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DER GRÜNDER DER STEYLER ORDENSFAMILIE
Arnold Janssen
Ein Leben im Dienste der Weltkirche

 

Arnold Janssen
(1837–1909)

der Gründer

  • der Steyler Missionare
  • der Steyler Missionsschwestern
  • der Steyler Anbetungsschwestern

wurde am 5. Oktober 2003 heilig gesprochen.

Die Verkündigung
der Frohbotschaft ist das
erste und höchste Werk
der Nächstenliebe.

Arnold Janssen

A.J.

Lebensdaten
5.11.1837 Arnold Janssen wird in Goch geboren
1848-1855 Rektoratsschule in Goch und Knabenseminar Gaesdonck
11.7.1855 Reifeprüfung in Münster
1855-1859 Studium der Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie in Münster und Bonn
1859-1861 Theologiestudium in Bonn und Münster
16.6.1859 Lehrbefähigung für das Gymnasium
15.8.1861 Priesterweihe im Dom zu Münster
1861-1873 Lehrer an der Bürgerschule in Bocholt
1866 Mitglied im Gebetsapostolat. Beginn intensiver Werbe- und Reisetätigkeit und Publikationen für Gebetsapostolat im deutschsprachigen Europa
1873-1875 Kaplan bei den Ursulinen in Kempen
1874 Missionszeitschrift „Kleiner Herz-Jesu-Bote“
3.12.1874 Erlaubnis in der Diözese Roermond (Niederlande) ein Missionshaus zu gründen
8.9.1875 Eröffnung des Missionshauses St. Michael in Steyl
27.1.1876 Eröffnung der Missionsdruckerei Steyl
1878 Zeitschrift „Die heilige Stadt Gottes“
1878 Aufnahme des ersten Bruderpostulanten
2.3.1878 Aussendung der ersten Missionare nach China: Josef Freinademetz und Johann B. Anzer
1884-1886 Erstes Generalkapitel und Errichtung der Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Steyler Missionare). Arnold Janssen Generalsuperior auf Lebenszeit. Sukzessive Übernahme von Missionsgebieten auf allen Kontinenten
8.12.1889 Gründung der Steyler Missionsschwestern
8.12.1896 Gründung der Steyler Anbetungsschwestern
15.1.1909 Arnold Janssen stirbt in Steyl
19. 10. 1975 Arnold Janssen wird zusammen mit Josef Freinademetz von Papst Paul VI. selig gesprochen

Heilige Menschen –
Gottes Gegenwart und Antlitz

m Leben der Heiligen „zeigt Gott den Menschen in lebendiger Weise seine Gegenwart und sein Antlitz. In ihnen redet er selbst zu uns, gibt er uns ein Zeichen seines Reiches, zu dem wir, mit einer so großen Wolke von Zeugen umgeben und angesichts solcher Bezeugung der Wahrheit des Evangeliums, mächtig hingezogen werden. Aber nicht bloß um des Beispiels willen begehen wir das Gedächtnis der Heiligen, sondern mehr noch, damit die Einheit der ganzen Kirche durch die Übung der brüderlichen Liebe im Geiste gestärkt werde (vgl. Eph 4,1-6). Denn wie die christliche Gemeinschaft unter den Erdenpilgern uns näher zu Christus bringt, so verbindet auch die Gemeinschaft mit den Heiligen uns mit Christus, von dem als Quelle und Haupt jegliche Gnade und das Leben des Gottesvolkes selbst ausgehen“ – sagt das Zweite Vatikanische Konzil (LG 50).

Um die Gegenwart Gottes in unserem Leben, die Gemeinschaft mit Jesus Christus, die Einheit der ganzen Kirche im Geist Gottes als Zeichen seiner Herrschaft in dieser Welt geht es, wenn die Kirche Menschen heilig spricht.

Ohne diese Vorgabe wurden und werden Heilige als Vorbilder vorschnell zu „makellosen Übermenschen“ stilisiert, und als Fürsprecher wird ihnen eine geradezu „magische Beistandskraft“ in allen möglichen Notlagen zugesprochen. Die erste „Aufgabe“ der Heiligen bleibt aber, als konkrete Menschen, mit ihrem Leben und Tun, ihren Gaben und Schwächen, ein lebendiger Hinweis auf die befreiende und heilende Gegenwart Gottes in unserem eigenen, alltäglichen Leben als Volk und Familie Gottes zu sein.

Indem Gott im Leben der Heiligen zu uns spricht, tut er dies auf vielfältige und oft unerwartete Weise. So auch mit dem heiligen Arnold, indem er mit dessen unspektakulärem Leben Außergewöhnliches ermöglichte.

as ist es nun, das diesen eher unscheinbaren und manchmal sperrigen Mann Arnold Janssen als Heiligen auszeichnet? Kardinal Rossi gab als amtlicher Antragsteller für die Seligsprechung Arnold Janssens 1975 eine treffend kurze und verblüffende Antwort: „Er tat Gewöhnliches – aber auf außergewöhnliche Weise.“

So ist aus dem charismatisch nicht besonders begabten geistlichen Gymnasiallehrer Arnold Janssen der Gründer der Steyler Ordensfamilie geworden. Ihr gehören heute weltweit 10.000 Frauen und Männer aus allen Kontinenten und Kulturen an.

Im Leben und Wirken des heiligen Arnold zeigt sich Gott als Gott des Lebens für alle Menschen, als Gott, der eine „Frohe Botschaft“ für alle ist. Das mit dem Leben in Wort und Tat weiterzusagen, war die Leidenschaft des heiligen Arnold und ist sein bleibendes Vermächtnis.

Nicht ich, sondern der Herr war es.

Wie Arnold Janssen sich selbst
und sein Werk sah

„Dieser Weinberg, geliebte Mitbrüder, ist unsere Gesellschaft mit allen ihr übergebenen Arbeitsfeldern. Die Hand des Herrn hat diesen Weinberg angelegt und ihn gepflegt; vom Herrn ist ihm Sonnenlicht, Regen und Gedeihen gekommen. Nicht aber kann ich selbst mir darin etwas zuschreiben, als bloß eine schwache Mitwirkung, und auch das nicht in eigner Kraft. Aber der Gedanke, er ist nicht von mir gekommen, nicht von mir die beharrliche Festhaltung desselben inmitten großer Schwierigkeiten, nicht von mir die mächtige Hilfe bei der Ausführung, der Unterstützung inmitten allgemeinen Mißtrauens. Nicht ich, sondern der Herr war es, der die Berufungen weckte und den Einzelnen half, daß sie treu an dem gefaßten Vorsatze festhielten. Und wenn der Herr es nicht gewesen wäre, wer hätte wohl die nötige Geldunterstützung gesandt, und das inmitten von Bedürfnissen, die von Tag zu Tag mehr ins Große gewachsen sind! – Fürwahr, das muß unser aller feste Überzeugung sein: die Gründung, Erhaltung und Weiterbildung unserer Gesellschaft hat keinen andern zum Urheber als Jenen, der im Himmel wohnt und alle Dinge auf Erden lenkt und leitet.“

Arnold Janssen in einem Bericht an „seine“ Steyler Missionare in China im Jahr 1886

Arnold Janssen in seiner Zeit

Wir leben in einer Zeit, wo alles wankt und und unterzugehen scheint; und da kommen Sie und wollen noch etwas Neues anfangen!“, sagte der Kölner Erzbischof Melchers, als Arnold Janssen ihn 1875 um Unterstützung für die Gründung eines deutschen Missionshauses bat. Er meinte, in Köln gäbe es genug Heiden, „die soll er zuerst bekehren“.

Es war eine sehr bewegte Zeit, die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Hochblüte des europäischen Nationalismus, Kolonialismus und Imperialismus, die Zeit großartiger kultureller Errungenschaften, des hemmungslosen Fortschrittsglaubens der industriellen Revolution, getragen von Erfindungen, Entdeckungen und Neuerungen in Technik, Produktion, Medizin, Landwirtschaft, Transport- und Nachrichtenwesen – und damit verbunden die gesellschaftlichen Umwälzungen in der Entstehung der Arbeiterschaft. Die europäischen Mächte waren dabei, beinahe die ganze Welt unter sich aufzuteilen. Es ist die Zeit, in der Karl Marx, Friedrich Nietzsche und Charles Darwin lebten.

Und die katholische Kirche in Deutschland war darin seit 1871 auch noch im so genannten „Kulturkampf“ mit dem neuen deutschen Reich Bismarcks verwickelt, das in immer neuen Ausnahmegesetzen die öffentliche Tätigkeit der Priester, Orden und katholischen Vereinigungen besonders in den Schulen drastisch einschränkte.

Gleichzeitig war es die Zeit wachsender „Missionsbegeisterung“ in Europa. Eine Reihe an missionarischen Orden und Initiativen stammt aus dieser Zeit. Geografisch wurde die europäische Kirche zur Weltkirche. Arnold Janssen erkannte in dieser Situation eines dramatischen Umbruchs die „Zeichen der Zeit“ und gab im beharrlichen Hinhören auf Gottes Willen mit seinem Lebenswerk eine konkrete und entsprechende Antwort.


Wer ist dieser
Arnold Janssen?

KINDHEIT UND JUGEND

Arnold Janssen wird am 5. November 1837 in Goch, einer deutschen Kleinstadt am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze, als zweites von elf Kindern geboren. Seine Eltern heißen Gerhard und Anna Katharina. „Der Vater hatte neben ganz wenigem eigenen Besitze meist gepachtetes Land, welches er bebaute, und hielt zwei Pferde. Neben der Ackerwirtschaft hatte er ein Fuhrmannsgeschäft und fuhr für gewöhnlich jede Woche nach Nimwegen. Wenn die Zeit kam, wo er heimkehren sollte, sandte die Mutter uns dem Vater entgegen“, schilderte Arnold Janssen selbst das Leben in der Familie. In dieser Großfamilie lernt er von Kindheit an selbst mitzuarbeiten, anspruchslos und fleißig zu sein.

Der von intensivem Gebet getragene Glaube und die Treue zur katholischen Kirche prägen und tragen das Leben der Familie Janssen. Besonders deutlich ist das in der Hinwendung zum dreifaltigen Gott und der Verehrung des Heiligen Geistes. Diese in der Familie gelebte Frömmigkeit gibt Vater Gerhard Janssen seinen Kindern auch noch auf dem Sterbebett im Jahr 1870 als sein Vermächtnis mit: „Feiert jeden Sonntag das Hochamt mit, um dem heiligen dreieinigen Gott für die Gnaden der Woche zu danken, und feiert jeden Montag eine heilige Messe zu Ehren des heiligen Geistes, um Gottes Gnaden auf die kommende Woche herabzuflehen.“ Und von seiner Mutter sagt Arnold schlicht: „Sie war eine große Liebhaberin des Gebetes.“

Kaplan Heinrich Ruiter überzeugt schließlich die Eltern, den zehnjährigen Arnold in die Mittelschule, zuerst in Goch und dann in das bischöfliche Seminar Gaesdonck, zu schicken. Seine Lieblingsgegenstände sind damals schon Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer. Noch nicht 18 Jahre alt, macht er im Juli 1855 in Münster das Abitur.

1837
Arnold Janssen
wird in Goch
geboren. Seine
Mutter Anna
Katharina ist
eine „Liebhaberin
des
Gebetes“.


Arnoldus Janssen ... Eintrag in das Taufbuch von Goch

STUDIENZEIT
DAS ZIEL: PRIESTER UND LEHRER

1857
Arnold Janssen
(Mitte) als Student
im Kreis
seiner Kollegen.
Er studiert
Naturwissenschaften,
Philosophie
und Theologie
in Münster
und Bonn.

So geht er nach dem Abitur nach Münster, um Theologie zu studieren. Aber schon Ende des zweiten Semesters schreibt er: „Und jetzt, wo die Zeit der Entscheidung gekommen ist, ob schon gleich Theologie oder erst später, ist der Entschluß bei mir zur vollen Festigkeit gediehen, noch auf weitere zwei oder drei Jahre Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren, um mir eine Lehrbefähigung in diesen Fächern zu erwerben, und dann zur Theologie überzugehen.“

Damit erhält sein mit dem Eintritt in das bischöfliche Gymnasium begonnener Weg ein klares Ziel. Er will geistlicher Gymnasiallehrer werden. Das ist auch ganz im Sinne des Bischofs. So studiert er ab Herbst 1855 zunächst in Münster und dann in Bonn mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Ernsthaftigkeit Mathematik, naturwissenschaftliche Fächer und Philosophie. Und schon 1859 wird ihm für diese Fächer die Lehrbefähigung für das Gymnasium erteilt. Er wechselt wieder nach Münster ins Priesterseminar und wendet sich nun dem Theologiestudium zu. Am 15. August 1861 wird er zum Priester geweiht.

Wer gibt, was er hat, ist wert, dass er lebt.

Die Zeit des Studiums von Arnold Janssen geht ohne außergewöhnliche überlieferte Vorkommnisse voran. 1858 erringt er bei einer mathematischen Preisarbeit an der Universität Bonn den ersten Preis, welcher ihm auch für seine Lehrbefähigungsprüfung anerkannt wird. Zur Preisverleihung lädt er auch seinen alten Vater ein: „Er hatte große Freude, dass diese Arbeit glücklich ausgefallen war.“ Den „Gefahren des Studentenlebens“ weiß er offenbar auf Grund seiner Erziehung und Bildung im Elternhaus und im kleinen Seminar auszuweichen. Aus heutiger Sicht mutet es geradezu asketisch an, was er 1857 aus Bonn an den Rektor des kleinen Seminars schreibt: „Mein Leben an der hiesigen Universität ist außerordentlich einfach und gleichförmig. Ich gehe jeden Morgen in die Kirche, studiere dann bis etwas vor 9 Uhr; alsdann spaziere ich durch die schöne Allee nach Poppelsdorf ins Kolleg und zwei Stunden später wieder zurück. Nachmittags um 4 Uhr ist Seminar, wo entweder Disputationen oder Vorträge gehalten werden. In die Bierkneipen und Korpsburschenversammlungen komme ich nicht; unser einziges Vergnügen in der Art besteht in einem Spaziergang auf ein benachbartes Dorf an einem schönen Sonntagnachmittage, wo dann eine Tasse Kaffee getrunken und eine Partie Domino gespielt wird. An das liebe Gaesdonck denke ich noch oft mit Freuden zurück; ja sein Andenken ist mir im Genusse der vollständigen akademischen Freiheit nur noch teurer und lieber geworden.“

GEISTLICHER GYMNASIALLEHRER
IN BOCHOLT (1861–1873)

1865
Arnold Janssen
als junger geistlicher
Gymnasiallehrer
in Bocholt.

Der 24-jährige Neupriester Arnold Janssen beginnt im Oktober 1861 seine Tätigkeit als Lehrer an der höheren Bürgerschule in Bocholt, die zu diesem Zeitpunkt gerade an einem Neuanfang steht. Vor allem in den ersten Jahren in Bocholt ist er in seiner Lehrtätigkeit, der er sich mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit widmet, voll ausgelastet. Er ist auch für die Lehrerbibliothek und die physikalische Sammlung verantwortlich, die er beispielhaft auf- und ausbaut. Daneben hilft er in der Seelsorge in Bocholt mit.

Im Blick auf seine zwölfjährige Tätigkeit als Lehrer fällt auf, dass Arnold Janssen, mit seiner Lehrbefähigung in Mathematik und Naturwissenschaften für alle Klassen des Gymnasiums, was unter den Priestern der Diözese Münster nicht so häufig war, nie an eine der angesehenen Schulen berufen wird. Auch wird er nie Klassenleiter, obwohl er in den oberen Klassen oft die Hälfte aller Stunden gibt.

Er ist „der kleine Herr“. So nennen ihn die Menschen in Bocholt. Kaum 1,65 Meter groß, schlank. Bei der Musterung für den Militärdienst wird er „wegen allgemeiner Körper- und Brustschwäche für jetzt unbrauchbar erachtet.“ Im Ganzen also keine imposante Gestalt.

Hinzu kommt, was der Direktor der Schule in Bocholt erzählt: „Er bereitete sich ja fleißig auf seinen Unterricht vor, hielt die physikalischen Instrumente gut im stande, übte sich am Experimentieren mit denselben, korrigierte sorgfältig die schriftlichen Arbeiten; – aber die Herzen seiner Schüler wußte er nicht zu gewinnen; namentlich stieß die Art seines Strafens ab.“ Jedoch ist Arnold Janssen als Mann des unermüdlichen Gebetes bekannt. So „war Herr Rektor Janssen stets ein Mann des Gebetes, aber sonst wenig um- und zugänglich. Meist kam Rektor Janssen zum Mittagstisch zu spät, weil er noch schnell zwischen Schule und Tisch den Kreuzweg betete.“ Und ein Schüler erinnert sich: „Wir Schüler wußten damals schon, daß er ganze Nächte hindurch betete. Allerdings konnte es ihm dann begegnen, daß ihn in der Französischstunde der Schlaf übermannte. Wir sagten dann, Janssen ist diese Nacht wieder nicht zu Bett gewesen. Er hörte nicht auf, uns immer wieder einzuprägen: Betet, betet immer viel. Täglich sah man ihn zweimal, vor und nach dem Mittagessen, den Kreuzweg gehen. Ich glaube, dorther hat er seinen apostolischen Geist geholt.“

So verwundert es auch nicht, dass ihm selbst Zweifel darüber kamen, am richtigen Platz zu sein. Arnold Janssen erzählt das im Rückblick auf seine Zeit in Bocholt so – und gibt damit auch tiefen Einblick in seine Grundhaltung: „Auch ich dachte früher, als ich in Bocholt war: Warum denn Lehrer? Warum nicht anderswo, wo du mehr Gutes wirken kannst? Mein Bischof aber sagte mir: Sie sind innerhalb der göttlichen Vorsehung. Und ich grübelte nicht und tat, was mir oblag; und später bei Errichtung des Missionshauses wurde klar, daß ich auf dem richtigen Posten der Vorbereitung gewesen war.“

Auch in materieller Hinsicht führt Arnold Janssen in der Zeit in Bocholt ein sehr bescheidenes Leben. Zunächst muss er von seinem Gehalt noch die gestundeten Studiengelder in Bonn und Münster zurückzahlen, und ab 1865 kommen als zusätzliche Bürde die Schul- und Studienkosten für seinen sechzehn Jahre jüngeren Bruder Johannes hinzu, die mehr als zehn Prozent seines Gehalts ausmachen. Ab April 1866 auch noch beträchtliche Ausgaben für Reisen und publizistische Tätigkeiten für das Gebetsapostolat, dem er sich nun neben seiner Tätigkeit als Lehrer ganz widmet und das seinem Leben eine unerwartet neue Richtung geben sollte.

MANN DES GEBETES UND WANDERAPOSTEL IM DIENST DES GEBETSAPOSTOLATES

Das Gebet hat im Leben von Arnold Janssen von Beginn an im Beispiel seiner Eltern, später im kleinen Seminar und während der Studienzeit grundlegende Bedeutung. Auch als Lehrer und Priester lebt er aus dieser Grundhaltung eines beharrlich betenden Menschen. Das ist es wohl auch, das ihn über seine eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten hinaussehen lässt und ihm Kraft und Orientierung gibt, wenn es gilt, Rückschläge einzustecken, Unverständnis anzunehmen, Sicherheiten aufzugeben und sich auf Neues einzulassen. Dieses „Nicht ich, sondern der Herr war es“ ist der zentrale Angelpunkt seines Lebens und Schaffens – und das nicht bloß in der Rückschau auf Gelungenes, sondern gerade auch in der Annahme des nach menschlichem Ermessen Misslungenen.

Das „Gebetsapostolat“ wurde 1844 von einer Gruppe Jesuiten, Professoren und Studenten in Südfrankreich gegründet. Sie wollten das einfache Volk zum Gebet hinführen, als Schule und Schulung gelebten Glaubens. Die Mitglieder erhielten als Mitteilungsblatt den „Sendboten des göttlichen Herzens Jesu“. Die erste Ausgabe des Blattes erschien im Juni 1861, also kurz vor der Priesterweihe Arnold Janssens. Im April 1866 schließt er sich formal dieser Bewegung an. „Arnold Janssen ist aufgenommen worden in die Zahl der Beförderer der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu und des Gebetsapostolates“, sagt das ihm überreichte Diplom.

Alles ist möglich in der Gnadenkraft
des Heiligen Geistes.

Doch das genügt ihm nicht. Er selbst erzählt: „Als im Jahr 1867 die Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands in Innsbruck (Österreich) abgehalten wurde, machte ich eine größere Ferienreise dorthin. Bei dieser Gelegenheit lernte ich den P. Malfatti SJ, Direktor des Gebetsapostolates für Deutschland und Österreich kennen. Dieser ersuchte mich, die Leitung des Vereins für die Diözese Münster zu übernehmen, was ich auch tat. In demselben Herbste kam ich auch an das Grab des sel. Pfarrers von Ars und zur Industrieausstellung nach Paris. Von da an wandte ich dem Gebetsapostolate meine besondere Neigung zu. … Ich habe von da an die Ferien immer treulich benutzt, um für die Ausbreitung des Apostolates in der Diözese Münster zu arbeiten. Die Bestätigung als Diözesan-Direktor hatte ich von der bischöflichen Behörde auch erhalten. Ich arbeitete besonders auch dafür, daß der Geist der Fürbitte überhaupt wachse und man dazu übergehe, auch die gewöhnlichen Gebete z.B. den Rosenkranz für die Anliegen Jesu aufzuopfern. ... Das Gebetsapostolat fand fast in der ganzen Diözese Münster Einführung; es sind nur wenige Pfarrer, die ich dieserhalb nicht besucht habe.“

Der Einsatz für das Gebet, das er selbst beharrlich lebt, macht Arnold Janssen so gleichzeitig zum „Wanderapostel“. Ab nun ist er, sobald Schulferien sind, ständig unterwegs, oft auch zu Fuß. Bis 1873 kommt er in 300 der 350 Pfarren der Diözese Münster - und weit darüber hinaus: „So habe ich diese Ferien fünf Wochen gereist, um die Aufopferung des Rosenkranzes nach der auf dem Gebetszettel stehenden (oder irgendeiner anderen) Methode zu verbreiten, und hat der Beifall, den die Sache gefunden, mich durch die Diözesen Köln, Trier, Luxemburg, Metz, Straßburg, durch die deutsche Schweiz, Augsburg, München, Salzburg, Passau, Regensburg, Mainz usw. geführt“, schreibt er im Herbst 1872 an seine Druckerei in Paderborn.

Damit ist das Stichwort für eine weitere entscheidende Gabe und Tätigkeit Arnold Janssens gegeben, die er im Rahmen seines Einsatzes für das Gebetsapostolat entfaltet: seine schriftstellerische und publizistische Tätigkeit. Unmittelbar nach seiner Aufnahme in das Gebetsapostolat veröffentlicht er in Düsseldorf eine kleine Broschüre mit dem Titel: „Verein des Gebets-Apostolates zur Übung des Gebetes der Fürbitte zum liebenswürdigsten Herzen unseres Erlösers Jesus Christus“. Das Büchlein erscheint gleichzeitig in Süddeutschland und Österreich. Sogleich schickt er eines an seine Familie nach Hause und schreibt: „Ich hätte schon längst schreiben wollen. Aber ich habe immer darauf gewartet ... Leset und betet nur fleißig in dem lieben Büchlein. Und leset und betet wieder darin, bis ihr alles gut versteht.“ Schon ein Jahr später gibt es eine zweite Auflage (15.000), nun mit dem Titel: „Aufnahme-Büchlein des Gebetsapostolates sowie der Bruderschaft zum liebenswürdigsten Herzen unseres Erlösers Jesus Christus“. Bis 1880 erscheinen noch weitere vier Auflagen, insgesamt 90.000 Exemplare. Daneben veröffentlicht er eine Reihe weiterer Kleinschriften und Gebetszettel, darunter eine Anleitung zum Beten des Rosenkranzes, die besonders weite Verbreitung findet.

Der Grundgedanke Arnold Janssens ist dabei immer: Im Beten gerade der gebräuchlichen Gebete, wie des Rosenkranzes, soll der Mensch zu einer fürbittenden Haltung angeleitet werden, sodass er mit und aus den großen und kleinen Anliegen des Lebens und der Kirche mit Gott ins Gespräch kommt, darin von Gott her Orientierung erhält und zu einer konkreten und aktiven Hinwendung zum Nächsten findet. Arnold Janssen drückt sich dabei selbstverständlich in der Sprache und Theologie seiner Zeit aus. Zunächst ist es die damals gängige „Herz Jesu-Frömmigkeit“, die ihn immer stärker zur Betrachtung des dreifaltigen Gottes führt. Das große Anliegen, das ihn zu jener Zeit – ganz im Geist seiner Zeit – vor allem bewegt, ist „die Rückkehr der im Glauben getrennten Völker“, die er aber – und das nun seiner Zeit oft weit voraus – als Frucht des Wirkens und der Gnade Gottes sieht, die wir schlicht erbitten und erbeten mögen.

Erkannt, geliebt und verherrlicht werde von
allen Menschen der heilige dreieinige Gott:
die Macht des Vaters, die Weisheit des
Sohnes und die Liebe des Heiligen Geistes.

Im September 1869 kommt Arnold Janssen zur Generalversammlung der katholischen Vereine (Katholikentag) nach Düsseldorf. Als Direktor des Gebetsapostolates der Diözese Münster stellt er dabei den Antrag, das Gebetsapostolat für alle Katholiken Deutschlands zu empfehlen, was einstimmig angenommen wird, nicht zuletzt wohl auf Grund seines persönlichen und publizistischen Engagements. Die Zeitschrift des Gebetsapostolates verkündet: „Das Gebetsapostolat tritt durch die Empfehlung der Generalversammlung aus den inneren Hallen der Aszese, auf die es sich in vielen Gegenden beschränkt sah, mehr in die Öffentlichkeit.“ Zuerst gilt das wohl für das Leben Arnold Janssens selbst.

Spätestens hier tritt, nun 32-jährig, ein anderer Arnold Janssen auf. Der in der Schule in Bocholt als „ein Mann des Gebetes, sonst aber wenig um- und zugänglich“ lebte, der in Klassenzimmern und ab und zu in einer mittleren Kirche spricht, ist zu einem öffentlichkeitswirksamen Mann geworden, der persönlich wie medial seine Anliegen zu vertreten weiß. Wenn er früher nicht leicht den Weg zum anderen gefunden hat, so hat er jetzt keine Schwierigkeiten mehr, an der Tür eines unbekanntes Pfarrhauses zu klopfen und Menschen für das Gebetsapostolat anzusprechen und zu gewinnen, keine Hemmungen mehr, in seinem Anliegen Bischöfe und Würdenträger zu bemühen. Seine ausgedehnten Reisen, die vielfältigen Kontakte und Begegnungen haben seinen Blick und ihn selbst weit über den begrenzten Horizont von Bocholt hinaus geöffnet.

Man darf sich die persönliche Situation von Arnold Janssen in diesen Jahren als durchaus kompliziert vorstellen: einerseits eingepfercht in die wohl frustrierenden eingefahrenen Geleise und Vorurteile seines Daseins als nicht sonderlich begnadeter und anerkannter Mathematiklehrer, andererseits herausgefordert und angetrieben, höchst motiviert und bestätigt in seinem Leben und Dienst im und für das Gebetsapostolat. Hier die Sicherheit seines Postens als Lehrer, die ihn offensichtlich nicht erfüllte, dort das ungesicherte Dasein im Dienst einer Aufgabe, die er mehr und mehr als „die Seine“ erfährt.

Die Entscheidung bringt 1873 ein Konflikt mit dem Kuratorium der Schule in Bocholt. Dabei geht es um eine Marienstatue, die Arnold Janssen selbst schon 1868 besorgte und in der Aula der Schule aufstellen wollte. Die Schule war zwar eine katholische, doch es gab auch evangelische und jüdische Schüler, sodass es zu einem Hin und Her zwischen der Schulleitung und Janssen hinsichtlich der Aufstellung der Marienstatue kam. In diesem Zusammenhang bittet er schon 1870 den Bischof von Münster, ihn von der Schule freizustellen, um sich rein religiösen Arbeiten widmen zu können. Dieser lehnt ab. Allerdings nicht mehr im Jahr 1873. Inzwischen ist der „Kulturkampf“ voll ausgebrochen. Im deutschen Reich unter preußischer Führung werden mit Ende 1871 die Aktivitäten der katholischen Kirche in den Schulen drastisch eingeschränkt. Für eine Marienstatue ist definitiv kein Platz mehr. Arnold Janssen bliebt bei seinem Anliegen – und kündigt im März 1873.

VON DER MISSIONSZEITSCHRIFT
ZUM MISSIONSHAUS

1874
Kleiner Herz-
Jesu-Bote –
die erste
Missionszeitschrift
Arnold
Janssens.

Arnold Janssen erfüllt seine Verpflichtungen noch bis zum Ende des Schuljahres 1872/73. Der 36-Jährige ist nun frei. Er beginnt einen neuen Lebensabschnitt. Im Oktober 1873 tritt er seine neue Stelle als Hausgeistlicher der Ursulinen in Kempen an, die dort ein Pensionat führen. Diese Stelle gibt ihm die nötige Freiheit, sich nun verstärkt im Gebetsapostolat einzusetzen. Er beschreibt das im Juli 1873 so: „Ich wäre bereit, größere Arbeiten dafür zu übernehmen, ja, mich ganz dieser heiligen Aufgabe zu widmen und alle Kräfte und Fähigkeiten, selbst mein Leben dafür einzusetzen, wenn nur erreicht werden könnte, daß der dreimal heilige gute Gott den Geist der Gnade und des Gebetes reicher über die Erde ausgießt.“ Darin will er nun seine schon in Bocholt gewachsene Absicht umsetzen, „eine populäre Monatszeitschrift zur Förderung des Gebetes und der Teilnahme an den großen Anliegen des göttlichen Heilandes, besonders in der Verbreitung des Glaubens herauszugeben“. Mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Akribie macht er sich sofort ans Werk. Dabei kann er auf seine publizistische Erfahrung zurückgreifen und für den Vertrieb der Zeitschrift die ausgedehnten Kontakte und Beziehungen aus seinem Einsatz im Gebetsapostolat nützen. Schon im Januar 1874 erscheint die erste Nummer seiner Zeitschrift „Kleiner Herz-Jesu-Bote“. Der Titel ist der Zeitschrift des Gebetsapostolates entnommen, mit dem Zusatz: „klein“. Für die Publikation muss Arnold Janssen zunächst auf seine eigenen Ersparnisse zurückgreifen. Das Programm der Zeitschrift beschreibt er so: „Der Haupt- wenn auch nicht alleinige Zweck derselben ist, über die katholischen Missionen des In- und Auslandes auf faßliche und anregende Weise zu belehren.“ Doch schon an den folgenden Nummern wird klar, dass es sich um eine Zeitschrift handelt, die vor allem über die „Mission im Ausland“, damals selbstverständlich „Heidenmission“ genannt, handelt. Die Juni-Nummer 1874 trägt dabei erstmals auf der Titelseite den für Arnold Janssen programmatischen Satz: „Es lebe das göttliche Herz Jesu in unseren Herzen.“

Eine folgenreiche Begegnung –
Janssen und die Weltmission

ine Zeitungsnotiz im Mai 1874 macht Arnold Janssen hellhörig. Der Apostolische Präfekt von Hongkong, Bischof Giovanni T. Raimondi, ist zu Besuch beim Pfarrer von Neuwerk, Dr. von Essen. Janssen selbst erzählt: „Ich besuchte diesen, um mich bei ihm über Missionen usw. etwas mehr zu unterrichten. Durch den Herz-Jesu-Boten wollte ich das Interesse für die Missionen wecken und fördern. Ich drückte mein Bedauern aus, daß Deutschland kein eignes Missionshaus zur Heranbildung von Missionaren besitze, während Frankreich, Italien, Belgien, selbst England solche hätten, wo doch das katholische Leben so wenig floriere, während es in Deutschland so rege sei. Selbst könne ich wohl nicht mehr in die Missionen gehen, ich sei schon zu alt. ‘Das ist auch nicht notwendig’, erwiderte Mons. Raimondi, ‘es müssen gerade daheim Priester sein, welche in Deutschland für die Sache arbeiten.’ Ich dachte nun nur daran, mich dem zur Verfügung zu stellen, der ein solches Werk beginne, und meine Kräfte demselben zu widmen. Ich besuchte Mons. Raimondi ein zweites Mal, und dasselbe war Gegenstand unserer Unterhaltung. Zuletzt sagte Mons. Raimondi, wenn kein anderer deutscher Priester, dem ich mich anschließen könne, die Sache in die Hand nehmen wolle, so möge ich im Vertrauen auf die Hilfe von oben das Werk beginnen und mich zu dem Zwecke mit dem H. Pfr. Dr. von Essen verbinden. Der Gedanke, selbst so etwas zu beginnen, war mir nie gekommen. Ich wies die Zumutung darum auch weit von mir ab; ich hielt mich dafür nicht fähig. Später besuchte mich Mons. Raimondi in Kempen und drängte nun noch mehr, Hand ans Werk zu legen. Ich verhielt mich wie früher weigerlich, wollte aber durch den Herz-Jesu-Boten den Plan an die Öffentlichkeit bringen und dafür Interesse zu wecken suchen.“

Giovanni T. Raimondi, der Apostolische Präfekt von Hongkong

AUF DEM WEG ZUM DEUTSCHEN
MISSIONSHAUS

Doch der Gedanke lässt Arnold Janssen nicht mehr los. In den folgenden Nummern seines Kleinen Herz-Jesu-Boten ist immer wieder davon die Rede. Allerdings gestaltet sich die von Bischof Raimondi angeregte Zusammenarbeit mit Dr. von Essen, der schon ein Jahr zuvor eine Erlaubnis des Papstes erhalten hatte, ein deutsches Missionshaus zu gründen, von Anfang an als überaus schwierig. Die „Chemie“ stimmt einfach nicht zwischen von Essen und Janssen. So macht sich Janssen selbst auf den Weg. Schon in der November-Nummer des Herz- Jesu-Boten wendet er sich an seine Leser: „Die Errichtung eines deutschen Hauses für auswärtige Missionen erweist sich immer mehr und mehr als eine unumgängliche Notwendigkeit. Gegenwärtig werden so viele Geistliche in die Ferne gleichsam getrieben. Deshalb ist nunmehr die Errichtung eines Missionsseminars an einem gutgelegenen sicheren Orte eine unumgängliche Notwendigkeit geworden. An Ratschlägen von Männern, die durch die Erfahrung sehr genau Bescheid wissen, hat es uns nicht gefehlt. Das heilige Werk scheint verhältnismäßig leicht ausführbar zu sein, wenn es nur herzhaft angegriffen wird. Die nächste und größte Schwierigkeit ist der Geldpunkt. Ein gut gelegenes Haus mit Garten scheint sich zu bieten. Aber womit es kaufen und einrichten? Je heiliger aber ein Werk ist, desto mehr Schwierigkeiten pflegt es zu begegnen. So wird es auch hier gehen. Wohl heißt fromm sein fromm beten, aber auch fromm arbeiten mit dem empfangenen Talente und fromm opfern, soweit die Verhältnisse es gestatten.“

RASTLOS UNTERWEGS

Die folgenden Monate ist Arnold Janssen neben seiner Tätigkeit als Redakteur des Kleinen Herz-Jesu-Boten und als Hausgeistlicher der Ursulinen in Kempen entweder rastlos unterwegs oder Tag und Nacht mit Korrespondenz beschäftigt. Wie es seine Art ist, nimmt er das Werk nun „herzhaft“ in Angriff - mit all seinen Mitteln, Fähigkeiten und Beziehungen. Gleichzeitig ist er auf der Suche nach einem entsprechenden Haus, nach den Mitteln dafür und Mitarbeitern, nach der inneren Struktur dieses Missionshauses und der Ausbildung der kommenden Missionare. Sukzessive holt er (in weiten Reisen) die Erlaubnis und Empfehlung der holländischen, deutschen und österreichischen Bischöfe ein und berät sich mit anderen Missionshäusern und -kongregationen im In- und Ausland (Benediktiner in Beuron; Picpus-Missionare, Scheutvelder Missionsgesellschaft, Mill Hill-London).

WIDERSPRÜCHE UND BEDENKEN

Doch Arnold Janssens eigene Begeisterung wird nur von wenigen geteilt. Man findet die Idee zwar gut, kann aber nicht erkennen, wie ausgerechnet Arnold Janssen sie erfolgreich umsetzen sollte. Wie über den Plan und den Planer gedacht und geredet wird, macht ein sarkastisches Wort deutlich, das Kaplan Fugmann in Kempen zu Arnold Janssen gesagt haben soll: „Ja, tu das, du bist berufen: Erstens hast du den nötigen Eigensinn; zweitens die nötige Frömmigkeit; drittens bist du hinlänglich unpraktisch.“ Bischof Paredis von Roermond - in der Diözese Roermond liegt der Ort Steyl - soll zum Ansinnen Janssens Folgendes bemerkt haben: „Da ist der Herr Janssen, der Rektor der Ursulinen in Kempen, bei mir gewesen. Er will ein Missionshaus gründen. Denken Sie sich - und er hat nichts. Entweder ist er ein Narr oder ein Heiliger.“ Bezeichnend auch die Reaktion des Erzbischofs Melchers von Köln. Als Arnold Janssen ihm „seinen Plan vorstellte, ein Haus für auswärtige Missionen zu errichten, da sah der hochwürdigste Herr ihn anfangs sehr ernst an und sprach. ‘Wir leben in einer Zeit, wo alles wankt und unterzugehen scheint, und da kommen Sie und wollen noch etwas Neues anfangen?’ ‘Wir leben in einer Zeit’, antwortete Herr Janssen, ‘wo vieles zugrunde geht und anderes dafür neu erstehen muß’.“

Hingabe an Gott, das ist der große
Zweck unseres Lebens.

Der Bischof soll am Abend nach dem ersten Besuch zu seiner Umgebung gesagt haben: „Da ist heute der Herr Janssen bei mir gewesen, der will ein Haus gründen für Missionare. Er will die Heiden bekehren. Hier in Köln, da gibt es Heiden genug zu bekehren, die soll er zuerst bekehren.“ Arnold Janssen beschreibt seinen inneren Zustand in diesen Monaten in einem Brief in eindringlichen Worten: „Auch ich habe meine Zeit schwerer Kämpfe gehabt, wo es mir vorkam, wie wenn ich mich ans Kreuz schlagen lassen müßte. Dazu kam noch körperliche Trübsal und manche Widerwärtigkeit. Aber es schien mir gegen Gottes hl. Willen gehandelt zu sein, wenn ich es aufgäbe. Darum habe ich festgehalten, bin fortgefahren, dafür zu arbeiten, und ich zweifle nicht, daß der liebe Gott das Werk will und daß Er der wahre agens ist, der Sich würdigt, unsre armseligen Kräfte zu diesem Behufe zu gebrauchen.“

HAUSKAUF IN STEYL UND
WEIHE AN DAS HERZ JESU

In diesem Sinn geht es zäh voran. Durch einige größere Spenden wird der Kauf eines aufgelassenen und heruntergekommenen Wirtshauses samt Grundstück in Steyl in Holland möglich. An eine Gründung in Deutschland selbst war ja zu diesem Zeitpunkt angesichts des Kulturkampfes nicht einmal zu denken. Den Kaufvertrag unterzeichnet Arnold Janssen am 16. Juni 1875 – ein für Arnold Janssen äußerst symbolträchtiges Datum. An diesem Tag wurde das 200-jährige Jubiläum der Erscheinungen des Herzens Jesu vor Maria Alacoque in der ganzen katholischen Kirche feierlich begangen. Eine Reihe von Bischöfen und viele Gläubige weihte sich samt ihren Kirchen dem Herzen Jesu. Arnold Janssen erzählt: „Es wurde beschlossen, diesen Tag auch zum Gründungstage der neu zu bildenden Missionsgenossenschaft zu machen. ... Wir hatten nun beschlossen, uns an diesem Tage gemeinschaftlich, ein jeder, wo er weilte, für sich, dem göttlichen Herzen Jesu zum hl. Zwecke des Missionshauses zu weihen. Das geschah von uns allen. - Am Nachmittag dieses Tages aber fuhr ich nach Steyl bei Venlo, um einen Ankauf zum Zwecke des Missionshauses, der schon vorher geplant war, definitiv zu machen.“

Zu diesem Zeitpunkt besteht die „Gemeinschaft“ aus Arnold Janssen selbst und den drei einzigen Interessenten am Missionshaus: Pfarrer Peter Bill in Luxemburg, Johann Baptist Anzer, einem Seminaristen in Regensburg, und Franz Xaver Reichart, Seminarist aus Vorarlberg, der in Löwen studiert, sich aber an dieser Weihe auf Rat seines Beichtvaters nicht beteiligt ...

Dennoch schildert Arnold Janssen in der August-Nummer 1875 seines Herz-Jesu-Boten seinen Lesern diesen denkwürdigen Tag so: „Das Missionshaus aber wird diesen seinen Ursprung niemals vergessen. Und wenn es schon seinem ganzen Zwecke nach darauf hingewiesen ist, für die Erfüllung der gnadenvollen Absichten des göttlichen Herzens Jesu zu arbeiten, so sieht es sich durch diesen Ursprung noch mehr ermahnt, dies mit ausdrücklicher Nennung des heil. Herzens Jesu noch deutlicher auszusprechen und zum Beweis dessen die nachfolgenden schönen Worte zu seinem Wahlspruch und seiner Devise zu machen: Vivat Cor Jesu in cordibus hominum! Es lebe das Herz Jesu in den Herzen der Menschen! Es geschehe. Amen.“

Neben dieser geistlichen Grundlegung arbeitet er auch unermüdlich an einer inneren Struktur für das „Missionshaus“. In einem Brief an die Propagandakongregation in Rom Anfang Februar 1875, in dem er seinen Plan vorlegt, eine apostolische Schule für spätere Missionare zu errichten – also nur ein paar Monate nach seinem Entschluss, das Unternehmen selbst anzugehen und noch bevor sich überhaupt Interessenten gemeldet haben – wird deutlich, dass seine Gedanken damals schon weit über die landläufigen Vorstellungen zu einem „deutschen Missionshaus“ hinausgehen: „Aber ich glaube, wir können des Fundamentes einer religiösen Kongregation nicht entbehren“, und weiter: „Ich wünschte deshalb, das Zentrum dieser Anstalt sollte womöglich immer in Rom sein.“ Noch nichts Konkretes in den Händen lässt er die damals gegebenen Vorstellungen „nationaler“ Missionsinstitute hinter sich. Offensichtlich hat er die Vision einer „internationalen“ Ordensgemeinschaft über den deutschen Sprachraum hinaus mit festen Bindungen vor sich.

Mitte Juli 1875 zieht Heinrich Erlemann als erster Bewohner in das heruntergekommene Wirtshaus in Steyl ein. Der gelernte Schreiner, der erste „Missionsschüler“ Arnold Janssens, ist in diesen Wochen vor allem mit der Einrichtung und Instandsetzung des Hauses beschäftigt. Bald kommt Franz X. Reichart nach. Am 5. August 1875 versammeln sich Arnold Janssen, Pfarrer Bill und Franz Reichart als Gemeinschaft des Anfangs erstmals in Steyl. Drei Punkte werden abgehandelt: die künftigen Statuten des Hauses, ein Entwurf eines Schreibens an die Bischöfe, die noch nicht um ihre Zustimmung gefragt wurden, und die Wahl eines provisorischen Rektors. Der Tag der Eröffnung wird auf den 8. September 1875 festgelegt.

Am 27. August verlässt Arnold Janssen das Ursulinenkloster in Kempen und zieht nach Steyl um. Zugleich mit ihm kommt auch der Bruder Arnolds, Juniperus, nachdem sein Kapuzinerkloster aufgehoben worden war. Er wird in den folgenden Jahren für Arnold eine große Hilfe sein.

Die Eröffnung des Missionshauses
St. Michael in Steyl

n seiner Festpredigt beim Eröffnungsgottesdienst am 8. September sagt Arnold Janssen: „Ob aus diesem Anfange etwas wird, ist nur Gott bekannt. Zunächst danken wir dem Geber alles Guten, daß Er zu diesem Anfang geholfen, und hoffen wir, daß aus demselben noch etwas werde. Niederschlagen möge uns nicht die Kleinheit des Beginnes. Ist doch auch der mächtigste Baum anfangs ein kleines Samenkorn und der stärkste Riese anfangs ein schwaches wimmerndes Kind. Wohl wissen wir, daß wir mit den Kräften, die wir bis jetzt besitzen, unsere Aufgabe nicht lösen; aber wir hoffen, daß der liebe Gott uns alles Erforderliche zuführen werde. Und so mag der liebe Gott mit uns tun, was Er will. Wird aus unserm Hause etwas, so wollen wir das der Gnade Gottes danken, und wird nichts daraus, so wollen wir demütig gegen die Brust schlagen und bekennen, wir waren der Gnade nicht wert. Freilich gut wäre es nicht, wenn unsre Bemühungen fehlschlügen. Wer weiß, wenn es zum zweitenmal versucht würde. Und darum richtet sich an die hier Versammelten die Aufforderung: Was können wir tun? Erstens Gebet: Bittet den Herrn der Ernte. Zweitens Opfer.“

EIN ARMSELIGER ANFANG

Die äußeren Umstände der Eröffnung schildert P. Erlemann Jahre später so: „Damals lag auf den Gesichtern der teilnehmenden Herren, nicht allein derjenigen aus Holland, sondern auch erst recht aus Deutschland sehr klar der Ausdruck des Zweifels und des Bedenkens: ‘Was wird wohl aus diesem Kinde werden?’ Es fiel mir dies sehr stark auf, denn alle Herren verschwanden gleich nach der kirchlichen Feierlichkeit ganz lautlos stille ohne Worte der Aufmunterung, fast ohne Abschied von den paar Insassen des elenden Ronckschen Hauses. Bei der ganzen Festlichkeit war eine recht gedrückte Stimmung, die in allerhand Fragen an den Herrn Rektor Janssen und an die paar Insassen des Hauses oft zum Ausdruck kam. Wer wollte es auch den Herren übel nehmen, an einem solchen Anfang zu zweifeln. Was war denn damals da zu sehen? Ein magerer, schwacher Priester als Vorsteher, ein Schreinerjunge mit der blauen Schürze [Erlemann selbst] und ein ausgewiesener Kapuzinerbruder [Br. Juniperus] und sonst noch einige gemietete Arbeiter als Festarrangeure, ein altes baufälliges Haus mit zusammengeliehenen Möbeln für das Fest und die Festtafel mit zusammengeliehenen Eßgeschirren und einem angewühlten Kartoffelfeld, welches zum Festtisch die Kartoffeln liefern mußte und sonst schon nichts mehr. Das stellte nun ein ‘deutsch-holländisches Missionshaus’ vor, von dessen feierlicher Eröffnung die Zeitungen berichteten.“

1875
8. September:
Bescheidener
Anfang mit
der Eröffnung
des Missionshauses
St.
Michael in
Steyl.

Und Arnold Janssen sagt später im Blick auf die ersten Monate in Steyl: „Man äußerte sich fast allerorts dahin, es könne aus dem gemachten Anfange nichts werden, ja, es sei unmöglich, daß daraus etwas würde. Ich selbst nahm alsbald wahr, daß, wohin ich auch kam, man mich mit großem Mitleid anschaute, als eine Persönlichkeit, die an überspannten Ideen leide ...“

KRISE UND NEUBEGINN

Doch nicht nur die Stimmung in der Öffentlichkeit über das neue Missionshaus ist eine betrübliche. Das Leben im Haus selbst ist in den ersten Monaten des Jahres 1876 neben der materiellen Armut und dem Ausbleiben der erhofften Eintritte auch noch von dramatischen Auseinandersetzungen innerhalb der kleinen Gemeinschaft überschattet. Es geht dabei um die allgemeine Zielsetzung des Missionshauses, im Besonderen aber um die asketisch strengen Vorstellungen Arnold Janssens zur Lebensordnung im Haus und seine Stellung als Hausoberer. Das führt dazu, dass Pfarrer Bill und der Theologiestudent Reichart Ende April 1876 Steyl verlassen und Arnold Janssen und Johann Baptist Anzer im Mai eine Art Neuanfang bewerkstelligen, indem sich diese beiden auf Ziel und Statuten einigen können. „Der Zweck unserer Gesellschaft ist die Verbreitung des Wortes Gottes auf Erden, besonders durch evangelische Tätigkeit unter denjenigen nicht-katholischen Völkern, wo diese Tätigkeit am lohnendsten erscheint, und zwar haben wir hierbei an erster Stelle die heidnischen Völker, besonders diejenigen Hinterasiens im Auge“, heißt es darin. Und: „Der Name unseres Hauses ist Missionshaus zum hl. Erzengel Michael in Steyl“, „Die Genossenschaft selbst aber nennt sich ... ‘Gesellschaft des göttlichen Wortes zum Dienste des Königs und der Königin der Engel’ ... oder kürzer: ‘Gesellschaft des göttlichen Wortes’, ‘Societas Verbi Divini’(SVD).“

Wir können Gott nicht gefallen,
wenn nicht auch wir klein werden; das ist die
große Lehre der heiligen Christnacht.

Über die Haus- und Lebensordnung in Richtung einer Ordensgemeinschaft oder die Pflege der Wissenschaften in der Ausbildung der Missionare können sie Kompromisse schließen. Am 16. Juni 1876, ein Jahr nach ihrer Weihe an das Herz Jesu, legen Janssen und Anzer auf diese Statuten eine Art ewige Profess ab. Die Statuten werden bis zum ersten Generalkapitel der Gesellschaft (1884–1886) gelten, wo die ersten Konstitutionen ausgearbeitet werden und schließlich die römische Anerkennung finden. Die inneren Leitgedanken für das Missionshaus beschreibt Arnold Janssen in der Mai-Nummer des Herz-Jesu-Boten so: „Vielleicht manch einer würde es für wünschenswert erachten, daß es möglichst rasch an Personenzahl und äußerer Ausdehnung wachse. Das ist aber ganz entschieden unsere Meinung nicht. Unsere Meinung ist, daß unser Haus vor allem an innerem Geist und Tugend wachsen muß. Denn ein Missionar im heidnischen Land kann nur dann etwas Ordentliches leisten, wenn er recht erleuchtet, fromm und heilig ist. Darum muß unser Haus auf Streben nach Vollkommenheit gebaut und muß dies das Fundament sein, welches vor allem und zuerst gelegt wird. Dazu helfe uns die Mutter der Heiligkeit und Sie schicke uns solche Leute, welche hierher kommen, um vor allen Dingen an ihrer inneren Heiligung zu arbeiten.“

Johann B. Anzer und Josef Freinademetz reisen am 2. März
1879 als die ersten Steyler Missionare nach China.

Es ist ein Neuanfang, der in diesen Monaten durch neue Eintritte von Schülern, Theologiestudenten und Neupriester „gerettet“ wird, darunter auch Johannes, der jüngere Bruder Arnolds, dem dieser das Studium finanziert hatte. Johann Baptist Anzer wird am 15. August zum Priester geweiht. Hinzu kommt die Eröffnung einer eigenen kleinen Druckerei in Steyl schon im Januar und der Beginn eines großzügigen Neubaues im August. Trotz dieser Wirren und Mühseligkeiten des Anfangs kann die wachsende Gemeinschaft in Steyl einigermaßen gefestigt am 8. September den ersten Jahrestag der Eröffnung des Missionshauses feiern. Gleich darauf ist Arnold Janssen beim Katholikentag in München, auf dem das neue Missionshaus „dem Interesse und der Unterstützung der Katholiken aufs Wärmste“ empfohlen wird. In München trifft er auch den Studenten Johann Baptist Jordan, den späteren Gründer der Salvatorianer, der kurzfristig Interesse zeigt, sich Arnold Janssen anzuschließen.

Das kleine Samenkorn beginnt zu sprießen und bekannt zu werden. Ein Jahr später kommt der damalige apostolische Vikar von Mittelafrika, Daniele Comboni, der Gründer der Comboni-Missionare, zu Besuch nach Steyl. (Er wird am 5. Oktober 2003 zusammen mit Arnold Janssen und Josef Freinademetz heilig gesprochen.) Ein halbes Jahr später schließlich auch der Ortsbischof von Steyl, Bischof Paredis von Roermond.

Im August 1878 tritt der Südtiroler Diözesanpriester Josef Freinademetz in Steyl ein. Zusammen mit Johann B. Anzer wird er am 2. März 1879 als erster Steyler Missionar nach China, zunächst nach Hongkong zu Bischof Raimondi, ausgesandt. Wohl mit großer Erleichterung und auch Stolz kann Arnold Janssen in seiner Predigt sagen: „So hat denn das Missionshaus entsprechend seiner Bestimmung nunmehr seine ersten Missionare entsandt. Hoffen wir, daß ihnen noch viele andere folgen werden! ... Die göttliche Vorsehung hat es gefügt, daß er, der an der Gründung des Hauses in so hervorragender Weise beteiligt ist, nunmehr auch seine beiden ersten Missionare erhält.“

Missionare sind Abgesandte der göttlichen
Liebe. Sie sollen Gottes Großtaten offenbaren
und das Reich der göttlichen Liebe aufrichten.

Die Grundpfeiler
des Steyler Missionshauses

SCHULE UND AUSBILDUNG

Ab Februar 1875 publiziert Arnold Janssen im Herz-Jesu-Boten eine Reihe von Aufsätzen, in denen er das Schulsystem eines zukünftigen Missionshauses „zur Vorbereitung auf den Missionsberuf im Auslande“ vorstellt. Im November 1875 kann er von den ersten drei Lateinschülern berichten. Schnell stellt sich heraus, dass die Schule für die Zukunft des Missionshauses von existenzieller Bedeutung ist, da es nicht zur erhofften „Eintrittswelle“ von durch die „Ausnahmegesetze“ des Kulturkampfes „arbeits- und heimatlos“ gewordenen Priestern und Theologiestudenten kommt. Der Herz-Jesu-Bote und Arnold Janssens Kontakte im Rahmen des Gebetsapostolates als „Werbeträger“ sind nun von unschätzbarem Wert. So kommt eine beständig steigende Anzahl von „Missionsschülern“ nach Steyl. Im Sommersemester 1879 sind es schon 60 Schüler, 1881 gut 100 und 1886 an die 200. Die Anfangszeit der Schule ist, wie das Missionshaus selbst, von Armseligkeit und hoher Improvisationskunst gekennzeichnet. Arnold Janssen selbst und seine ersten Mitbrüder sind die Lehrer und Erzieher. Seine eigene (auch schmerzliche) Lebenserfahrung als Lehrer und seine Erfahrung selbst als Schüler beim Aufbau einer Schule werden nun aber zum fundamentalen Startkapital – die Schule in Goch, dann auch das Gymnasium standen jeweils am Anfang, als er als Schüler eintrat, ebenso die Bürgerschule in Bocholt, wo er 1861 als Lehrer begann. Um die rasch steigende Schülerzahl zu bewältigen, müssen nach und nach auswärtige Lehrer beschäftigt werden. Erst Mitte der 80er Jahre kann auf genügend eigene Kräfte gesetzt werden.

Die Eintrittszahlen der Schüler erfordern noch mitten in der Krise der Hausgemeinschaft in den Anfangsmonaten von 1876 die Entscheidung zu einem Aus- und dann großzügigen Neubau des Missionshauses in Steyl, der im August begonnen wird. Wie schon üblich bei Arnold Janssen, beginnt er diesen Aus- und Neubau unter heftigem Kopfschütteln seiner Umgebung ganz im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes. Im März 1876 wendet er sich so an die Leser seines Herz-Jesu-Boten: „Und wenn wir vielleicht auch noch nicht ein Zwanzigstel besitzen von der Summe, welche wir für diesen Bau brauchen, so wagen wir es dennoch, seine Notwendigkeit und Möglichkeit kühn ins Auge zu fassen, und schon jetzt ihn mutig zu beginnen, vertrauend auf die Hilfe des Herrn. ... Haben wir doch im Vertrauen auf Ihn angefangen, und wird Er nicht, wenn Er die Personen gibt, auch das Geld geben, um die nötigen Räume herzustellen? Und mag es da draußen auch stürmen und toben, und mögen auch viele den Mut zu verlieren drohen: wir wollen uns nicht davon abhalten lassen. Wir leben in einer Zeit, wo vieles zu Grunde geht und anderes dafür aufstehen muß, und wollen uns durch unzeitige Furcht nicht abhalten lassen, ein als gut und notwendig erkanntes Werk durchzuführen.“

Steyl: Aus dem ärmlichen Haus des Anfangs wird ein mächtiges Missionshaus.

DRUCKEREI UND PRESSEAPOSTOLAT

1876
Die eigene Druckerei
und das
Presseapostolat
machen das neue
Missionshaus
rasch bekannt.

Schon vor Beginn des Aus- und Neubaus errichtet er im Jänner 1876 in Steyl eine eigene Druckerei für den Herz-Jesu-Boten, was er auf der Rückseite der Dezember-Nummer 1875 in dieser Form ankündigt: „Durch die Unterstützung verschiedener Wohltäter ist das Missionshaus, welchem dieses Blatt dient, in den Stand gesetzt, selbst eine Missionsdruckerei anlegen zu können. Mit ihrer Hilfe wird es möglich sein, das Blatt von nun an regelmäßig zu Anfang eines Monats erscheinen zu lassen, da ja dann Verlag, Redaktion, Expedition und Druckerei an einem Orte sich befinden.“ Einer der wichtigsten Wohltäter und eigentlich die Voraussetzung für den Druckbetrieb in Steyl ist der Setzer Josef Stute, der bis 1882 die Setzerei leitet.

Von außen angeregt wagt Arnold Janssen die Herausgabe einer neuen Zeitschrift. Mit der Januar-Nummer 1878 des Herz-Jesu-Boten wird die erste Ausgabe der „Stadt Gottes“ verschickt und ihr Programm vorgestellt. „Wer da sucht, etwas Gutes zu verbreiten, der muß auf seine Mitmenschen einzuwirken trachten. Und er muß sich hierbei eben jener Mittel bedienen, welche die Zeitumstände als die angemessensten erscheinen lassen. Hierzu gehört gegenwärtig die Presse. Die flüchtige Rede vergeht; das gedruckte Wort bleibt und kann wieder und wieder gelesen werden. ... Zugleich bekennen wir an dieser Stelle gerne, daß die Veranlassung zur Herausgabe dieses Blattes nicht von uns, sondern von außen gekommen ist und von einer günstigen Offerte in bezug auf die Illustrationen begleitet war. Wir waren anfangs ganz außerordentlich abgeneigt, dies Werk zu übernehmen.“ Doch dann führt er zur Begründung für das neue Unternehmen an: „Mangel an Mut und Gottvertrauen, ist das wohl bei uns Missionaren berechtigt? Wäre das nicht doppelt sündhaft bei uns nach all den Beweisen der göttlichen Hilfe, die wir bereits empfangen haben?“

1878
Die STADT GOTTES
ist bis heute die
große Familienzeitschrift
der
Steyler Missionare
im deutschsprachigen
Raum.

Schon 1880 kommt der „Michaelskalender“ hinzu. Auch seine Herausgabe wird von außen angeregt, durch Herrn Kolbe, einem Konvertiten aus Berlin, der auch maßgeblich die ersten Ausgaben mitverfasst. Der Michaelskalender entpuppt sich von Anfang an als wahrer „Renner“. „Er trug den Missionsgedanken und die Kunde von der Steyler Missionsgründung am weitesten in das katholische Volk hinein und warb ihm jährlich neue Freunde und neue Berufe“, erzählt P. Nikolaus Blum, der erste Nachfolger Arnold Janssens als Generalsuperior. Ermöglicht wird dieser Erfolg der Steyler Zeitschriften wesentlich durch das Kolportagesystem, das Br. Clemens Lanze ab 1883 systematisch entwickelt. Im Jahr 1900 wird die Stadt Gottes eine Auflage von 200.000 und der Michaelskalender 700.000 haben. Das Presseapostolat trägt so in effektiver Weise gleichzeitig zur missionarischen Bewusstseinsbildung und zur Werbung von Berufen bei und verschafft auch die materiellen Grundlagen für die rasante Expansion des Missionswerkes von Arnold Janssen.

Der Mensch muss bestrebt sein,
einen fröhlichen Geist in
der Liebe Gottes zu bewahren.

DAS EXERZITIENWESEN

Neben der Ausbildung von Missionaren vergisst Arnold Janssen jene Leidenschaft nicht, die ihm in seinem Einsatz im Gebetsapostolat erwachsen ist: die Glaubensvertiefung im Volk selbst. Die ersten Benutzer des Neubaues in Steyl sind nicht die Mitbrüder und Schüler, sondern man zog es vor, „noch einige Wochen in der Einschränkung zu verharren und die Erstlinge des Hauses der heiligsten Benutzung, die wir finden konnten, zu übergeben. Und das war ihre Benutzung zu heiligen Übungen oder Exerzitien für Landsleute, die drinnen in Deutschland dieser kostbaren Geistesübungen nun schon seit einigen Jahren entbehren müssen.“ So Arnold Janssen im Herz-Jesu-Boten vom September 1877. Noch in diesem Jahr nehmen über 100 Priester und Laien an Exerzitienkursen in Steyl teil. 1884 werden es über 500 sein. Es wird Tradition in Steyl, jeden Abschnitt des Neubaues zuerst für Exerzitien freizugeben. Arnold Janssen ist damit auch ein bedeutender Förderer der Exerzitienbewegung und geistlichen Erneuerung. Viele der folgenden Niederlassungen der Steyler Missionare sind von Anfang an mit Exerzitien- und Bildungseinrichtungen verbunden. Das dritte Generalkapitel 1898 stellt für Europa „das Halten geistlicher Exerzitien, und zwar in den eigenen Häusern, wenn es geschehen kann“ als eine erste Priorität heraus.

Die Steyler Ordensfamilie

DIE STEYLER ORDENSBRÜDER

Arbeiter und Brüder beim Ausbau und Neubau in Steyl

ie Einrichtung der eigenen Druckerei und die ab Sommer 1876 über Jahre hinaus ununterbrochene Bautätigkeit im und am Missionshaus in Steyl sowie die alltäglichen Lebensbedürfnisse in der rasant wachsenden Gemeinschaft machen die Anstellung von Arbeitern notwendig. Gleichzeitig kennt Arnold Janssen natürlich von anderen Orden die Institution der Kloster- oder Laienbrüder. Weiters wird er etwa von Bischof Comboni aus Afrika direkt um Brüdermissionare ersucht. Und im Sommer 1875 meldet sich auch ein erster Kandidat.

In dieser Situation beginnt Arnold Janssen im Mai 1877 die ersten Kandidaten aufzunehmen. Noch ist nicht von Mitgliedern der jungen Missionsgesellschaft die Rede. In einem Brief an Anzer und Freinademetz in China vom November 1879 wird die herrschende Situation deutlich: „Arbeiter haben wir jetzt circa 25. Für die Druckerei haben wir Knaben als drei Lehrlinge angenommen; sie machen sich gut. Sie müssen in der Reihe der Postulanten gehen. ... Für die Arbeiter hielt ich alle heilige Exerzitien und habe sie am Schlußtage veranlaßt, Senior, Vicesenior und Kassier zu wählen und Strafe (5, 10 und 15 Pf.) festzusetzen für das Zuspätkommen in der Messe. Jetzt geht alles gut.“ Bis zum Sommer 1880 entscheiden acht der Arbeiter, sich um die Aufnahme als Brüder zu bemühen. Sie leben zunächst nach der Regel des III. Ordens des hl. Dominikus. Nun beginnt auch in den Steyler Zeitschriften die Werbung für Brüdermissionare. Ihre Aufgabe und Stellung wird – ganz nach dem Kirchenverständnis von damals – so beschrieben: „Zur Seite der Missionare stehen dienende Brüder, welche dieselben in Europa und, sowie es zweckdienlich ist, auch in den Missionen unterstützen und sich ebenfalls durch Gelübde binden.“ 1883 reisen auch schon die ersten beiden Brüder nach China. Das erste Generalkapitel (1884-1886), auf dem es zur formalen Errichtung der „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ kommt, regelt auch die „Brüderfrage“. Sie gehören einerseits voll und ganz zur Gesellschaft, legen die Gelübde ab wie die Kleriker, andererseits sind sie allerdings nicht in den leitenden Gremien vertreten. Ein Zustand, der sich erst im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils ändern wird. Der Zustrom an Brüderberufen aus allen Berufssparten nach Steyl übertrifft dennoch die kühnsten Erwartungen. Im Todesjahr von Arnold Janssen, 1909, werden der SVD fast 600 Ordensbrüder in ewigen Gelübden angehören, bei 430 Priestern.

Das rasante Wachstum der Gesellschaft, die Festigung ihrer materiellen Grundlagen und der Auf- und Ausbau der Einrichtungen der Gesellschaft in Europa und Übersee wären ohne den selbstlosen Einsatz und Dienst der Brüder völlig undenkbar gewesen. Bis hin zum Zweiten Weltkrieg sind in der SVD in etwa gleich viele Brüder wie Priester - in manchen Jahren sogar deutlich mehr Brüder. Erst danach verlagert sich das Gewicht zunehmend zu den Priestern hin. Im Jahr 2002 sind es 670 Ordensbrüder, bei 3830 Priestern.

DIE STEYLER MISSIONSSCHWESTERN UND
DIE STEYLER ANBETUNGSSCHWESTERN

Mutter Maria, Helena Stollenwerk Mutter Josefa, Hendrina Stenmanns

chon in den ersten Nummern seines Kleinen Herz-Jesu-Boten schreibt Arnold Janssen auch über Missionsschwestern. Und als er im Herbst 1874 erstmals mit seinem Plan, ein deutsches Missionshaus zu gründen, in die Öffentlichkeit geht, meldet sich als Erste eine Frau. In seinen Überlegungen zur Zukunft seiner Gründung taucht immer wieder auch das Stichwort Missionsschwestern auf. Doch wie bei allen seinen Entscheidungen ist für Arnold Janssen auch hier der „Fingerzeig von oben“ entscheidend. Diese Zeichen von oben stellen sich konkret ab 1882 in Gestalt von einigen Frauen ein, die sich dem Werk Arnold Janssens anschließen wollen. Unter den ersten ist Helena Stollenwerk, eine 28-Jährige Bauerntochter und Hoferbin. Sie kommt im März 1882 nach Steyl, um von Arnold Janssen zu erfahren, dass er ihr keine feste Zusage für eine Schwesterngründung machen könne, wohl könne sie als zweite Magd der „Vorsehungsschwestern“ in der Küche des Missionshauses in Steyl helfen. (Die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung arbeiteten von 1877 bis 1888 in der Küche und Wäscherei in Steyl.) Diese Aussichten führen zu erheblicher Entrüstung auf Seiten der Verwandtschaft von Helena und auch der Geistlichkeit zu Hause. Doch Arnold Janssen bleibt dabei: „Sie können in unser Haus als Magd eintreten ... die weitere Entwicklung muß man dem lieben Gott überlassen“, schreibt er ihr. Und ihrem Pfarrer: „Ich kann in der betreffenden Angelegenheit nicht vorangehen, bevor ich klar und deutlich den Willen Gottes erkenne. Namentlich kann ein solcher Plan nicht auf erst erwartete geistige Bausteine gegründet werden; sondern man muß wenigstens soviele haben, um den Beginn gut machen zu können.“ Helena bleibt auch so bei ihrem Entschluss und kommt am 30. Dezember 1882 endgültig nach Steyl. Im vorweihnachtlichen Willkommensschreiben bereitet sie Arnold Janssen auf ihr künftiges Leben als Magd in Steyl vor – dieses sollte in dieser Weise sieben lange Jahre dauern: „Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen Glück zur endlichen Erreichung Ihres Zieles. Obgleich die Schwierigkeiten sich türmten, habe ich doch immer gedacht, daß es so kommen würde. Ich will Sie denn dem menschgewordenen Gottessohne zu Seinem heiligen Feste bestens empfehlen. Und dann nur Mut! Sie gehen an der Hand des guten Vaters im Himmel, und er wird nach Seinem heiligen Willen alles lenken. Mit Ihnen tritt ebenfalls als Magd die Schwester eines Zöglings ein. Sie sind dann zu dreien und können zusammen beten, zusammen arbeiten, zusammen geistliche Lesung halten, die eine der anderen ein gutes Beispiel geben ...“ Im Februar 1884 kommt Hendrina Stenmanns als neue Magd hinzu.

Aus heutiger Sicht ist die Geduld und Ausdauer der Frauen, die nach Steyl kommen, um Missionsschwestern zu werden und die sich nun auf Jahre hin als Mägde in der Küche und Wäscherei wiederfinden, kaum nachvollziehbar.

Es sind die Jahre des atemberaubenden Anwachsens des Missionshauses in Steyl, der Festigung seiner Strukturen im ersten Generalkapitel (1884–1886), der Gründung neuer Niederlassungen: in Rom 1888 das Studienkolleg St. Raphael, in Österreich 1889 das Missionshaus St. Gabriel als neues zentrales Ausbildungshaus. Im selben Jahr reisen auch die ersten Steyler Missionare nach Argentinien aus, neben China nun das zweite „Missionsgebiet“ der Gesellschaft.

Diese stürmische Entwicklung tragen die Mägde in der Küche durch ihre Arbeit und ihr geistliches Leben mit. Es wird zwar auf dem ersten Generalkapitel 1885 über die „Gründung einer weiblichen, für die Missionen und die ewige Anbetung bestimmten Genossenschaft beraten und dieselbe im Prinzip angenommen“, doch zunächst geschieht wenig. Erst der endgültige Auszug der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung führt zu einer Entscheidung. So schreibt Arnold Janssen im Juli 1887 noch einem seiner wichtigsten Ratgeber, dem Wiener Lazaristenpater Medits: „Wir nähern uns immer mehr dem Zeitpunkt, wo wir die Schwestern [von der Göttlichen Vorsehung] entlassen und unsere Brüder selbst die Küche übernehmen können. Aber dann ist die große Frage: Was mit den vier Mägden anfangen. Soll man sie behalten, so muß man in der Nähe ein Haus für sie einrichten mit Küche usw. und die Ausbesserung der Wäsche ihnen übergeben. Dann muß man aber noch neue dazu annehmen und dann läßt sich der Entschluß, aus diesen Elementen eine weibliche Kongregation zu bilden, nicht länger aufschieben. Davor aber schrecke ich zurück. Das gibt neue Mühe und Sorgen, und ich weiß wirklich nicht einmal, allen bisherigen Pflichten zu genügen.“

Als die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung im Juli 1888 Steyl verlassen, bleiben die vier Frauen in Steyl und beziehen nun ihr eigenes Haus mit klösterlicher Lebensordnung. Ihre Aufgabe ist es, „die Wäsche des Missionshauses, namentlich schadhaft gewordene Strümpfe, Hemden u.s.w. auszubessern, eine Arbeit, die recht fleißige und behende Hände erfordert, um für die 4-500 Bewohner des Missionshauses nicht zu erliegen“.

Ein Jahr später ist die Gemeinschaft auf sechs angewachsen und ein bisher von französischen Kapuzinern bewohntes Kloster in der Nähe des Missionshauses wird frei. Arnold Janssen mietet es und seiner Mutter schreibt er im November 1889: „Es werden unsere Schwestern dort zu wohnen kommen und werden wir nunmehr mit der Gründung eines weiblichen Klosters daselbst vorangehen.“ Der 8. Dezember 1889 wird zum Gründungstag der Steyler Missionsschwestern.

Steyler Schwestern in der Anfangszeit

Für Arnold Janssen ist die Missionsarbeit ohne die Hilfe es Gebetes ein schlicht sinnloses Unterfangen. So spielt die Anbetung schon in seinen frühen Überlegungen zur Schwesternabteilung eine zentrale Rolle, und das zweite Generalkapitel 1891 beschließt, eine Gruppe von „Klausurschwestern“ für das „ewige Gebet“ freizustellen. Nach langem Ringen kommt es am 8. Dezember 1896 zur Gründung der Steyler Anbetungsschwestern. Helena Stollenwerk, die immer in die Mission nach China wollte, tritt zwei Jahre später auf Wunsch von Arnold Janssen zu den Klausurschwestern über.

Die beiden Steyler Schwesternkongregationen entwickeln sich ähnlich schnell wie die Steyler Missionare. Am Todestag von Arnold Janssen, dem 15. Januar 1909, zählen sie mit den Novizinnen und Postulantinnen in Steyl selbst und in Niederlassungen auf allen Kontinenten über 800 Schwestern.

Aus dem „kleinen Samenkorn“ des ärmlichen Anfangs, vom dem Arnold Janssen 1875 bei der Eröffnung des Missionshauses in Steyl predigt, ist in dreißig Jahren ein „mächtiger Baum“ geworden. Sein unbändiges und tiefes Vertrauen, „daß der liebe Gott uns alles Erforderliche zuführen werde“, ist über alle Erwartungen hinaus in Erfüllung gegangen.

Die Steyler Ordensfamilie
heute

EUROPA AMERIKA AFRIKA Vom Ursprung her
war die Steyler
Ordensfamile stark
deutsch und euro-
äisch geprägt.
Heute stammen
weit mehr als die
Hälfte der insge-
sammt etwa 10.000
Steyler Schwes-
tern, Brüder und
Patres aus den
(armen) Ländern
des Südens. Vor
allem aus Asien:
Indonesien, Philip-
pinen, Indien. Sie
sind mit der gan-
zen Kirche zu
internationalen
und multikulturel-
len Gemeinschaf-
ten geworden.
Belgien ■▲ Antigua ■▲ Angola
■▲● Deutschland ■▲● Argentinien Äthiopien
■▲ England ■▲ Bolivien Benin
Frankreich ■▲● Brasilien ■▲ Botswana
■▲ Irland ■▲ Chile ■▲ Ghana
■▲ Italien Ecuador Kenia
Serbien Jamaika Kongo
Kroatien Kanada Madagaskar
Moldawien Kolumbien ■▲ Mozambique
■▲● Niederlande ■▲ Kuba Republik
Südafrika
■▲ Österreich ■▲ Mexiko ■▲ Sambia
■▲● Polen Nicaragua ■▲● Togo
■▲ Portugal Panama Zimbabwe
■▲ Rumänien ■▲ Paraguay    
■▲ Russland Uruguay ASIEN
■▲ Slowakei ■▲● USA ■▲ China
■▲ Spanien West Indies ■▲● Indien
■▲ Schweiz     ■▲● Indonesien
■▲ Tschechien AUSTRALIEN
OZEANIEN
■▲ Japan
■▲ Ukraine ■▲ Australien ■▲● Philippinen
Ungarn Neuseeland ■▲ Korea  
Weißrussland ■▲ Papua
Neuguinea
■▲ Osttimor SVD
    Samoa ■▲ Taiwan SSPS
        ■▲ Vietnam SSPSAP

AUSBREITUNG DER STEYLER ORDENSFAMILIE
BIS ZUM TOD ARNOLD JANSSENS

Die Jahre nach der Gründung der Steyler Anbetungsschwestern 1896 bis zu seinem Tod als 72-Jähriger am 15. Januar 1909 ist Arnold Janssen vor allem mit der materiellen und geistigen Festigung der rasch in die Welt sich ausbreitenden Steyler Ordensfamilie befasst. Die endgültige kirchliche Anerkennung erhalten die Steyler Missionare im Januar 1900.

In der Ausbildung der Missionare legt Arnold Janssen, seiner Zeit zum Teil weit vorausblickend, großen Wert auf das Studium der Völker und Kulturen, zu denen er „seine“ Missionare schickt. So erringen Steyler Missionare im Bereich der Völkerkunde und Anthropologie auch bald Weltruf. P. Wilhelm Schmidt gibt ab 1906 die bis heute wichtige anthropologische Zeitschrift „Anthropos“ heraus. Wohlwollende Offenheit für die Werte der fremden Kulturen und Völker gehört damit von Beginn an zum Selbstverständnis der Steyler Ordensfamilie.

Nach dem ersten großen „Expansionsjahr“ 1888/89 mit den Gründungen in Rom und des Missionshauses St. Gabriel in der österreichisch-ungarischen Monarchie folgen in Europa 1892 Heiligkreuz in Neiße/Schlesien, 1898 St. Wendel/Saarland und 1904 St. Rupert/Bischofshofen in Salzburg. Zum ersten bescheidenen Anfang in China 1879 mit Josef Freinademetz und Johann B. Anzer kommen 1889 an „Missionsgebieten“ Argentinien, 1892 Togo und in den folgenden Jahren Ecuador, Brasilien, Neu Guinea, USA, Chile, Japan und die Philippinen hinzu.

Die letzten Lebensjahre des heiligen Arnold sind auch von einer schweren Zuckerkrankheit geprägt. So zieht er sich Schritt für Schritt aus der Verwaltung seines Lebenswerkes zurück. „Wer gibt, was er hat, ist wert, daß er lebt“, schreibt Arnold Janssen 1904 einem Mitbruder in Chile. Das hat der heilige Arnold stets gelebt – und mit diesem einfach Satz zugleich dem Lebensgefühl und der Lebenseinstellung von heute eine entscheidende Herausforderung hinterlassen. „Nicht ich, sondern der Herr war es“, gab ihm dafür das tragende Fundament.

„Es ist sonderbar. Bei anderen Genossenschaften findet man heilige Männer im Anfang. Bei uns keine Spur. Vielleicht sind die Anfänge der anderen Genossenschaften in den Publikationen auch zu sehr gefärbt. Nun, dem sei wie ihm wolle, bei uns hat sich bis heute – und nun sind's bald 27 Jahre – noch kein Zeichen der Heiligkeit gezeigt“, schreibt P. Nikolaus Blum SVD, der Nachfolger Arnold Janssens als Generalsuperior, 1902 in sein Tagebuch. Darüber werden sich Arnold Janssen und sein Nachfolger im Himmel anlässlich des 5. Oktober 2003 sicherlich trefflich unterhalten ...

ARNOLD JANSSEN –
EIN HEILIGER FÜR UNSERE ZEIT

Heilige Menschen sind „Fingerzeige“ des Daseins Gottes in unserem Leben – oft überraschend ungefragt und unbequem.

  • Leben und Wirken des heiligen Arnold weisen zuerst auf die fundamentale Bedeutung des Gebetes als unablässiges Suchen nach dem Willen Gottes und zugleich bittendes Vertrauen in seine Zuwendung. Er hat Jesu Aufforderung gelebt: Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Alles andere wird euch dazugegeben (Mt 6,33).
  • Sein intensives „Gott Suchen“ hat seinen Blick geweitet für die „Zeichen der (seiner) Zeit“ und ihn darin zugleich hellwach gemacht, sich bietende Möglichkeiten blitzschnell entsprechend einzuschätzen und den rechten Augenblick für Entscheidungen beharrlich zu erwarten.
  • Die (unscheinbare) Gestalt und die (etwas sperrige) Persönlichkeit des heiligen Arnold zeigen einmal mehr, dass Gott es liebt, unscheinbare, in den Augen dieser Welt anscheinend schwache und bedeutungslose Menschen zur Mitarbeit in seinem Reich zu berufen, um „Welt-bewegendes“ zu wirken.
  • Als betender Mensch wurde er zum „Wanderapostel“ und als Ordensgründer ein Mann der „Weltkirche“. „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters“, wird das II. Vatikanum sagen (AG 2). In seiner intensiven Beziehung zum dreifaltigen Gott ist der heilige Arnold ein wesentlicher Wegbereiter dieses Kirchenverständnisses.

Die Steyler Missionare
heute

In schöpferischer Treue zum heiligen Arnold stehen die Steyler Missionare gemäß der Ordensregel von 1983 und den Satzungen der letzten Generalkapitel für:

Unsere Berufung

Entsprechend dem Wort Jesu Christi: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21) sind wir bereit, unsere Heimat, Sprache und Kultur zu verlassen und überall dort hinzugehen, wohin die Kirche uns sendet. Diese Verfügbarkeit ist das wesentliche Kennzeichen unserer missionarischen Berufung.

Unsere Gemeinschaft

Wir sind eine katholische Ordensgemeinschaft aus Laien und Klerikern und leben in internationalen und multikulturellen Gemeinschaften. Damit geben wir Zeugnis von der weltweiten Kirche und Geschwisterlichkeit. Durch die Gelübde (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) binden wir uns an diese missionarische Gemeinschaft.

Unsere Sendung

Wir arbeiten vor allem dort, wo das Evangelium nicht oder nur ungenügend verkündet ist und wo die Ortskirche aus sich nicht lebensfähig ist. Das Beispiel Jesu bestimmt dabei die Weise, in der wir unsere Mission leben. Aufgeschlossen und voll Hochachtung für die religiösen und kulturellen Überlieferungen der Völker suchen wir das Gespräch mit allen und bringen ihnen die Frohbotschaft der Liebe Gottes. Dabei ist es unsere Aufgabe, in Dialog zu treten mit Menschen:

  • die keiner Glaubensgemeinschaft angehören und auf der Suche nach dem Glauben sind,
  • die arm, an den Rand gedrängt und unterdrückt sind,
  • die verschiedenen Kulturen und
  • nicht-christlichen Glaubenstraditionen und säkularen Ideologien angehören.

Steyler Missionsschwestern
heute

Der Heilige Geist, der das missionarische Feuer in den Herzen unserer ersten Schwestern entzündet hat, ruft uns, der Wirklichkeit unserer globalisierten Welt als eine Gemeinschaft von Jüngerinnen Jesu zu begegnen.

Unsere Berufung

Jesus hat uns berufen, bei ihm zu sein und von ihm gesandt zu werden (vgl. Mk 3,14). Der Dienst an der Verkündigung der Frohbotschaft ist unsere vorrangige Aufgabe. Wir sind bereit, uns in der weltweiten Mission der Kirche einsetzen zu lassen, auch wenn das den Verzicht auf Muttersprache, Heimat und Kulturraum verlangt.

Unsere Gemeinschaft

Wir gehören einer katholischen Ordensgemeinschaft an und leben unsere Gelübde (ehelose Keuschheit, evangelische Armut und apostolischer Gehorsam) in multikulturellen, internationalen Gemeinschaften, die Zeichen von Gottes Gegenwart in unserer Welt sind.

Unsere Sendung

Offen für die Situationen und Nöte der Zeit setzen wir uns vor allem dort ein, wo wir als Frauen gebraucht werden und wo das Evangelium noch nicht oder nur ungenügend verkündet wurde und wo die Ortskirche Unterstützung braucht. Mission ist das Werk des Heiligen Geistes. Von ihm lassen wir uns führen. Wir achten alle religiösen Überzeugungen und die Überlieferungen der Völker. Mit unserem Leben bezeugen wir das Evangelium von der Liebe Gottes. Wir setzen uns ein:

  • für Menschen, die Gott und den Sinn ihres Lebens suchen;
  • für Frauen und Kinder in Notsituationen;
  • für die Armen;
  • für HIV/AIDS-Kranke,
  • für die Bewahrung von Natur und Schöpfung.

Weltweit sind wir mit Tausenden Frauen und Männern unterwegs, die sich mit uns identifizieren und als getaufte Christen ihren Alltag missionarisch leben.

Steyler Anbetungsschwestern
heute

Als dritte Gründung der Steyler Ordensfamilie rief der Heilige Arnold mit Mutter Michaele 1896 die Kongregation der Dienerinnen des Heiligen Geistes von der Ewigen Anbetung, kurz Steyler Anbetungsschwestern genannt, ins Leben.

Unsere Berufung

Durch seinen Geist hat Gott uns zum beschaulichen Leben und zum Dienst der Ewigen Anbetung berufen, um so im Missionswerk der Kirche zu stehen, der Glaubensverkündigung und der Heiligung der Priester zu dienen.

Unsere Gemeinschaft

Nach „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5), verstehen wir uns als eine Gemeinschaft von Schwestern, zusammengeführt durch den Heiligen Geist, in lebendiger Verbundenheit mit Christus, geeint im Vater. Durch die Gelübde der Ehelosigkeit, der Armut und des Gehorsams verbinden wir uns mit allen Gliedern unserer Kongregation in unserer Mutter, der heiligen katholischen Kirche.

Unsere Sendung

Damit alle „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10), setzen wir uns in missionarischem Geist, in der Anbetung, im Lobpreis des dreifaltigen Gottes, in der Fürbitte und durch unser ganzes Leben ein für den Heilsdienst an den Menschen. Nach dem heiligen Arnold gilt unsere Fürbitte bei Tag und Nacht vor allem den Missionaren des Göttlichen Wortes und den Missionsschwestern.

Dabei sind wir uns bewusst, dass unser kontemplatives Leben, je mehr es hineingenommen wird in die Liebe und Hingabe des eucharistischen Herrn, fruchtbar wird für die Kirche und die Welt. Unseren missionarischen Einsatz vollziehen wir in unserem beschaulichen Leben in der Klausur auch in den Gebieten der Erde, wo die Kirche noch nicht voll anwesend ist, um wirksam mitzuhelfen an ihrem Aufbau und Ausbau.

INFORMATION

Umfassende weiterführende Information zu den Steyler Missionaren und Schwestern im deutschsprachigen Raum, zu den einzelnen Niederlassungen etc., finden sich im Internet unter:

  • www.steyler.de (Deutschland)
  • www.steyler.at (Österreich)
  • www.steyler.ch (Schweiz)
  • www.steyler.nl (Steyl, Niederlande)

Impressum:

Verlag: Steyler Verlag, Postfach 2460, D-41311 Nettetal

Herausgeber: Societas Verbi Divini - Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Steyler Missionare), Rom

Redaktion: P. Stefan Üblackner SVD

Grafik und Layout: Brigitte Rosenberg (Wien)

Druckvorbereich: WMP, A-2340 Mödling

Druck: völcker druck -- Zentrum der Medien . 47574 Goch

Literatur:

Die Zitate stammen aus den Standardwerken zum Leben des heiligen Arnold Janssen (Zitate in alter Rechtschreibung):

  • Josef Alt SVD: Arnold Janssen. Lebensweg und Lebenswerk des Steyler Ordensgründers, Steyler Verlag 1999
  • Fritz Bornemann SVD: Arnold Janssen. Der Gründer des Steyler Missionswerkes, 3. Auflage, Steyler Verlag 1992
  • Fritz Bornemann SVD (Hrsg): Erinnerungen an Arnold Janssen, Steyler Verlag 1974

Missionare sind Botschafter der Liebe Gottes.

ISBN 3-8050-0500-8 Steyler Verlag