Gebieten unserer missionarischen Sendung bereit sind: Ausbildung und Weiterbildung, Berufungspastoral, Kommunikation, pädagogische Tätigkeiten in Schulen, Kollegien und Universitäten, SVD Forschungsinstitute (anthropologische/missiologische Institute), Finanzen und Verwaltung.

Bewerber für diese Bereiche werden gebeten, die Gründe für ihre Wahl und ihre spezifischen Talente und Interessen anzugeben und zu zeigen, inwieweit diese mit den oben genannten Grundanliegen der Gesellschaft in Verbindung stehen.

Da nicht immer der erste Wunsch erfüllt werden kann, sollten die Mitbrüder bereit sein, auch eine andere Bestimmung anzunehmen. Jeder der drei Wünsche für die Erstbestimmung ist so zu verstehen, dass der an dritter Stelle genannte Wunsch ebenso gewährt werden kann wie der erste. „Niemand soll enttäuscht sein, wenn seine dritte Wahl Wirklichkeit wird.“ (Nuntius XIII, p. 460).

Wird ein Mitbruder für ein Land oder für eine Aufgabe bestimmt, für die er sich nicht gemeldet hat, wird das Generalat gewöhnlich mit dem betreffenden Mitbruder vorher Rücksprache nehmen. Eine solche Rücksprache erfolgt allerdings nicht, wenn er für sein Heimatland bestimmt wird. (Nuntius XI, p. 409,5). (Für weitere Information zur Erstbestimmung und Vorgehensweise siehe HB, C21, 5.0-6.5)

3.4.7 Fortbildung

„Wandlungen in Welt und Kirche, in Wissenschaft und Theologie sowie Entwicklungen in den einzelnen Lebensphasen verlangen von jedem Mitbruder und von jeder Kommunität ständiges Studium, fachliche Fortbildung und lebenslanges Reifen” (c. 520).

„Wachstum ist eine lebenslange Aufgabe“ (c. 501) „Wir sind nie am Ziel, sondern immer auf dem Weg“ (c. 523). Jeder SVDist ist verantwortlich für seine menschlich spirituelle und berufliche Weiterbildung. Hierzu ist er ernstlich verpflichtet. (Analecta SVD 70/1, p. 84)

Weiterbildung setzt Grundausbildung voraus. Wir stellen auf allen Stufen eine natürliche Kontinuität fest. Schon während der Zeitlichen Gelübde hat der junge Bruder die Gelegenheit, an Workshops und Treffen teilzunehmen, die auf der Ebene der Provinz oder des Distriktes angeboten werden. Weiterbildung dauert ein ganzes Leben lang. Dabei sehen wir zwei Wege: Weiterbildung liegt zunächst ganz und gar in der Verantwortlichkeit jedes einzelnen (durch Lektüre, Teilnahme an Workshops, Kurse, Tagungen etc.). Leider sind viele Brüder so beschäftigt, dass sie höchst selten an Weiterbildungskursen teilnehmen. Das sollte sich ändern.

Zweitens: Weiterbildung ist ebenfalls Sache der Provinz/Region. Obere sollen entsprechende Gelegenheiten zur Weiterbildung anbieten. Das XIII. Generalkapitel betont, dass „jede Provinz ein Programm für die Weiterbildung erstellen soll” (FW 1, III, F, pp. 75ff).

Die Leiter der Brüderausbildung sollte bei der Erstellung des Programms mitwirken und die Brüder anregen, die gegebenen Möglichkeiten zu nützen. Das Tertiat ist weitere Gelegenheit zur Erneurung; es sollte empfohlen werden (HS C 25)

3.4.8 Spezialisierung

„Die Sendung der SVD mit ihren spezialisierten Diensten und Prioritäten fordert Mitbrüder mit Spezialaufgaben. Darum sind höhere Studien ein wesentlicher Teil unserer Vorbereitung auf unseren missionarischen Dienst. Darum mögen die Oberen Mitbrüder mit besonderen Talenten und Fähigkeiten zu höheren Studien ermutigen” (HS, C 23).

4. BRÜDERAUSBILDUNG:
VERANTWORTLICHE

4.1. Kandidat

Der Bruderkandidat selbst ist der Hauptverantwortliche für seine Ausbildung. Es geht um ihn. Darum muss er am eigenen Wachsen im menschlichen, spirituellen und intellektuellen Bereich interessiert sein. Dieses Wachstum „ist eine lebenslange Aufgabe. Die Verantwortung dafür tragen der Einzelne wie auch die Gemeinschaft” (c. 501).

4.2. Der Verantwortliche für Berufungspastoral

Der Verantwortliche für Berufungspastoral soll ein Mitbruder in Ewigen Gelübden sein. Er soll Zufriedenheit und Hingabe zum Leben in der Gesellschaft und zu ihrer Sendung ausstrahlen. Er zeigt Interesse und Fähigkeiten im Umgang mit Jugendlichen und hat genügend Einsicht in die Veranlagungen der Kandidaten. Es muss ihm vor allem um den Glauben der Personen gehen, um die er sich kümmert. Er begleitet sie auf ihrem Weg des Wachstums im Glauben. Er befasst sich ebenso mit dem familiären Hintergrund des Kandidaten für unsere Ordensgemeinschaft. Er soll ja Missionsberufe für die Berufung zum Ordensbruder und für das Priestertum in der Kirche und in der Gesellschaft des Göttlichen Wortes fördern. Er soll mit anderen Mitbrüdern erfolgreich zusammenarbeiten können; das gilt besonders für die Zusammenarbeit mit den Ausbildern; er ist versntwortlich gegenüber dem Provinzial und seinem Rat.

4.3. Präfekt der Brüder in Zeitlichen Gelübden

Seine Aufgabe ist:

  • Er bespricht mit jedem Einzelnen den Ablauf, wertet frühere Erfahrungen aus und plant weitere Schritte.

  • Er setzt in einem Gespräch zu Beginn des neuen Gelübdejahres das Planziel fest.

  • Trifft sich regelmäßig mit dem Bruder.

  • Ermöglicht die Teilnahme an Erfahrungen, die der Ausbildung dienlich sind.

  • Führt jährliche Auswertungen über die Einzelnen durch, die an den Programmen für Mitbrüder in Zeitlichen Gelübden teilnehmen.

  • Bespricht die Möglichkeiten, Jahresexerzitien zu machen, mit ihm.

  • Bespricht mit dem Bruder die Erstellung eines theologischen Ausbildungsprogramms.

  • Bietet Führung und wenigstens einmal jährlich Auswertung apostolischer Einsätze.

  • Hilft in der Planung der Vorbereitung auf die ewigen Gelübde.

  • Garantiert ein passendes Programm für geistliche Übungen.

  • Hilft mit bei der Auswahl eines Ratgebers.

4.4. Lokalobere

  • Der Lokalobere hat alle Rechte und Pflichten, wie sie in den Konstitutionen und dem Direktorium niedergelegt sind (vgl. c. 636).

Dazu kommen die folgenden Aufgaben:

  • Er muss bei allen Aktivitäten zu Rate gezogen werden, die außerhalb der Gemeinschaft des Bruders anfallen (in der Pfarrei, im sozialen Bereich, bei praktischen Erfahrungen).

  • Er gibt dem zeitlichen Professen Taschengeld und stellt sicher, dass dieser verantwortungsbewusst mit den Geldern der Kommunität umgeht.

  • Der Bruder legt dem Oberen Rechenschaft über seine Tätigkeit ab.

4.5. Mentor/Ratgeber

Ein Mitbruder in Ewigen Gelübden kann als Mentor für einen Bruder in Zeitlichen Gelübden tätig sein. Folgende Aufgaben nimmt er dabei wahr:

  • Die Bereitschaft zuzuhören und Mut zuzusprechen.

  • Die Fähigkeit, auf Schwächen und Versäumnisse hinzuweisen und sie zu korrigieren.

  • Gelegentliche Visitationen in den Tätigkeitsbereichen des Bruders vornehmen.

  • Die grundsätzliche Bereitschaft, die Persönlichkeitsentfaltung durch Rat und Zuspruch zu fördern, auf Schwierigkeiten und Probleme hinzuweisen und vor möglichen negativen Entwicklungen zu warnen.

  • Beizutragen zu einem tieferen Verständnis seiner Berufung.

  • Beizutragen zu einer hohen Wertschätzung der SVD und seiner Hingabe an die Mission der Gesellschaft.

4.6. Spiritual

Die Aufgabe des geistlichen Begleiters des Bruders besteht darin:

  • ihm im persönlichen Reifungsprozess und Glaubenswachstum beizustehen.

  • ihn dahin zu führen, dass er seine Berufung und die drei evangelischen Räte besser versteht.

  • ihn zum Gebet anzuleiten und zu ermutigen und ihn zu befähigen, „so gesinnt zu sein wie Jesus Christus gesinnt war” (Phil 2,5).

  • ihn zur Selbstverleugnung und zu einem einfachen Lebensstil hinzuführen.

  • ihn herauszufordern, in seinem ganzen Lebensstil zu zeigen, dass Christus „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist (Joh 14,6), auch angesichts all der Schwierigkeiten, denen der Bruder begegnet.

4.7. Der Leiter der Brüderausbildung in der Provinz bzw. im Land

Entsprechend den Konstitutionen soll in jeder Provinz/Region ein Leiter der Brüderausbildung ernannt werden. Wo es jedoch mehrere Provinzen im gleichen Land gibt, gibt es gewöhnlich einen interprovinziellen/ nationalen Leiter der Brüderausbildung (vgl. c. 522.3).

Seine Aufgaben sind folgende:

  • Auf die Durchführung des Ausbildungsprogramms der Brüder in den Provinzen achten.

  • Einen Überblick über die Gesamtheit der Programme gewinnen, sie bewerten und Verbesserungsvorschläge anbringen.

  • Eingreifen, wenn das Programm nicht befolgt wird oder wenn keine Fortschritte bei der Entwicklung eines Kandidaten oder eines Bruders in zeitlichen Gelübden festgestellt werden.

  • Institutionen und Pfarreien als Ausbildungsorte vorschlagen und Mentoren an Ort und Stelle einsetzen.

  • Dem einzelnen Bruder beim Hineinwachsen in die SVD beistehen und ihn in seiner Bereitschaft zur missionarischen Arbeit unterstützen.

  • Vorschläge an die Provinziale für interprovinzielle Bestimmungen während der Ausbildungszeit koordinieren.

  • Jährliche/regelmäßige Treffen der Brüder in Zeitlichen und Ewigen Gelübden organisieren.

  • Weiterbildung der Brüder begleiten.

  • In Kontakt bleiben mit allen Verantwortlichen der Brüderausbildung durch regelmäßige Treffen.

  • Teilnahme am Vorstand des Brüderausbildungsteams in der Provinz/im Land.

5. SCHLUSS

Wir hoffen, dass die Provinzen/Regionen im Licht dieses Büchleins ihr jeweiliges Ausbildungsprogramm der Brüder überprüfen und revidieren werden. Diese Aufgabe ist gewiss nicht einfach. Aber der Wert der Brüderberufung für die Welt von heute kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Trotz der vielen Schwierigkeiten im Verständnis und bei der Unterstützung dieser Berufung im gegenwärtigen kirchlichen Kontext (Klerikalismus, kirchenrechtlicher Status der Gesellschaft etc.) kann ein gutes Ausbildungsprogramm für unsere Brüder dazu beitragen, ihre Anzahl zu vergrößern und das Leben und die Sendung unserer Gesellschaft des Göttlichen Wortes zu verbessern. Wir müssen die Brüder mehr und mehr als Partner verstehen, die zusammen mit ihren Mitbrüdern, die Kleriker sind, die gemeinsame Sendung unserer Gesellschaft verwirklichen, wenn auch durch verschiedene und sich ergänzende missionarische Akzentsetzungen und Vorgehensweisen.

Die Brüder sind durch ihr Leben und ihre Arbeit ein prophetisches Zeichen für unsere Gesellschaft und für die ganze Kirche. Sie erinnern uns an die gemeinsame Würde und daran, dass wir als Christen untereinander ,alle Brüder’ (Mt 23,8) sind. Sie halten den Sinn für eine authentische Communio in unseren Gemeinschaften wach und machen uns auf die Einheit in der Vielfalt aufmerksam; diese Einheit kommt in ihrer Berufung als geweihte Laien zum Ausdruck, die mit ihren priesterlichen Mitbrüdern zusammen leben und wirken (c. 104). Es besteht kein Zweifel daran, dass „das Fehlen von Brüdern in einer SVD-Gemeinschaft eine Verarmung unseres Zeugnisses als Missionare und Ordensleute darstellt.“ (FW 1, III, B, p. 68).

Missionarisches Wirken ist nicht an die Priesterweihe gebunden. Im Lichte des XV. Generalkapitels im Jahre 2000 weisen uns die Brüder auf ihr Mitwirken bei unserem missionarischen Auftrag hin, eben durch ihren beruflichen Einsatz, ihre sozialen Dienste und ihre pastorale Tätigkeit. Als Laien schlagen sie eine Brücke zu den Laien und besonders zu denen, die wohl kaum den Weg in die Kirche wagen, und zu Menschen anderer religiöser Traditionen. Diese Ausführungen tragen hoffentlich dazu bei, unseren Brüdern eine solide geistliche, soziale, berufliche und ordensmissionarische Ausbildung anzubieten, die all das berücksichtigt, was bis heute in der SVD erreicht wurde. Das letzte Wort ist ein Wort des Dankes für die Bemühungen der Provinzen/Regionen, ihre Ausbildungsprogramme auf den neuesten Stand zu bringen und zu verbessern.

Rom, 27. Januar 2005

ANHANG

Genereller Überblick über die Brüder in der SVD heute

Br. Alfonso Berger SVD

Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Informationen über die Brüder in unserer Gesellschaft vorlegen. Sie basieren auf meinen persönlichen Nachforschungen und intensiven Kontakten während der Generalvisitationen. Ich habe die Berichte, die an das Generalat gerichtet waren, durchgearbeitet und auch persönliche Gedanken der Mitbrüder gesammelt. Die Anzahl der Brüder in unserer Gesellschaft (12,5% von 6050 Mitgliedern) mag für manche besorgniserregend sein. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass die Brüder weltweit die verschiedensten Dienste ausführen. Tatsächlich stellen wir von Seiten unserer klerikalen Mitbrüder wie auch von den Laien eine großartige Wertschätzung der Brüder fest. Trotz mancher Zwänge und Spannungen leisten die Brüder einen wichtigen Beitrag in Gesellschaft, Kirche und staatlichen Institutionen. Das tun sie, indem sie durch ihr authentisches Brudersein und durch die Solidarität mit den Menschen für den Herrn Zeugnis ablegen.

Die folgende Statistik stammt aus dem Jahr 2004. Sie bietet einen Überblick über die Brüder in unserer Gesellschaft von heute. Ich habe sie nach Zonen und Geburtsjahrgängen geordnet. Die Zahlen repräsentieren die Brüder in Ewigen und Zeitlichen Gelübden, die in den jeweiligen Provinzen/ Regionen leben und arbeiten. Hinzu kommen die Novizen. Eine kurze Einführung über die Tätigkeiten der Brüder, ihre Personalentwicklung, Herausforderungen und Erwartungen gehen den Statistiken jeder Zone voraus. Sie werden einige Diskrepanzen zwischen dem Catalogus von 2004 und meinen Angaben feststellen. Ich habe die jüngst verstorbenen Brüder und jene, die versetzt wurden, nicht berücksichtigt. Außerdem habe ich unsere neue Mission im Tschad (TCD) und die neue Zentralamerikanische Region (CAM) getrennt behandelt.

AFRAM

Laut Catalogus 2004 und anderen Quellen hat diese Zone 55 Brüder in Ewigen und nur drei in Zeitlichen Gelübden. Zwei Provinzen fallen von der Anzahl der Brüder her auf: GHA hat 26 in Ewigen und nur einen in Zeitlichen Gelübden; CNG 10 in Ewigen, niemand in Zeitlichen. Die Zahl der Brüder ist praktisch in allen Provinzen/Regionen gering. In Ghana und im Kongo arbeiten viele Brüder in ihren traditionellen Berufen: Schreiner/Tischler, Landwirtschaft, Mechaniker. Andere sind auf folgenden Gebieten tätig: Erziehung/Ausbildung, Seelsorge, Verwaltung.

Nur wenige Provinzen/Regionen in dieser Zone haben ein gut ausgebautes Brüderausbildungsprogramm. Die ganze Zone hat nur drei Brüder in zeitlichen Gelübden. Das ist eine große Herausforderung für die Förderung des Bruderberufes.

Brüder nach Geburtsjahr, nach Provinz/Region:

Provinz/Region 1920 – 1940 1941-1960 1961-1980 Total
GHA 07 13 07 27
CNG 04 00 06 10
BOT 00 03 02 05
KEN 00 02 03 05
TOG 00 00 03 03
ANG 01 02 02 05
MAD 00 00 01 01
MOZ 00 00 01 01
TCD (Chad) 00 00 01 01
TOTAL AFRAM 12 20 26 58

ASPAC

Seit den späten 80-iger Jahren weist diese Zone die größte Anzahl von Brüdern in Zeitlichen Gelübden auf: 63 in Zeitlichen von 82 in der gesamten Gesellschaft. 46 Brüder in Zeitlichen Gelübden stammen aus Indonesien, 5 aus Vietnam, je 4 aus Indien und den Philippinen. Alle anderen Provinzen/Regionen haben weniger Brüder in zeitlichen Gelübden oder sogar keinen (vgl. Catalogus 2004, pp. 461-462)

Die Mehrheit der Brüder unserer Gesellschaft stammt seit 2003 aus dieser Zone. Wir haben hier 2565 Kleriker und nur 329 Brüder (wobei jene in Zeitlichen, Ewigen Gelübden und im Noviziat zusammengenommen sind). (Vgl. Catalogus 2004, p. 454).

Viele Brüder arbeiten in traditionellen Berufen: Schreiner, Mechaniker, Hausmeister, Landwirtschaft. Andere sind in der Schule, Verwaltung oder im Gesundheitsbereich tätig. Wenige arbeiten im Computerwesen, in Kommunikation und Ausbildung. Sie kommen regelmäßig auf nationaler und zonaler Ebene zusammen. Positiv ist zu bemerken, dass viele Provinzen ihr Brüderausbildungsprogramm überarbeitet haben.

Brüder nach Geburtsjahr, nach Provinz/Region:

Provinz/Region 1920 – 1940 1941-1960 1961-1980 Total
IDE 08 25 33 66
IDR 03 03 22 28
IDT 05 10 25 40
IDJ 04 07 30 41
Total Indonesien 20 45 110 175
         
INC 10 05 09 24
INE 04 03 06 13
INM 00 01 01 02
INH 00 05 01 06
Total Indien 14 14 17 45
         
PHC 04 03 06 13
PHN 02 04 00 06
PHS 00 07 02 09
Total Philippinen 06 14 08 28
         
Andere Provinzen 1920-1940 1941-1960 1961-1980 Total
PNG 13 + 1* 07 13 34
AUS 01 05 09 15
VIE 04 + 2* 04 06 16
SIN 02 03 04 09
JPN 01 00 04 05
KOR 00 00 02 02
Total 21 + 3* 19 38 81
         
Total ASPAC 64 92 173 329

* Brüder, die zwischen 1900 und 1919 geboren sind

EUROPA

Europa weist eine lange Geschichte der Brüder auf, wobei besonders an die in der Druckerei Steyl tätigen Brüder zu denken ist. Eine beträchtliche Anzahl blieb in Europa, um in den großen Missionshäusern zu wirken: Steyl, St. Augustin, St. Gabriel, St. Wendel. Nach dem Vaticanum II 1965 hat sich diese Situation total verändert: Berufskrise, Abnahme der Bevölkerung. 1990 gab es 351 Brüder in Ewigen und 40 in Zeitlichen Gelübden. Von diesen Zeitlichen Professen waren 28 in POL. Im Jahre 2000 gab es nur noch 274 in Ewigen und 12 in Zeitlichen Gelübden. Das ist eine Abnahme von 105 Brüdern in zehn Jahren.

Im Allgemeinen sind die Brüder in Europa in der Erhaltung der Häuser, als Schreiner, in der missionarischen Bewusstseinsbildung, als Maler, in der Ausbildung, als Gärtner, bzw. als Exerzitienmeister tätig. Sie fühlen sich sehr stark der jeweiligen Gemeinschaft verpflichtet. Manche leiden schwer unter den beruflichen Veränderungen: Schließen der Druckereien, Auflösung der Handwerksbetriebe, Schließung von Landwirtschaften, Bäckereien, Malerwerkstätten und Schreinereien. Hier ist eine Anpassung an die neue Realität gefragt. Die geringe Zahl von Brüderkandidaten ist eine Herausforderung. Denn viele Brüder erwarten immer noch einen Ersatz oder einen Nachfolger.

Brüder nach Geburtsjahr, nach Provinz/Region:

Provinz/Region 1920 – 1940 1941-1960 1961-1980 Total
CUR 00 00 01 01
ROM 03 01 04 08
GEN 35 + 10* 10 04 59
GES 36 + 06* 05 03 50
OES 21 + 02* 12 00 35
NEB 15 + 07* 02 02 26
POL 05 + 02* 05 14 26
SLO 02 01 04 07
HUN 01 02 00 03
SWI 03 + 01* 02 01 07
ITA 02 01 00 03
IBP 04 + 01* 00 02 07
ESP 02 00 01 03
POR 00 01 02 03
URL 00 01 07 08
Total EUROPA 129 + 29* 43 45 246

* Brüder, die zwischen 1900 und 1919 geboren sind

PANAM

Auch hier haben unsere Brüder eine bemerkenswerte Tradition. Zwischen 1890 und 1909 erhielt diese Zone 177 Brüder – eine ziemlich hohe Anzahl, wenn wir bedenken, dass 1905 die ganze Gesellschaft 551 Brüder und 288 Priester hatte. Die Situation hat sich im Laufe der Zeit verändert. Das zeigt die gegenwärtige Statistik: 115 Brüder in Ewigen Gelübden, nur 6 in Zeitlichen; 1194 sind Kleriker. Demnach ist diese Zone die ‚klerikalste’ aller vier Zonen. 91% sind Priester, 9% Brüder.

Das Verhältnis von Brüdern und Klerikern in den anderen Zonen sieht folgendermaßen aus: AFRAM 11% Brüder; ASPAC 11,5%; EUROPA 18,5% (vgl. die Statistik am Ende).

Zu berücksichtigen ist, dass sich die Brüderberufe nur in drei Ländern gut entwickelt haben: in den USA, Brasilien und Argentinien. In Chile, Paraguay, Mexiko und Bolivien gab es früher eine beträchtliche Anzahl Brüder, aber mit der Zeit sind die Zahlen kleiner geworden. In den übrigen Ländern Lateinamerikas hat es nie eine größere Entwicklung gegeben. Das dürfte etwas mit Klerikalismus oder sozialen Wertvorstellungen zu tun haben.

Aufs Ganze gesehen können wir über PANAM sagen:

  • Es liegen ganz gute Programme für die Brüderausbildung vor; das gilt aber nur für einige Provinzen. Brüderberufe sind eher selten.

  • Die Kommunikation unter den Brüdern ist nicht so leicht, da drei verschiedene Sprachen gesprochen werden: Englisch, Spanisch, Portugiesisch. Viele Brüder sprechen nur eine Sprache. Das macht den Erfahrungs- und Informationsaustausch schwierig.

  • Die Brüder sind auf verschiedenen Gebieten tätig: Verwaltung, Ausbildung, technische Berufe, Landwirtschaft, Erziehung, Pastoral, Gesundheit, missionarische Bewusstseinsbildung, Bibel, Katechese, Kommunikation, Sozialarbeit etc.

  • Mein Eindruck ist, dass sie im Allgemeinen treu zu ihrer Berufung stehen und keine Probleme mit dem Klerikalismus haben. Sie leben mit Freude und Hingabe ihre Berufung.

Brüder nach Geburtsjahr, nach Provinz/Region:

Provinz/Region 1920 – 1940 1941-1960 1961-1980 Total
USC 20+06* 13 02 41
USS 04 01 01 06
USW 04 02 00 06
Total USA 34 16 03 53
         
BRN 07+02* 00 01 10
BRC 02 + 01* 03 02 08
BRS 02 + 01* 01 01 05
BRA 00 01 01 02
Total Brazilien 15 05 05 25
         
ARS 06 + 01* 02 01 10
ARN 05 01 02 08
ARE 00 00 01 01
Total Argentinien 12 03 04 19
         
Andere Provinzen 1920-1940 1941-1960 1961-1980 Total
PAR 02 02 05 09
CHI 02 00 01 03
BOL 01 00 02 03
ECU 01 00 01 02
COL 00 00 01 01
MEX 01 00 02 03
CAM 00 00 00 00
Total 07 02 12 21
         
Total PANAM 57 + 11* 26 24 118
         
TOTAL GENERAL 253 + 43*= 296 181 268 751

* Brüder, die zwischen 1900 und 1919 geboren sind

SVD Brüder
(in Ewigen und Zeitlichen Gelübden, einschließlich Novizen)

Brüder* - Kleriker

* Brüder in Ewigen und Zeitlichen Gelübden, einschließlich Novizen.

Entwicklung über die Jahre hinweg: Brüder und Kleriker

Jahre: 1885 1905 1915 1935 1965 1985 2000 2004
Kleriker 35 520 901 2479 4230 4434* 5113 5275
Brüder 24 605 841 1870 1483 995* 848 775

* Veränderungen wurden im Catalogus 1984 eingeführt. Die obigen Zahlen umfassen ebenfalls Priester, Bischöfe, Diakone, Klerikerseminaristen/ Novizen. Da der Catalogus nicht zwischen Kleriker- und Brüdernovizen unterscheidet, habe ich mich für den Durchschnitt der Brüdernovizen für den Zeitraum von 4 Jahren (1980-1983) entschieden. So kommt die Schätzung für 1985 zustande. Ich bin davon ausgegangen, dass die Brüdernovizen nur ein wenig über 10% (35) der Gesamtanzahl der Novizen (355) für dieses Jahr ausmachen. So kommen wir zu folgenden Zahlen: 3354+760+320=4434 Kleriker und 960+35=995 Brüder.

Weitere Änderungen wurden bei der Abfassung des Catalogus von 1989 eingeführt. Die Mitbrüder sind als Priester (einschließlich Bischöfe und permanente Diakone), Scholastiker, Brüder in Ewigen Gelübden, Brüder in Zeitlichen Gelübden und Novizen (ohne Unterschied zwischen Brüdern und Klerikern) angeführt. Diese Aufteilung gilt bis heute.

Im Jahre 2000 gab es 5113 Kleriker (3769+1007+337). Um auf die Zahl der Brüder (848) für das Jahr zu kommen, rechnen wir: 677+134+37. Die Gesamtzahl der Novizen für das Jahr (374) beträgt 337 (90%) Kleriker, 37 (10%) Brüder.

Die Zahlen für 2004 kommen auf Grund der gleichen Kriterien zusammen. Der Durchschnitt der Scholastiker über die letzten fünf Jahre (2000-2004) beträgt 1026, der Durchschnitt der Brüder in Zeitlichen Gelübden 105. Daraus folgt: das Verhältnis von Klerikern und Brüdern beträgt 90 zu 10. Wenn dieser Trend anhält, dann machen die Brüder in den kommenden Jahren etwa 10% der Gesamtmitglieder aus (vielleicht ein Bisschen weniger). 2004 zählen die Brüder in Zeitlichen Gelübden 82, die Scholastiker 1043. Demnach sind 7,3% Brüder, 92,7 % Scholastiker.

(Quelle: SVD Catalogus 2004, pp. 463-464)

Über die Statistiken hinaus

Die Statistiken über die Brüder in der SVD vermitteln wegen der ständig kleiner werdenden Zahlen eher einen negativen Eindruck. Aber einige Punkte möchte ich hier anfügen, die wir in Betracht ziehen müssen, um die Gesamtsituation besser zu verstehen.

  • Das Zeugnis, das die Brüder in ihrem Leben geben, ist von vitaler Bedeutung für das Ordensleben. Das müssen wir unbedingt anerkennen bei den Brüdern in der Geschichte unserer Gesellschaft. Sie haben ein positives Beispiel des Ordenslebens gegeben, nicht nur vor den Menschen, mit denen sie gelebt und gearbeitet haben, sondern vor allem für ihre eigenen Mitbrüder und die übrigen Mitglieder der Kirche.

  • In den letzten Jahrzehnten haben die Brüder bedeutende Führungspositionen übernommen: Vizeprovinzial, Distriktsoberer, Rektor, Präses, Räte. Wir beobachten in der Gesellschaft eine sehr breite Unterstützung dafür, dass sie auch in Zukunft diese Positionen einnehmen.

  • Ein weiteres positives Zeichen ist die Wiederbelebung des Brüderberufes in manchen Provinzen/Regionen. Zahlreiche Brüderkandidaten schließen sich uns in Indonesien, Indien, Brasilien, Argentinien, Philippinen und in anderen Ländern an.

Dies sind Zeichen der Hoffnung. Ich erwarte, dass jede Provinz/Region ihre ganze Kreativität einsetzen wird, die Bereitschaft, Brüderberufe zu fördern, zu erneuern. Die Berufung zum Bruder in der SVD kann mitten in den unzähligen Herausforderungen und Gelegenheiten der Mission in der heutigen Welt als sinnvoll und glücklich gelebt und erfahren werden. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Büchlein eine Hilfe bei der Ausbildung der Brüder sein wird.