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DER STEYLER CHINAMISSIONAR AUS SÜDTIROL
Joseph Freinademetz
Ein Leben im Dienst der Menschen Chinas
 
Josef Freinademetz
(1852–1908)

Der Pionier der Steyler Missionare in China
wurde am 5. Oktober 2003 heilig gesprochen –
gemeinsam mit dem Gründer der Steyler Missionare,
Arnold Janssen.


Die Sprache der Liebe ist
die einzige Sprache, die
alle Menschen verstehen.

Josef Freinademetz

J.F.

Lebensdaten
15.4.1852 J.F. wird in Oies/Abtei in Südtirol geboren
1858–1862 Ladinische Volksschule in Abtei
1862–1876 Deutsche Volksschule, Gymnasium und Philosophie/Theologie in Brixen
25.7.1875 Priesterweihe
1876–1878 Kaplan in St. Martin/Gadertal
1878–1879 In Steyl
2.3.1879 Aussendungsfeier; Abschied von der Heimat
1879–1881 In Saikung/Hongkong
1882 Ankunft in Puoli/Süd-Shantung
1882–1884 Wandermissionar
1884–1886 Administrator
15.8.1886 Ewige Gelübde
1886–1890 Wandermissionar
1890–1891 Administrator
1892 Koordinator der Diözesansynode; Visitationsreisen
1893–1894 Leiter der Katechistenausbildung
1895–1897 Leiter des Priesterseminars
1897–1898 Administrator
1.11.1897 Ermordung der PP. Nies und Henle
14.11.1897 Deutsche Truppen besetzen Kiaochow-Bucht
1899–1900 Administrator (1900 Boxeraufstand)
1900 Ernennung zum Provinzial
1903–1904 Administrator
1904–1907 Provikar unter Bischof Henninghaus Ausbau der Provinzzentrale in Taikia
1907–1908 Administrator
28.1.1908 J.F. stirbt in Taikia, Süd-Shantung
19.10.1975 Paul VI. spricht J.F. zusammen mit A. Janssen selig
5.10.2003 Heiligsprechung von J.F. zusammen mit Arnold Janssen durch Johannes Paul II.

Josef Freinademetz –
ein Heiliger?

r war keine Führernatur; er hat keinen Orden gegründet und wurde nie Bischof; er blieb fast immer der Zweite. Er hat kein bedeutendes theologisches Werk geschrieben und keine neue Missionsmethode entwickelt; er starb nicht den Märtyrertod, sondern wurde wie viele seiner Mitmenschen in China Opfer einer Typhusepidemie.

Warum spricht die Kirche so einen Mann heilig?

Als Josef Freinademetz starb, sagte ein Chinese: „Es ist mir, als ob ich Vater und Mutter verloren hätte!“ – Josef Freinademetz hat die Menschen, „seine“ Chinesen, lieb gewonnen, so lieb gewonnen, dass er ihretwillen nicht mehr in seine Heimat zurückkehrte, unter ihnen begraben und auch noch im Himmel bei ihnen sein wollte. Er ist ein „Heiliger der Nächstenliebe“, wie die Kirche das ausdrückt.

„Während wir von Selbstverwirklichung sprechen, muss der Christ an Christusverwirklichung denken“, sagt Papst Johannes Paul II. Die Kirche nennt die Heiligen „Freunde Gottes“. Ein lateinisches Sprichwort sagt: „Das Gleiche wollen und ablehnen, heißt Freundschaft.“ Josef Freinademetz lebte so eine Freundschaft. Er wollte, was Christus wollte, er lehnte ab, was er nicht mit dem Willen Gottes vereinbaren konnte.

Zu Beginn seiner Tätigkeit in Süd-Shantung schreibt er: „Ich stand allein, mitten unter einem ganz heidnischen Volke. Deo gratias. Nun aber, was werde ich hier tun, was ausrichten? Guter Gott, Du baue, sonst baue ich umsonst; Du kämpfe, Du wache, sonst wache ich umsonst! Groß wäre wohl die Ernte, aber ... Doch, Gott will es! Also auf und gearbeitet!“

Missionar sein halte ich nicht für ein Opfer,
das ich Gott bringe, sondern für eine
Gnade, die Gott mir schenkt.

Josef Freinademetz –
der Missionar aus Steyl

m Herbst 1875 hatte Arnold Janssen im kleinen niederländischen Dorf Steyl mit einigen wenigen Getreuen das erste katholische Missionshaus im deutschsprachigen Raum gegründet. Der Anfang war mehr als bescheiden. Durch sein weitblickendes und geschicktes Presseapostolat gelang es jedoch, das Steyler Missionshaus rasch bekannt zu machen. Die „Missionsbegeisterung“ im Europa von damals ließ aus dem bescheidenen Anfang Janssens überaus schnell einen bedeutenden Missionsorden erwachsen, die Steyler Missionare.

So drangen Nachrichten vom jungen Steyler Missionshaus auch in die entlegenen Gebirgstäler Südtirols und trafen dort ins Herz des jungen Kaplans Josef Freinademetz. Seine schon im Priesterseminar gewachsene Sehnsucht, Missionar zu werden, ließ ihn rasch handeln. Im Januar 1878 las er im Brixner Bistumsblatt vom Steyler Missionshaus, Ende August zog er in Steyl ein, um im März 1879 mit Johann B. Anzer zusammen als erste Steyler Missionare nach China auszureisen.

Josef Freinademetz wird nicht in Steyl, sondern in China zum Missionar – und das in einem teilweise schmerzlichen, sehr persönlichen Prozess. Am Ende dieses Prozesses sieht er in den Menschen Chinas nicht mehr Objekte, zu denen er gesandt ist, um sie zu taufen, sondern Menschen, mit und unter denen er die Liebe Gottes leben und verwirklichen möchte. Das ist das bleibende Vermächtnis seines Lebens – für die Steyler und für die ganze Kirche.

Der Sohn der Berge

KINDHEIT UND JUGEND

Josef Freinademetz wurde am 15. April 1852 inmitten der Südtiroler Dolomiten, in dem kleinen Weiler Oies, Gemeinde Abtei/Badia geboren. Abtei ist der Hauptort des oberen Gadertales, heute als Alta Badia Ziel vieler Touristen und Skisportler, damals ein kaum zugängliches, enges Gebirgstal, dessen Bewohner ein kärgliches Dasein führten.

Die Gadertaler gehören wie die Bewohner der angrenzenden Täler zur kleinen Minderheit der Ladiner, die bis heute eine eigene Sprache, Ladinisch, sprechen. Als Josef Freinademetz geboren wurde, gehörten die Dolomitentäler zum Land Tirol, das seit dem 14. Jahrhundert Teil Österreichs war. 1919 wurde der südliche Teil Tirols, und damit auch das Gadertal, von den Siegermächten Italien zugeschlagen.

Die Familie Freinademetz – Josef war das vierte Kind, neun weitere, von denen vier bald nach der Geburt starben, sollten noch folgen – bewirtschaftete einen kleinen Hof. Oies liegt 1500 Meter hoch, da wächst außer Gras nicht mehr viel. Ein halbes Dutzend Kühe, ein paar Schweine, einige Schafe und ein Pferd waren der wirtschaftliche Grundstock der Familie Freinademetz.

Das alltägliche Leben war tief verwurzelt in der katholischen Tradition. Der Tag wurde mit dem „Engel des Herrn“ begonnen und mit dem gemeinsamen Rosenkranz vor dem Hausaltar beendet. Vater Giovanmatia pilgerte vom Frühjahr bis zum Herbst jede Woche hinauf zum alten Heiligtum Heiligkreuz auf 2000 Meter Seehöhe und besuchte zusammen mit den Kindern Tag für Tag die heilige Messe in der Pfarrkirche St. Leonhard, zwanzig Minuten unterhalb von Oies gelegen.

1852
wird Josef Freinademetz
als viertes
Kind von Giovanmatia
und Anna
Maria geboren.


Das Geburtshaus des Josef
Freinademetz (hier um
1960) wurde von den Steyler
Missionaren in eine Pilgerstätte
umgestaltet.

Nach vier Jahren Volksschule in St. Leonhard kam der kleine „Üjöp“, wie Josef in seiner ladinischen Muttersprache gerufen wurde, auf Anraten des Pfarrers in die Bischofsstadt Brixen; das waren elf Stunden Fußweg, Straßen gab es damals im Gadertal kaum. In Brixen sprach man ausschließlich Deutsch, das konnte er nur mangelhaft – im Gadertal spricht man bis heute neben Ladinisch vor allem Italienisch. Nach zwei Jahren deutscher Volksschule in Brixen konnte er in das Gymnasium übertreten: Josef Freinademetz war ein ausgesprochenes Sprachentalent, ansonsten aber nicht übermäßig begabt.

AUF DEM WEG ZUM PRIESTERTUM

1872 trat er in das Priesterseminar ein. Die Diözese Brixen wurde von Fürstbischof Vinzenz Gasser geleitet, der im Ersten Vatikanum eine bedeutende Rolle gespielt hatte. In der kleinen Bischofsstadt herrschte damals ein überraschend weltoffener, missionarischer Geist. Im Gymnasium wie im Priesterseminar hatte Josef Freinademetz Lehrer, die regen Kontakt mit Missionaren pflegten. Der Gedanke, einmal in die Mission zu gehen, wurde hier wohl grundgelegt.

1875 empfing er die Priesterweihe. Ein Jahr später schloss er seine Studien ab und erhielt die Bestimmung als Kaplan für St. Martin im heimatlichen Gadertal, wo der Schuldienst seine Hauptaufgabe war – und sich der Gedanke der missionarischen Berufung verfestigte.

Unter dem mächtigen, fast 3000 Meter hohen Kreuzkofel befindet sich Oies (Häusergruppe in Bildmitte); im Tal St. Leonhard und Pedratsches.

ÜBER STEYL NACH CHINA

Als er im Januar 1878 im Diözesanblatt einen Bericht über das Missionshaus in Steyl las, stand sein Entschluss fest. Am 27. August kam er in Steyl/Holland an. Arnold Janssen hatte hier 1875 das erste deutsche Missionshaus gegründet – auf deutschem Boden war das aus politischen Gründen nicht möglich gewesen. Am 2. März 1879 erhielt Josef Freinademetz zusammen mit Johann Baptist Anzer vom Internuntius von Den Haag das Missionskreuz überreicht. Nach einem kurzen Abschied von Familie und Heimat – für Josef Freinademetz war es ein Abschied für immer – gingen sie am 15. März in Ancona/Italien an Bord. Das Reiseziel war China.

Am 20. April betraten die beiden ersten Steyler Missionare in Hongkong chinesischen Boden. Für Josef Freinademetz begann unter der Leitung des italienischen Missionars Piazzoli ein zweijähriges „Missionsnoviziat“ in Saikung, einer kleinen Station im Hinterland von Hongkong. Als das Steyler Missionshaus 1881 ein eigenes Missionsgebiet in der Provinz Shantung übertragen bekam, war der weitere Lebensweg für den Missionar aus den Dolomiten vorgezeichnet. Josef Freinademetz hat Shantung mit Ausnahme eines krankheitsbedingten dreiwöchigen Kuraufenthalts in Japan zeitlebens nicht mehr verlassen.

Andenken an seine
Ausreise nach China.

Das Welt- und Kirchenbild
des Tirolers

ie Fahrt nach Steyl war für Josef Freinademetz die erste Reise über seine heimatlichen Gebirgstäler hinaus gewesen; er war damals 26 Jahre alt. Sein Leben, seine Gewohnheiten, sein Weltund Kirchenbild waren von seiner zutiefst katholischen kleinen Welt geprägt und geformt. Die kirchliche Moral bestimmte das private und öffentliche Leben, der liturgische Kalender den Jahresablauf. Gerade seine Heimat Tirol galt wegen seiner Kirchentreue als „heiliges Land“. Noch 1837 wurden Protestanten wegen ihres Glaubens aus ihrer Tiroler Heimat vertrieben. Der Brixner Oberhirte Fürstbischof Vinzenz Gasser bekämpfte mit allen Mitteln die von der Wiener Regierung verfochtene Religionsfreiheit und bot Papst Pius IX. seinen Rücktritt an, weil 1876 in seiner Diözese zwei protestantische Gemeinden errichtet wurden...

Die Leute von St. Martin grüßten ihren Kaplan mit „Gelobt sei Jesus Christus“, die Kinder küssten ihm die Hand. In seinen oft sehr langen Predigten war, wie damals üblich, das Sünden- und Höllenthema vorherrschend. Das war die „katholisch-heile“ Welt, in der Josef Freinademetz aufgewachsen und zu Hause war.


Der Neupriester Josef Freinademetz.

1875
wird Josef Freinademetz
in Brixen
von Fürstbischof
Vinzenz Gasser zum
Priester geweiht.

Als der Sohn der Tiroler Berge im April 1879 in Hongkong an Land ging, tat er das in dem Bewusstsein, von nun an „die armen Heiden zu bekehren und Götzendienst und Unglauben auszurotten“: „Wenn ich an jene ganz unglücklichen Länder und Völker denke, wo die dunkelste Nacht des Heidentums herrscht, wo man die wahre Religion nicht kennt, an jene Menschen, die doch auch unsere Brüder und Schwestern sind, dann schlägt mir heftig das Herz, dann möchten die Augen sich mit Tränen füllen“, so hatte er in St. Martin gepredigt. „Ich kenne ja das übergroße Elend unserer Brüder jenseits des Meeres, die mit Tränen in den Augen uns die Arme entgegenstrecken und um Hilfe bitten“, sagte Josef Freinademetz in seiner Abschiedspredigt.

Die „äußere Umwandlung“

us den engen Tälern Tirols in das internationale Hongkong: das konnte nicht gut gehen. Von den damals 140.000 Hongkong-Chinesen waren nur rund 1000 katholisch; und aus dem übrigen Völkergemisch von 10.000 Engländern, Portugiesen, Amerikanern, Franzosen, Deutschen, Spaniern, Filipinos, Indern und Persern hatten auch nur die allerwenigsten an der Kirche Interesse; dazu das kleine, schmutzige Fischerdorf Saikung, wo er die Sprache lernte und sich zusammen mit Malaria Magen- und Darmprobleme einhandelte: Alles in allem kein Ort, um in Begeisterungsstürme auszubrechen.

EINSAM UND ENTTÄUSCHT

1879
Der Sohn
der Tiroler
Berge
beginnt
in
Hongkong
zum
 „Chinesen“
zu werden.

Äußerlich wird er zum Chinesen: Aus Josef Freinademetz wird „Fu Jo-shei Shenfu“, vereinfacht „Fu Shenfu“ – „Priester des Glücks“; von den rotblonden Haaren bleibt ein Büschel am Hinterkopf, an dem der falsche, schwarze Zopf befestigt wird; der schwarze Priestertalar aus Europa weicht der blauen chinesischen Toga, die Leder- den Leinenschuhen; die Sicht der Dinge aber bleibt europäisch, tirolerisch: Das Missionskirchlein ist ihm zu schäbig, die Pagode am Fuß des Kirchenhügels stilisiert er zum Prachtbau hinauf, voller Neid sieht er dort die Leute ein- und ausgehen; er hingegen hat nur einen alten Chinesen als Gesprächspartner, der ihm die Sprache beizubringen versucht. Da P. Piazzoli die Gelegenheit nützt und die Außenstationen bereist, ist er wochenlang allein: Das zehrt am Gemüt. Als nach einem halben Jahr er selbst dann von Insel zu Insel segelt, von Dorf zu Dorf zieht, die wenigen verstreuten Christen aufsucht und neue Interessenten für seinen Glauben anwerben will, bleibt er weit gehend erfolglos. Seine für Chinesen ungewohnte lange Nase ist interessanter als das, was er zu sagen hat. Sie kommen, um einen exotischen Europäer zu sehen, nicht um seine Botschaft zu hören. Und was am allerschlimmsten ist: Sie schreien ihm „Fremder Teufel“ nach. Er hat Familie, Freunde, Heimat, alles aufgegeben, um die Chinesen aus den Klauen des Teufels zu befreien – und nun nennen eben diese Menschen ihn „Teufel“! Das gellt ihm in den Ohren, frisst sich in ihm fest. Dagegen sieht er nun den Teufel selbst überall am Werk: Die Tempel sind für ihn Häuser des Teufels, die religiösen Feste sind Teufelsfeste, durch Feuerwerke und Böllerschüsse wird der Teufel geehrt; die Opfer werden dem Teufel dargebracht. Zusammenfassend schreibt er: „China ist recht eigentlich das Reich des Teufels. Man kann kaum zehn Schritte gehen, ohne dass allerhand höllische Fratzen und die verschiedensten Teufeleien einem unter die Augen treten!“

Die persönliche Enttäuschung wird zur Pauschalabrechnung voller Vorurteile: „Der chinesische Charakter hat für uns Europäer wenig Anziehendes. ... Der Chinese ist vom Schöpfer nicht mit den gleichen Anlagen ausgestattet worden wie der Europäer. ... Der Chinese vermag nicht, sich zu einem höheren Gedanken aufzuschwingen.“

Ohne es selbst zu erkennen, gibt er preis, welchem Trugbild er nachhängt: „Und dieses ist es eben, was der junge Missionar am bittersten fühlt: Er ist mit einem Feuereifer aus Europa gekommen; er wünschte, dass vor lauter Taufen und Predigen am Abend der Arm ihm kraftlos niedersinke und dass jedes Jahr einige Pagoden vor seinen Augen in Trümmer gingen, um ebenso vielen Gotteshäusern Platz zu machen“ – und stattdessen...?

Josef Freinademetz ist ein Kind seiner Zeit. Für andere Religionen ist da kein Platz. Missionar sein heißt Seelen für den katholischen Glauben gewinnen. Das gelingt ihm nicht im gewünschten Maße, also ist er enttäuscht und frustriert.

Die „innere Umwandlung“

ie persönlichen Enttäuschungen, die körperlichen Anpassungsschwierigkeiten und der Frust des Misserfolgs führen zur Grund- und Existenzfrage, zwingen ihn, über seine Berufung nachzudenken. Dabei stellen sich Gedanken ein, die nicht von heute auf morgen kommen; er muss viel gegrübelt, viel meditiert und gebetet haben, bevor er diese Zeilen schreiben konnte, die er unter dem Titel „Missionarsfreuden“ zusammenfasst: „Gab es je auf Erden ein großes Werk, groß wegen der Erhabenheit seines Zieles, bewunderungswürdig wegen der Zahl und Qualität seiner Mittel und Erfolge, so ist es die Religion des Gekreuzigten und das mit ihr unzertrennlich verbundene Apostolat. ... In diesem Lichte bekommt alles eine neue, ganz eigentümliche Farbe; das an sich Kleine und Unbedeutende erhält einen eigentümlichen Reiz, das an sich Bittere eine eigentümliche Süßigkeit. Die stille Einsamkeit und allseitige Verlassenheit spricht dem Missionar eigentümlich zu Herzen, und weil der liebe Gott umso näher ist, je weiter die Menschen, so weiß der Missionar oft nicht, ob er vor innerem Weh weinen oder vor Freude aufjubeln soll, und er tut beides zugleich.“ Das sind nicht die Worte eines Mannes im abgeklärten Alter; er ist 28 Jahre alt, also voller Energie und Schaffensdrang, als er diese fast mystisch klingenden Zeilen am Ende seiner zwei Jahre in Hongkong niederschreibt. Er selbst bezeichnet diese zwei Jahre als sein „Missionsnoviziat“; es sind entscheidende Jahre, Jahre, in denen er den spirituellen Grund und Boden findet, auf dem er sein Leben in China aufbauen kann.

„Fu Shenfu – Priester des Glücks.

Die chinesischen Kleider haben aus Josef Freinademetz noch keinen neuen Menschen gemacht. Das spürt er; und er erkennt, was zu tun ist: „Die Hauptsache bleibt zu tun übrig: die Umwandlung des inneren Menschen: chinesische Anschauungsweise, chinesische Sitten und Gebräuche, chinesischen Charakter und Anlagen studieren, das geht nicht an einem Tag, auch nicht in einem Jahr, und auch nicht ohne manche schmerzliche Operation.“

Ohne es schon wissen zu können, hat er in diesen Sätzen sein Lebensprogramm formuliert. Er löst sich von seinen engen Gedankengängen und wird zum begnadeten Missionar. Er ist bestens gerüstet für den Aufbau der ersten, den Steyler Missionaren übertragenen Mission in Süd-Shantung.

Im Juni 1881 verlässt Josef Freinademetz Hongkong. Nach einem erneuten Sprachstudium – in Shantung spricht man ein anderes Chinesisch als in der britischen Kronkolonie – trifft er im März 1882 in Puoli, der künftigen Hauptstation des ersten „Missionsgebietes“ der Steyler Missionare ein. Süd-Shantung wird nicht nur sein Arbeitsfeld, es wird ihm zur Heimat.


Josef Freinademetz beim Verlassen von Tsingtao.

Der Wandermissionar

as er in Saikung schon praktiziert hat, tut er auch in Süd-Shantung: Er wandert in dem riesigen, kaum je von einem Europäer betretenen Gebiet von Dorf zu Dorf, abgesehen von einem halbblinden, ihm treuen Chinesen ist er dabei mutterseelenallein, und das wochen- und monatelang. Er tut das zunächst in den ersten zwei Jahren, dann wieder vier Jahre lang, ist aber auch später, sei es als einfacher Missionar oder als Provikar, als Administrator, als Provinzial und Visitator, viel unterwegs, zu Fuß, auf dem Maultier, zu Pferd oder im Kastenwagen. Er lernt das Gebiet kennen wie kein anderer, aber nicht nur das Gebiet, sondern vor allem seine Bewohner. Er tut von jetzt an das, was er schon in Hongkong als Hauptsache erkannte: Fu Shenfu studiert „die Chinesen, ihre Anschauungsweisen, ihre Sitten und Gebräuche, ihren Charakter und ihre Anlagen“.

Es ist aber nicht nur ein neugierig sachliches Kennenlernen, nicht nur ein Sammeln von Wissen über Gebräuche und Gewohnheiten, was er auf den Wanderungen in sich aufnimmt. Es führt zur „Umwandlung des inneren Menschen“. Je mehr er die Chinesen, ihre Sprache und Kultur kennen lernt, umso höher schätzt er sie, umso ehrfürchtiger spricht er von ihnen. So erträgt er es nicht mehr, wenn jemand in seiner Nähe abschätzig von „den Chinesen“ spricht. Seine Haltung bleibt nicht unwidersprochen, widerspricht dem säkularen und oft auch kirchlichen Zeitgeist.

1897
„Mit gepanzerter
Faust
greift Kaiser
Wilhelm II. in
China ein.

Der Zeitgeist

n der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist der europäische Imperialismus in seiner Hochblüte – und das uralte Kaiserreich China am Tiefpunkt seiner Geschichte. England, Frankreich, Russland und dazu noch Japan zwingen das innerlich morsche „Reich der Mitte“ zu ungleichen Verträgen. Das junge deutsche Kaiserreich sucht fieberhaft einen Anlass, es ihnen gleich zu tun. Dieser ist für Kaiser Wilhelm II. gegeben, als in Süd-Shantung zwei deutsche Missionare, Mitbrüder von Josef Freinademetz, unter ungeklärten Umständen ermordet werden. Der Schutz der deutschen Missionare in Süd-Shantung muss als Vorwand dienen, ein längst erkundetes und nach wirtschaftlichen Interessen gewähltes Gebiet zu besetzen: die Kiaochow-Bucht mit der Hafenstadt Tsingtao. Der deutsche Kaiser hat seinen Soldaten mit auf dem Weg gegeben, „mit gepanzerter Faust dreinzufahren“, wenn die Chinesen sich nicht fügten.


Besuch des
deutschen Gouverneurs
von Truppel
bei Bischof Anzer (1903).

Die Besatzungsmächte lassen ihre militärische Macht spüren, beuten China aus. Das chinesische Volk fühlt sich gedemütigt, Beamte schüren den Hass gegen alle Fremden. Die Missionare werden dazu gezählt und als Eindringlinge betrachtet, die die chinesische Kultur und Tradition und das konfuzianische Machtgefüge zerstören wollen. Wahr ist auch, dass nicht alle Missionare gegen rassistische Tendenzen gefeit waren und den Chinesen gegenüber eine gewisse europäische Überheblichkeit an den Tag legten.

„ … für deine Chinesen …“

m 15. August 1886 legt Josef Freinademetz die
ewigen Gelübde ab. Mit dem ersten Generalkapitel
war in diesem Jahr die Gemeinschaft von Steyl
zur „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ geworden.
Er war jetzt 34 Jahre alt und seit sieben Jahren in China,
davon vier Jahre in Süd-Shantung. „So gelobe ich dir, heiliger,
dreieiniger Gott ...“ heißt es in der Gelübdeformel. Für Freinademetz
aber bedeuten die Gelübde nicht nur seine innere, vorbehaltlose
Ganzhingabe an den Schöpfer. Er verknüpft damit
sein Leben untrennbar mit den Menschen Chinas. Er opfert
nicht nur seine Kraft, seine Energie, sein Leben für sie. Und er
verbindet auch sein Leben nach dem Tod, seine Hoffnung aufdie ewige Glückseligkeit mit ihnen. Er kann sich sein Leben, ja
nicht einmal den Himmel, ohne Chinesen nicht mehr vorstellen.
Seinem Tagebuch vertraut er an: „Somit Bruder Joseph, ist
das Los gefallen: bete, arbeite, leide, ertrage. Dein ganzes Leben
für deine lieben Chinesen, auf dass, wenn du dereinst am Abend
deines Lebens dich zum Sterben niederlegen wirst, du dich
schlafen legen kannst neben und mit deinen teuren Chinesen.
Adieu! Leb wohl, zum letzten Mal, liebe Heimat übers Meer
drüben!“


Innenhof der Missionszentrale in Puoli.

DEN CHINESEN EIN CHINESE

Da schwingt mehr mit als eine totale Selbstaufopferung: Er hat sie lieb gewonnen, seine „teuren Chinesen“. In der Vorbereitung auf die Gelübde hatte er nach Hause geschrieben: „Ich sage Euch ehrlich und offen: Ich liebe China und die Chinesen ... Jetzt, wo ich mit der Sprache nicht mehr so große Schwierigkeiten habe, und wo ich das Volk und seine Lebensweise kenne, ist mir China zur Heimat geworden und zu dem Schlachtfeld, auf dem ich einmal fallen möchte ...“ Mag uns heute auch der Vergleich mit dem „Schlachtfeld“ fremd vorkommen, er meint damit wohl, dass er sich nicht für eine Idee, nicht nur für das Reich Gottes im Allgemeinen einsetzt, sondern für diese ganz konkreten Menschen, mit denen er tagein tagaus zu tun hat; für die, die er nicht in irgendeinem überhöhten Sinn, sondern um ihrer selbst willen liebt: „Ich will leben und sterben mit den Chinesen“, bekommt seine Schwester zu lesen.

Nicht alle schätzen seine Haltung. So manchem kommt seine Zuneigung zu den Chinesen und allem Chinesischen übertrieben vor.

Sein langjähriger Mitarbeiter und erster Biograf, der spätere Bischof Henninghaus, betont aber immer wieder, dass Freinademetz keineswegs blind für die Fehler und Schwächen der chinesischen Bevölkerung gewesen sei; Henninghaus setzt seine Zuneigung mit der Liebe gleich, die Paulus in seinem Brief an die Korinther besingt: „Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.“

„Standhalten“, aushalten muss diese Liebe nicht wenig. Freinademetz selber beklagt sich öfters, dass er immer wieder hintergangen und betrogen wurde: „Was haben mich die Chinesen schon drangekriegt!“ P. Heinrich Erlemann, der ihm teilweise sehr kritisch gegenüberstand, schreibt nach seinem Tod: „Ich wage zu sagen, kein Missionar in unserer Mission hat so gräulichen Undank zeitweilig von den Chinesen erfahren wie gerade der größte Chinesenfreund, nämlich P. Freinademetz.“

Für P. Erlemann bleibt unverständlich, dass sich Freinademetz dennoch nicht beirren ließ. Für den Tiroler Landsmann von Freinademetz, den Franziskaner P. Zeno Möltner, ist so eine Sicht des Chinesentums schlicht unvereinbar mit seinem Auftrag: „Wie kann der Mann Beicht’ hören, wenn er diese Leute für solche Heilige hält!“

P. Erlemann glaubt gar einen zeitlichen Höhepunkt für die besondere Zuneigung seines Mitbruders ausmachen zu können: „In den Jahren 1886 bis 1890 sprach er die Chinesen vollständig heilig, nur mit dem Unterschiede, dass sie die Taufe nicht hätten und nicht an Gott glaubten.“

ECHTE ZUNEIGUNG

Gerade in diesen vier Jahren ist der Gescholtene den Chinesen besonders nahe; von 1886 bis 1890 ist er wieder Wandermissionar und zieht von Dorf zu Dorf; er muss sich meist in irgendwelchen schäbigen Gasthäusern oder Bauernhütten einquartieren; die Christen und Katechumenen sind damals noch dünn gesät, also muss er sich meistens in ihm zumindest reserviert, wenn nicht feindlich gesinnten Kreisen bewegen, sich Spott über seine „lange Nase“ und Hohn über seine Religion anhören; und ausgerechnet in dieser Zeit, glaubt P. Erlemann zu wissen, sei er den Chinesen gegenüber besonders unkritisch gewesen. – Da schlägt wohl mehr persönliche Kritiksucht als sachliche Beobachtung zu Buche! Gerade solche Situationen, das tägliche Einerlei und die hautnahen Kontakte kann man nicht mit Romantik übertönen, auch nicht mit Frömmelei überhöhen: Die Zuneigung und Liebe Fu Shenfus zu diesem Volk muss echt und tief empfunden gewesen sein.

Das Gebet und die Freude machen
eine wahre Tugend möglich.

Der Gemütsmensch

1890
Josef Freinademetz
lebt die Güte und
Menschenfreundlichkeit
Gottes.

enn er auch sich selbst alles abverlangte, keine Mühe scheute und im Sinne der Aszese sich „abtötete“ und persönliche Bedürfnisse einschränkte und aufopferte, so war er alles andere als ein harter Mensch. Im Gegenteil: Freinademetz war ein sensibler, manchmal auch zu sensibler, wenn nicht gar rührseliger Mensch, dem die Tränen locker saßen. Der Abschied von Heimat und Elternhaus war ihm äußerst schwer gefallen. Als die „lieben Schulkinder“ in St. Martin bei seinen Abschiedsworten weinten, „zerriss mir das Herz“, schreibt er und fährt fort: „Die Abschiedsszene im väterlichen Hause will ich nicht beschreiben ...“

Vor den Gelübden hatte er in Abwesenheit von Bischof Anzer zwei Jahre lang als Administrator die Mission in Süd-Shantung geleitet und die Christen in Puoli und Umgebung betreut. Sie waren ihm ans Herz gewachsen; der Abschied fiel ihm schwer: „Bei mir ist es diesmal nicht ganz trocken abgegangen; euntes ibant et flebant – sie gingen und weinten!“ Die guten Christen von Puoli „fingen an, mir zu stark ans Herz zu wachsen...“

Freimütig gibt er zu, wie ihn Briefe aus der Heimat berühren: „Es ist nicht Heimweh ..., sondern ein eigenartiges Gefühl, das mich die Tränen fließend macht.“

Ein Brief von Josef
Freinademetz an
Arnold Janssen.

Als das Deutsche Reich Tsingtao besetzt hatte und er in Abwesenheit des Bischofs erneut Administrator war und vor den Soldaten ein Hochamt zelebrierte, war er vom „Ausdruck und der Präzision“, mit der die Militärkapelle ihre „frommen Lieder“ spielte, so überwältigt, dass sich „unser Auge mit Tränen füllen wollte“. Beim Te Deum am Schluss der Messe war es dann mit seiner Beherrschung endgültig vorbei, man sah, dass ihm „Tränentropfen die bleichen gefurchten Wangen herabrollten“. Seine Briefe sind voll von lebendig geschilderten Beispielen, die deutlich machen, wie sehr er als Mensch am Schicksal seiner Chinesen mitträgt.

Sein weiches Gemüt hinderte ihn aber keineswegs daran, in entscheidenden Momenten fest zu bleiben und seine Meinung zu vertreten. So bekennt P. Erlemann: „Ich habe manchen Strauß mit ihm gehabt, aber es war ihm nicht beizukommen, so gut man es auch meinte, wenn es mit seiner Ansicht nicht übereinstimmte.“

Galt es, bei Visitationen Protokolle zu schreiben, schwierige Situationen zu klären, die einzelnen Missionare zu charakterisieren und zu entscheiden, wer für welchen Dienst oder für welches Amt geeignet sei, so sind seine Beurteilungen alles andere als Schönfärberei, sondern ausgesprochen sachlich und nüchtern.

Das Wenige, was wir tun, ist nichts
im Vergleich zu dem,
was der gute Gott uns getan hat.

Ein Skrupulant?

ass P. Freinademetz sich selbst alles abverlangte und vor allem die apostolische Armut und den Gehorsam sehr konsequent lebte, anerkannten auch jene, die ihm kritisch gegenüberstanden. Mit ihm eng zusammenzuleben, war freilich nicht jedermanns Sache. P. Anton Volpert beschreibt das so: „Es war für mich ein großes Glück, den heiligmäßigen Provikar als Oberen und Lehrmeister zu haben. Aber es war für mich auch ein Unglück. Konfuzius sagte schon, mit den Vollkommenen ist schwerer auszukommen als mit weniger Vollkommenen. Ich war noch zu unvollkommen, und er stellte zu hohe Anforderungen an mich.“

In der jungen Steyler Ordensgemeinschaft hatte er einen guten Ruf. Kamen neue Missionare an, waren sie zunächst einmal neugierig auf diesen „heiligmäßigen“ Mann. Besucher aus Europa, Reisende und Diplomaten waren von seiner Persönlichkeit genauso beeindruckt wie die Soldaten und Offiziere der deutschen Besatzungsmacht. Man bestaunte ihn und bewunderte seine radikale Denk- und Lebensweise. Er wirkte glaubwürdig auch auf die, die seinen Glauben und seine Anschauungen nicht teilten. Wie aber sah er sich selbst?

Als die Rede davon war, ihn für einen Oberenposten nach Europa zurückzuholen, schildert er sich selbst in einer Art und Weise, die einer Beichte gleichkommt: Er sieht sich veranlasst, sein „Inneres ganz aufzudecken, damit Herr Rektor [A. Janssen] wissen, mit welch einem elenden Subjekte Sie zu tun haben.“ Nach der Bitte, sein offenes Bekenntnis nicht als falsche Demut auszulegen, kehrt er sein Innerstes nach oben, schreibt, in Gedanken Probleme mit der Sexualität zu haben und schildert dann seinen Charakter: „Ich bin furchtbar eitel und gefallsüchtig; ich bin launig und niedergeschlagen, wenn’s nicht nach Wunsch geht; dagegen ausgelassen und ekelhaft ironisch, wenn’s gut geht. Ich bin rasch unwillig und ungeduldig und stoße gar manches Mal die Katechumenen durch dieses mein Beispiel ab. In keinem Punkte habe ich mich in Gewalt und überlass’ mich vielfach der Stimme der Leidenschaften.“

Sah er sich wirklich so? Von keinem seiner Mitbrüder wird er so eingeschätzt. Dass er demütig im besten Sinne war, sagen alle. Wohl kann man aus manchen Schilderungen auch eine Neigung zur Skrupelhaftigkeit herauslesen, eine Neigung, die auch noch in seinen letzten Tagen zum Ausdruck kommt, als er bettlägerig und geschwächt noch mehrere Male beichtet.

Dass für alles und jedes bis ins Detail vor Gott Rechenschaft abzulegen sei, davon war nicht nur er überzeugt; es entsprach der damals gängigen Spiritualität, wenn er sagt: „Stimmt die Rechnung nicht, so muss im Fegfeuer nachgezahlt werden usque ad ultimum quadrantem bis zum letzten Heller.“ Das mag auch der Grund gewesen sein, dass er Angst vor dem Sterben hatte. Als es dann so weit war, ging er dennoch ruhig in den Tod: „Wenn man seine Pflicht und sein Möglichstes getan hat, muss der liebe Gott schon gnädig sein ... Wie schön, dass man katholisch ist. Wie kann man doch so ruhig sterben.“

Aus Letzterem spricht sein absolut vorbehaltloses Vertrauen in die Kraft der Sakramente. Genauso überzeugt war er von der Wirkkraft des priesterlichen Segens sowie des Weihwassers, dem er fast magische Kraft zusprach: „Ich könnte Ihnen noch manches erzählen aus dieser jungen Mission, z. B. von den wunderbaren Wirkungen des heiligen Weihwassers, das hier schon Kranke geheilt und Teufel auf der Stelle ausgetrieben [hat] aus Besessenen.“ Es ist bezeichnend, dass man das – er hat es zur Veröffentlichung nach Steyl geschrieben – nicht wörtlich abdruckte. Für seine persönliche Einstellung ist wieder bezeichnend, was er in diesem Zusammenhang auch schreibt: „Nicht ist mir auffallend, dass die bösen Geister fliehen, hat ja Christus seiner Kirche Gewalt gegeben über sie. Dass aber die armen Heiden diese Zeichen sehen und sie nicht deuten können, das tut mir Leid!“ – Josef Freinademetz ist durch und durch Missionar, es geht ihm um die Menschen, um „seine“ Chinesen!

Wollte er Märtyrer werden?

1900
Mit dem
„Boxeraufstand
spitzt
sich die politische
Lage in
China zu –
auch für die
Missionare.

en lokalen chinesischen Behörden waren die christlichen Missionare mehr als ein Dorn im Auge. Sie behinderten die Mission, wo sie konnten. Geschickt nützten sie die Fremdenfeindlichkeit und stachelten die Massen gegen die Fremden auf. Das bekam auch P. Freinademetz mehrmals zu spüren. So wurde er im Mai 1889 schwer misshandelt und halbtot liegen gelassen.

Am 1. November 1897 wurden die beiden jungen Missionare Richard Henle und Franz Nies erstochen. Die Steyler Mission beklagte ihre ersten Märtyrer. P. Freinademetz stand als Oberer erschüttert vor den Särgen.

Im Jahre 1900 spitzte sich die Lage in China im so genannten Boxeraufstand zu. Die Missionare wurden an die sichere Küste beordert. Freinademetz, in diesen kritischen Monaten als Provikar in Abwesenheit des Bischofs für die ganze Mission verantwortlich, sorgte sich um seine Leute – und wollte selbst bleiben, sich in der Hauptstation Puoli um die Waisenkinder und die in die Station geflüchteten Christen kümmern. Seine Mitbrüder protestierten. Seine Antwort: „Aber weshalb soll ich mich denn nicht opfern? Ich bin doch schon halbtot und muss sowieso bald sterben. An meinem Leben ist nichts mehr gelegen, während Sie noch lange für den lieben Gott arbeiten können.“ – Es stimmt, er war körperlich schwer angeschlagen, jahrelange Entbehrungen machten sich beim Endvierziger bemerkbar. Die Nieren machten ihm zu schaffen, er hatte ein chronisches Kehlkopfleiden und spuckte seit langem Blut, die Ärzte hatten TBC diagnostiziert, ihm einen baldigen Tod prophezeit. In dieser Lage galt es, dem Evakuierungsbefehl der Behörden zu folgen. Er ließ sich überreden – kehrte aber nach zwanzig Kilometer wieder um: Er könne seinen Seelenfrieden nicht finden. Jetzt ließen ihn seine Mitbrüder ziehen. Sie waren sich sicher, ihn nicht wieder zu sehen.

DES MARTYRIUMS UNWÜRDIG?

Als sich die Lage beruhigt hatte, berichtet er, er habe die in Puoli verbliebenen Christen auf einen „blutigen Martertod“ vorbereitet: „Was da gebetet und geweint wurde, hat der liebe Gott gesehen; wer das nicht selbst mitgemacht, kann sich von den Gefühlen keinen Begriff machen.“

An einen Schulfreund schreibt er: „Wie viele Tränen und wie viel Blut ist geflossen in unserem unglücklichen China. Ich selbst, den du lange für tot gehalten, lebe noch, obwohl ich monatelang zwischen Leben und Tod geschwebt habe; menschlich gesprochen war an ein Entkommen kaum mehr zu denken und selbst meine Mitbrüder zählten mich zu den damnati ad mortem. ... Alles ist vorüber; und ich lebe noch, weil ich des Martyriums unwürdig war. Wie viele Bischöfe, Missionare und Christen haben sich die Märtyrerkrone verdient, und ich als ‚unbrauchbar‘ in die Rumpelkammer geworfen!“ – Wie er das auch meint, macht er so deutlich: „Wie es mir geht? Gut, Gott sei Dank; auch habe ich mein Blutbrechen eingestellt; ein Mitbruder schrieb mir aus Tsingtao, ich solle das Blutbrechen unbedingt sein lassen; denn wenn die Tataohui mich abschlachten sollten und dabei statt Blut nur Wasser flösse, könnte dies beim Seligsprechungsprozess (!!!) große Schwierigkeiten bereiten.“ – Die drei Rufzeichen hat er selber gemacht.

Der „ewige Zweite“

1901
Anzer und
Freinademetz,
die „Steyler der
ersten Stunde,
haben sich
auseinander gelebt.

olange Anzer lebte, war Freinademetz mit einer kurzzeitigen Ausnahme sein Vertreter, also immer der zweite Mann. Aktuell wurde das, wenn Anzer außer Landes war. So leitete Freinademetz bis zum Tod des Bischofs insgesamt an die fünf Jahre die Mission in Süd-Shantung. Dazu kam die Zeit der Sedisvakanz und noch einmal zwei Jahre, als der neue Bischof außer Landes war. War Freinademetz der geborene „zweite Mann“?

Als die beiden ersten Missionare aus Steyl verabschiedet wurden, war schon klar, dass Anzer der Obere sein würde. Als die Franziskaner Süd-Shantung an die Steyler Mission abtraten, wurde denn auch Anzer vom zuständigen Bischof zum Provikar ernannt, allerdings erst nach einigem Geplänkel. Der geborene Bayer Johann Baptist Anzer war ein etwas ungestümer Typ, das leise Auftreten nicht seine Art. Als es um die Abgrenzung des neuen Missionsgebietes ging, geriet er mit dem nach wie vor zuständigen Apostolischen Administrator in Streit. Der wollte daraufhin Freinademetz zum Provikar, d. h. zu seinem Stellvertreter ernennen. Es war klar, dass Süd-Shantung in absehbarer Zeit ein eigenes Apostolisches Vikariat und der Provikar Apostolischer Vikar, d. h. Bischof werden würde. Freinademetz erschrak, bat den Bischof buchstäblich auf den Knien, Anzer zu ernennen. – War das nur ein Akt der Demut?

Sein langjähriger Mitarbeiter und erster Biograf Augustin Henninghaus bescheinigt dem Missionar aus Südtirol ein „offenes, klares, nüchternes Urteil“, einen „gesunden Menschenverstand“, „natürliche Urteilsfähigkeit und nüchterne ruhige Auffassungsgabe“. Diese natürlichen Veranlagungen halfen ihm jetzt, sich selbst richtig einzuschätzen. Er wäre wohl nicht der richtige Mann gewesen, die Mission in Süd-Shantung als Oberer aufzubauen. Das sah auch Arnold Janssen, der Gründer von Steyl, so: „Freinademetz ist sehr fromm und freundlich, eifrig und nicht ohne Klugheit. Als Oberer aber ist er nicht so geeignet wie Anzer.“ Freinademetz war ein Mann der Pastoral, seine Stärke waren zwischenmenschliche Beziehungen, Anzer hingegen liebte die Repräsentation, war „fester, unternehmungslustiger, stärker“ (Arnold Janssen).


Bischof Henninghaus (rechts) am Tag seiner Weihe.

Janssen riet Anzer, den Südtiroler „bei besonders heiklen Sachen als Unterhändler“ einzusetzen; ein Rat, den Anzer oft befolgte.

Es gehört zur Tragik dieser beiden Pioniere der Süd-Shantung-Mission, dass sie sich menschlich nicht verstanden und immer mehr auseinander lebten; ihre Charaktere waren zu verschieden. Dazu kam, dass Anzer im Laufe der Jahre Probleme mit dem Alkohol bekam, sich von seinen Missionaren entfremdete und kurzfristige, willkürliche Entscheidungen traf. Das führte so weit, dass Freinademetz von seinen Mitbrüdern gedrängt wurde, die Absetzung des Bischofs zu fordern. Es kam zu dramatischen Szenen zwischen den beiden. Anzer beschuldigte ihn, zu weich zu sein und gegen ihn intrigiert zu haben. Der Vorwurf traf Freinademetz schwer, aber er nahm nichts zurück. Der Tod bewahrte den Bischof schließlich vor der Absetzung.

Betrachten wir das Leben als das, was es
wirklich ist: eine Aussaat für die Ewigkeit.

Der „natürliche“ Nachfolger wäre Josef Freinademetz gewesen, das sahen zumindest Ordensgründer Janssen und die Mehrheit der Missionare so. Er selbst auch? Er wusste, dass er Kandidat war, aber man darf ihm glauben, dass er es nicht werden wollte, dass ihn auch jetzt sein gesunder Menschenverstand nicht im Stich ließ. In drastischen Worten schreibt er das einem Bekannten: „Sie meinen wohl, ich würde Bischof werden; Sie sind auf dem Holzwege. Auf einen Strohkopf passt und setzt man keine Mitra. Zudem habe ich neben vielen peccata personalia auch das peccatum originale, das durch kein Taufwasser weggewaschen wird.“

Diese „Erbsünde“ ist seine österreichische Staatsangehörigkeit. Die deutschen Behörden haben dem Vatikan gegenüber deutlich gemacht, dass sie einen Reichsdeutschen als Bischof wünschen, Freinademetz lehnten sie namentlich ab. Er selbst ist empört; er will sicher nicht Bischof werden, aber für die Kirche dürfte die Staatsangehörigkeit kein entscheidender Grund sein! Die deutsche Reichsregierung hat wohl auch noch andere Gründe: Freinademetz hatte sich wiederholt über den Lebenswandel der Kolonialbehörden beschwert und darüber, wie sie die chinesische Bevölkerung behandelten. Henninghaus berichtet darüber hinaus, dass der Missionar aus Südtirol keinem Geringeren als Prinz Heinrich von Preußen, dem Bruder des Kaisers, gegenüber deutlich gemacht habe, dass die Besetzung Tsingtaos „nicht den Grundsätzen der Gerechtigkeit“ entspreche ... – Da hat wohl seine Zuneigung zu den Chinesen jegliches diplomatische Gespür vergessen lassen ...

1902
Im Park des
Zentralhauses
der Steyler
Missionare in
Taikia. – Ein
Ort der Begegnung,
Erholung und
Erneuerung.

Bischof Henninghaus und Provinzial Freinademetz
mit chinesischen Würdenträgern.

Der Provinzial

m Sommer 1900, als der Boxeraufstand niedergeschlagen war und die Missionare wieder in ihre Stationen zurückkehrten, ernannte Arnold Janssen Josef Freinademetz zum Provinzial, d. h. zum Oberen der Missionare, so weit sie Ordensangehörige waren. Bis dahin hatte Bischof Anzer auch dieses Amt in Personalunion innegehabt. Der Bischof empfand die Ernennung als persönlichen Affront und verweigerte zunächst jede Zusammenarbeit.

Freinademetz nimmt auch diese Aufgabe sehr ernst. Sie bleibt ihm bis zu seinem Tod. Er besucht seine Mitbrüder regelmäßig, unterhält eine rege Korrespondenz mit der Ordensleitung in Steyl und baut in Taikia ein großes Grundstück mit Park zur Ordenszentrale aus. Von Steyl hatte er die Vorgabe bekommen, dass die Mitglieder der Gesellschaft des Göttlichen Wortes mindestens einen Monat im Jahr in der Zentrale verbringen sollten. In seiner für heutige Verhältnisse blumigen Sprache erklärt er das seinen Mitbrüdern:

„Da es als Stellvertreter unseres hochwürdigsten P. Generalsuperiors zunächst mir als Pflicht obliegt, ins Horn zu stoßen, und da der hl. Paulus in seinem 1. Brief an die Korinther (14,8) schreibt: ‚Wenn die Trompete nur einen unklaren Schall gibt, wer wird sich dann zum Kampfe rüsten?‘, so will ich kurz und bündig bezeichnen, was meiner Ansicht nach der finis primarius, Hauptzweck unserer Hierherkunft und unseres Verweilens in Taikia sein soll. Und welcher ist es denn? ‚Ut renovetur uterque noster homo!‘ Geistliche und leibliche Erholung und Erfrischung, damit wir so schaffens- und leistungsfähig werden für das unum necessarium. Darum soll es hier erstens möglichst angenehm, zweitens möglichst nützlich sein.“

Er ist lange genug in China und kennt seine Mitbrüder zu gut, um nicht zu wissen, wie notwendig ein besserer zwischenmenschlicher Umgang, die spirituelle Auffrischung und die theologische Weiterbildung sind.

Als Provinzial nützt er die Gelegenheit, in diesen vier Wochen mit jedem Einzelnen ein ausführliches, vertrauliches Gespräch zu führen.

Gewissenhaft schreibt er jedes Jahr einen Bericht an die Generalleitung. Überwiegen im Jahr 1901 noch negative Beobachtungen, so sieht er in den folgenden Jahren schon weitaus mehr Pluspunkte. Wichtige Kriterien für die Beurteilung seiner Mitbrüder sind, wie sollte es anders sein, wie sie mit den Einheimischen umgehen und wie sie das Armutsgelübde leben. Rigoros verbietet er, ohne seine spezielle Erlaubnis teure „europäische Sachen“ zu kaufen. Es freut ihn, dass immer weniger „reiche chinesische Seidenkleider“ tragen. Ausdrücklich weist er darauf hin, dass „das Autoritätsprinzip tief erschüttert ist“. – Der Grund ist klar, auch in Steyl weiß man, dass das eine Folge der unberechenbaren Amtsführung von Bischof Anzer ist.

„MUTTER“ DER PROVINZ

Provinzial Freinademetz gibt seinen Mitbrüdern das Gefühl, dass die Steyler Ordensgemeinschaft, der sie angehören, in jeder Hinsicht um sie besorgt ist. Und die Mehrzahl seiner Leute dankt es ihm. Bei aller Sorge um das geistliche Leben seiner Mitbrüder bleibt er mit beiden Beinen auf der Erde, das zeigt die Themenliste bei seinen Vorträgen: Da ist neben der Auslegung der Ordensregel von klarer Rechnungslage und Sparsamkeit die Rede, von der Registrierung von Grundbesitz, Kontrolle der Bautätigkeit – „möglichste Anpassung an den chinesischen Stil“ – bis hin zu einem Aufforstungsprogramm von baumlosen Bergen.

Die Sorge um die Mitbrüder gibt ihm selbst auch neuen Auftrieb, es geht ihm gesundheitlich besser, er wird, 1902 als 50-Jähriger, immer mehr zum ruhigen Pol der Mission in Süd-Shantung, er wird endgültig zur „Mutter der Provinz“.

Mit der Ernennung von Augustin Henninghaus zum neuen Bischof im Jahre 1904 beginnt eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Bischof und Provinzial. So gehören die letzten vier Lebensjahre des Missionars aus Südtirol zu den ruhigsten und wohl auch schönsten seines Lebens.


Eines der letzten Bilder von Josef Freinademetz;
mit Bischof Henninghaus und Mitbrüdern.

Ein - notwendig - vielseitiger
Mensch

reinademetz war vielseitig begabt, aber kein Genie. Geht man die Daten seines Lebenslaufs durch und die Liste seiner verschiedenen Tätigkeiten und bedenkt, dass er viel zu gewissenhaft war, um etwas nur halb zu machen oder sich aufs Improvisieren zu verlassen, dann muss er ein immens fleißiger Mensch gewesen sein. Dabei kam ihm sicher zustatten, dass er mit verhältnismäßig wenig Schlaf auskam und ein an sich zäher Mensch war. Die Not der Umstände, d. h. vor allem die Not an Personal, gar nicht zu reden von ausgebildetem Personal, und nicht zuletzt sein fragloser Gehorsam gegenüber Johann Baptist Anzer zwangen ihn oft, Tätigkeiten zu übernehmen und sich mit Themen zu beschäftigen, die er sich selbst sicher nicht ausgesucht hätte.


Das Titelblatt
der Regel für
Katechisten,
die Josef
Freinademetz
verfasste.

Er selbst war am liebsten mit Katechumenen und Neuchristen zusammen, da blühte er geradezu auf. Er war mit Leib und Seele Seelsorger. Es war ihm aber kaum einmal gegönnt, länger als zwei Jahre an einem Ort bzw. in einem Gebiet zu bleiben. Immer wieder schickte ihn der Bischof auf Visitationsreisen, die mit ausführlichen Protokollen belegt werden mussten. Galt es ein neues Gebiet für die Kirche zu erschließen, schickte der Bischof mit Vorliebe ihn. Zeitweise hatte er Katechistenkurse zu leiten, ein Jahr lang auch das Priesterseminar. Die erste Diözesansynode musste vorbereitet und die entsprechenden Themen ausgearbeitet werden. Daran anschließend tagte das Provinzkapitel, wo er wieder federführend beteiligt war. Die Einschulung der Neumissionare oblag ihm ebenfalls wie die Vorbereitung der jungen Missionare auf die ewigen Gelübde. Immer wieder hielt er auch Exerzitienkurse ab. Dazwischen fand er Zeit, einen Katechismus in chinesischer Sprache herauszugeben und Regeln für Katechisten auszuarbeiten. Nicht zu vergessen sind die unzähligen Briefe an Verwandte, Freunde und Wohltäter in der Heimat sowie der rege Briefverkehr mit der Generalleitung in Steyl. Außerdem bat ihn der Bischof wegen seiner guten Chinesisch-Kenntnisse immer wieder, die Korrespondenz mit den offiziellen Stellen zu erledigen.

Enorm viel Zeit musste er für Verhandlungen mit den chinesischen Behörden aufwenden. Dazu kamen Repräsentationspflichten gegenüber chinesischen und deutschen Beamten und Diplomaten, wobei streng auf die Etikette zu achten war, was für einen wie ihn, der sich in jeder Bauernhütte wohler fühlte als in irgendeinem Salon, eine besondere Mühe gewesen sein muss.

Bei all dem ist nicht zu vergessen, dass jedes Mal große Strecken zu Pferd oder mit primitivsten Verkehrsmitteln zurückzulegen waren. Süd-Shantung war ein riesiges Gebiet, der Gelbe Fluss ein oft schwieriges Hindernis, es gab Wegstrecken von bis zu 80 Stunden – und Freinademetz hatte zeitweise mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Bei allen Gefahren bleiben wir ganz sorglos und
überlassen uns ruhig der Vorsehung des
Himmels, die Tag und Nacht über uns wacht.

Auffallend ist, dass es keine Belege dafür gibt, dass er hektisch gewesen wäre oder für irgendjemanden nicht genug Zeit gehabt hätte; ganz im Gegenteil: Wer ihm begegnete, war angetan von seiner Liebenswürdigkeit und von der Art, wie er sich seinem jeweiligen Gesprächspartner widmete. Der erste chinesische Kardinal Thomas Tien wusste das aus eigenem Erleben: „Er war immer für andere da und dann ganz nur für sie, ganz selbstlos und sich selbst vergessend.“ Wie konnte er all das schaffen?

LEBEN IM DIENST SEINER BERUFUNG

Josef Freinademetz hatte eine bodenständige, den ganzen Menschen erfassende Spiritualität. Er verstand auch Arbeiten, die ihm weniger lagen, in seinen geistlichen Horizont einzugliedern, sein ganzes Leben mit allen Facetten in den Dienst seiner Berufung zu stellen. Das wird z. B. deutlich, als er seinen Mitbrüdern den Zweck des vierwöchigen Aufenthalts in der neuen Provinzzentrale in Taikia erklärt: „Unser Leben ist zu kurz, unsere Zeit zu kostbar, als dass wir auch nur einen Tropfen davon verlottern dürften! Nein, auch dieser Monat gehört Gott, ganz Gott, und jede seiner 720 Stunden, jede seiner 43.200 Minuten, jede seiner 2,592.000 Sekunden wird Gott auf die Waage der Gerechtigkeit legen und Rechenschaft von uns verlangen.“ Mit dieser Mahnung, mit der Zeit achtsam umzugehen, meint er keineswegs nur geistige oder geistliche Arbeit: „Gleichwohl ist rechte durchgreifende körperliche Erholung und Auffrischung mit Hauptzweck unseres Aufenthaltes in Taikia. Körper und Geist sind zwei diametral verschiedene Wesen wie Feuer und Wasser. Gleichwohl ist das eine auf das andere angewiesen. Und tut der Körper nicht mehr mit, so hat auch der Geist Feierabend, und seine Tätigkeit steht stille, wie wenn dem Feuer das Brennmaterial ausgeht oder der Maschine die Elektrizität nicht mehr zuströmt.“ – Um Vergleiche war er nie verlegen...

Mit Katechisten und
einheimischen Priestern

roße Stücke hielt Freinademetz auf die Katechisten; sie waren das Rückgrat der Mission, das hatten Anzer und er schon in Hongkong gelernt: „Diese Katechisten tun sich viel leichter als wir. Sie sind Chinesen, wir dagegen heißen ‚europäische Teufel‘.“ In Süd-Shantung hatten sie eine Schrittmacher- und eine Art Statthalterfunktion zugleich: Meldeten sich aus einem Ort Interessenten für die christliche Religion, wurde zunächst ein Katechist geschickt, um die Sache zu klären, erst dann ging auch der Missionar hin. Umgekehrt war es auch wieder oft so, dass der ausländische Priester zunächst Neugierde weckte und dann der Katechist zur „Nacharbeit“ vor Ort blieb. Die meisten kleinen Gemeinden in den einzelnen Dörfern wurden von Katechisten geleitet.

MISSION DER LAIEN


In einer Katechistenklasse.

Freinademetz sah in den Katechisten mehr als nur Helfer der Missionare. Für ihn waren sie echte Glaubensboten, hatten als Gemeindeleiter Anteil am Hirtenamt. Als er 1893/94 Leiter der Ausbildungskurse für Katechisten war, verfasste er für sie ein eigenes Regelbüchlein (in Chinesisch und Latein). Darin spricht er zunächst von ihrer Berufung: „Bedenkt doch! Gott hat euch eigens aus so vielen auserwählt!“ Die notwendige Bestellung durch den Bischof ist für ihn ein Zeichen der Einheit und zugleich die Beauftragung zur Teilhabe am Hirten- und Lehramt der Kirche: „Wenn ihr nun hinausgeht, um den Glauben zu verkünden, seid ihr dann nicht in Wahrheit Christi Apostel? Wenn die Menschen irren wie Schafe ohne Hirten: ihr sollt ihnen helfen und sie weiden.“ Wenn man bedenkt, dass die meisten Katechisten selbst erst ein paar Jahre getauft waren, dann kann man ermessen, welches Maß an Vertrauen ihnen da entgegengebracht wurde. Umso größer war freilich gerade bei P. Freinademetz die Enttäuschung, wenn Katechisten ihre Pflichten vernachlässigten oder gar vom Glauben abfielen.

Er sieht ihr Amt in einem größeren Zusammenhang: „Nach der Zeit der großen Kaiser und der großen Weisen sind in China die alten Tugenden am Schwinden. Ernstmeinende schauen sehnsüchtig aus nach Menschen, die wie die Apostel Jesu predigen und den rechten Weg weisen. Ihr, liebe Katechisten, seid also mit eurer Verkündigung die Erfüllung der Hoffnung vieler Menschen.“ Der großen Bedeutung, die er ihnen zuschrieb, entsprach sein Einsatz für ihre Ausbildung: „Ich kann wohl sagen, dass ich die fünfzehn Jahre in China nie stärker mit Arbeit überladen gewesen bin“, schreibt er von der Zeit, in der er die Katechistenschule leitete.

Als Administrator nach dem Tod Bischof Anzers drängte er darauf, dass die Katechistinnen und Katechisten jedes Jahr für mehrere Wochen zur Weiterbildung und für „geistliche Übungen“ zusammenkamen.

1898
Josef Freinademetz
setzte
sich leidenschaftlich
für
die Gleichstellung
der einheimischen
Priester
(im Bild die
Neupriester von
1898) mit den
Missionaren
ein.

Ein besonderes Nahverhältnis hatte Josef Freinademetz zum schon älteren Katechisten Wang Shuo-sin, der taoistischer Mönch gewesen war. Wang war jahrelang sein Sekretär und persönlicher Berater. Besonders unentbehrlich war er für ihn bei Verhandlungen mit den Behörden, weil er sich im mündlichen und schriftlichen Verkehr mit den Beamten bestens auskannte.

Ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis wie zu den Katechisten hatte der Missionar aus Südtirol auch zu den einheimischen Priestern. In seinem Vorbereitungspapier für die Synode verlangt er deren völlige Gleichstellung: „Die chinesischen Priester sind nicht zweitrangig. Es sollte sich nur eine einzige Rangordnung für Priester durchsetzen, für europäische und chinesische ohne Unterschied, nämlich die des Alters im Dienst der Mission. Den chinesischen Priestern müssen alle kirchlichen Ämter und Würden offen stehen genauso wie den europäischen, ohne jeden Unterschied.“ 1902 bat er seinen Generalsuperior, den chinesischen Priester Hsia in die Gesellschaft aufzunehmen „und überhaupt chinesischen Aspiranten die Tür zu öffnen“. Arnold Janssen zögerte jedoch. Um einiges länger zögerte die Kirchenleitung: Bis Rom die ersten Chinesen zu Bischöfen ernennt, dauert es noch. Und erst 1946 wurde Thomas Tien, der als Seminarist Freinademetz noch gekannt hatte, von Pius XII. als erster Nicht-Weißer zum Kardinal erhoben.

Das Gebet ist unsere Stärke, unser Schwert,
unser Trost und der Schlüssel zum Paradies.

Der Beter

reinademetz war das, was man einen „großen Beter“ nennt, bzw. ein „frommer“ Mensch. Bei den Vorarbeiten für die erste Diözesansynode Süd-Shantungs kommt unter dem Thema „Der Klerus“ seine Grundeinstellung zu Tage: „Glaubst du heilig werden zu können ohne Betrachtung, was noch kein Heiliger konnte? – Die Betrachtung ein Zeitverlust? Im Gegenteil, ohne Betrachtung ist das Leben verloren. Wähle dir außerdem einen Tag im Monat, den du für Gebet und Betrachtung frei hältst. Es sind des Lebens schönste, nützlichste Tage, an denen der Hl. Geist zum Herzen zu sprechen versprochen hat.“

Ihn beten sehen, war für viele erbauend: „Er kniete meist im Chor der Kirche; und für uns war es immer ein außerordentliches Erlebnis, ihn beten zu sehen. Das Bild von diesem knienden Priester ist unauslöschlich in meiner Erinnerung haften geblieben. Man hatte den Eindruck, dass nichts ihn stören konnte. Er war ein großer Mann des Gebetes. Seine Frömmigkeit war offen und begeisternd“ (Kardinal Tien).

Henninghaus nennt als „Quellen, aus denen er lebte“, unumwunden „das Gebet“, das für ihn „Lebenselement und Lebensfreude“ gewesen sei. Auch wenn er bis tief in die Nacht zu arbeiten hatte, widmete er sich immer noch dem Gebet und der geistlichen Lesung. Den Arbeitstag begann Freinademetz, im Sommer oft schon um drei Uhr, mit Gebet und Betrachtung. Das Brevier betete er vornehmlich kniend, meistens aufrecht, ohne sich irgendwo anzulehnen. Dabei mag er sich wohl oft an seine Kindheit erinnert haben, als die ganze Familie auf den harten Bohlen der Stube kniend vor dem Hausaltar tagtäglich den Rosenkranz betete.


Das Brevier von Josef Freinademetz – sein ständiger Begleiter.

Der Messkelch des heiligen Josef Freinademetz.

Die heilige Messe zelebrierte er „würdevoll und andächtig, ohne jede Eile, aber auch, ohne durch Langsamkeit lästig zu fallen“ (Henninghaus). – Aufdringlich wollte der Mann aus Tirol offensichtlich auch in diesen Dingen nicht sein...

Der offizielle Name der Steyler Missionare, „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“, war ihm wie auf den Leib geschneidert: „Tägliche geistliche Lesung: Kein Tag vergehe, ohne dass du in der Hl. Schrift betrachtest, die das Buch des Priesters genannt wird. Wehe dir, wenn die Quelle der Andacht in dir vertrocknet ist!“, fordert er in einem Synodenpapier.

Er selbst kannte die Bibel bestens; er zitierte sie häufig, meistens auch in Latein, und vor allem fand er immer wieder passende Vergleiche für aktuelle Situationen; das heißt, er hat die Bibel wirklich verinnerlicht, sie war für ihn nicht toter Buchstabe, nicht „vertrocknet“, sondern voller Leben, eine Quelle, aus der er zu schöpfen wusste.

Mit derselben Intensität forderte er seine Mitbrüder auch auf, sich weiterzubilden: „Pflege fleißiges Studium! ‚Weil du die Wissenschaft verachtet hast, verachte ich dich‘, sagt die Hl. Schrift.“ – Auch das ein Beispiel, wie er die Bibel zu zitieren verstand.

Das Kreuz Jesu
Christi, das
eucharistische
Brot, das
Betrachten des
Wortes Gottes
sind die zentralen
Fixsterne im
Leben des Missionars
Josef
Freinademetz.
 

Das Kreuz im Leben
des Josef Freinademetz

as Kreuz und das Leiden Christi waren Bilder, die Josef Freinademetz von Kindesbeinen an begleiteten. Seine unmittelbare Heimat liegt zu Füßen des Kreuzkofels. Zum uralten Heiligtum Heiligkreuz direkt unter den steilen Wänden führen von allen Seiten Kreuzwege, die auch heute noch begangen werden. Seine Kusine Maria Algrang erinnerte sich, dass der Student und junge Priester „sehr oft“ hinaufgepilgert sei. Das Gnadenbild von Heiligkreuz, der Kreuz tragende Christus in geschnitzter Form, wird auch heute noch in feierlicher Prozession nach der Schneeschmelze hinauf und im Oktober wieder hinunter in die Pfarrkirche von Abtei getragen.

Den Katechisten, die er 1893/94 in Tsining zu unterrichten hatte, sagt Freinademetz: „Einen Weg gibt es, den alle gehen müssen, die heilig werden wollen. Ich meine die Betrachtung des bitteren Leidens unseres Herrn Jesus.“

Als er beginnt, Enttäuschungen und Misserfolge innerlich zu verarbeiten und nicht mehr frustriert dem Charakter der Chinesen zuzuschreiben, kommt er auf das Kreuz zu sprechen: „Die ganze Passion wiederholt sich im Leben und der Geschichte der Kirche ... Die Kirche muss hier eine Karwoche durchmachen, auf dem Ölberg Blut schwitzen, am Kreuze sterben, sie muss beständig ringen und kämpfen, arbeiten und leiden, dulden und bluten, das blutige und unblutige Martyrium ist ihr ständiger Charakterzug.“

Das gilt auch für ihn selbst. Er begreift persönliche Niederlagen und Demütigungen, Enttäuschungen über einen wieder abgefallenen Katechumenen usw. und Verfolgung als Anteil am Kreuzweg. Das kann nicht jedermann nachvollziehen. P. Erlemann sagt in seinem Nachruf auf Freinademetz: „Er hat in der Tat viel gearbeitet und gelitten und sich eine reiche Krone an Verdiensten erworben ... Eine große Reihe von Leiden, das will ich nicht verschweigen, lag in seinem Naturell begründet. Ein anderer hätte sich solche Leiden nicht geschaffen.“ Erlemann erklärt das damit, dass Freinademetz so oft von den Chinesen betrogen worden sei und daraus – so Erlemann – nichts gelernt habe, sondern immer neu darauf hereingefallen sei.

Vielleicht ist der Grund, dass P. Freinademetz von Jahr zu Jahr ruhiger geworden ist, geduldiger und einfühlsamer, darin zu suchen, dass er sein Leben eingebunden wusste in den Kreuzweg seines Herrn. Andererseits hat er von den Christen auch viel Gegenliebe erfahren: „Die Christen lieben ihre Missionare wie in Europa, und wohl noch mehr. Dafür nimmt man einige Kreuze gern mit in Kauf.“

Das schwerste Kreuz aber wird für ihn gewesen sein, erkennen zu müssen, dass der Großteil des chinesischen Volkes, „seiner“ Chinesen, nicht zum Glauben an das Kreuz Christi und damit, so die Theologie seiner Zeit, nicht zum Heil finden konnte. – Ob er deswegen auch bereit war, das Martyrium auf sich zu nehmen, für ihr Heil sein Leben zu opfern? – Zuzutrauen wäre es ihm gewesen, schließlich ist einer der am häufigsten kolportierten Sätze des Josef Freinademetz: „Ich möchte auch im Himmel ein Chinese sein!“ Was wohl heißen soll: Er möchte auch im Himmel möglichst viele Chinesen um sich haben!

Oies – das Ziel vieler Pilger
Die Geburtsstätte von Josef Freinademetz
heute

JOSEF FREINADEMETZ KEHRT HEIM

„Wie der Baum die Erde braucht, um Saft und Nahrung zu finden, so braucht die Seele das Gebet“, sagt Josef Freinademetz einmal. Es wird ihn freuen, dass sein Geburtshaus seit der Seligsprechung (1975) zum Ziel zahlreicher Pilger, zu einem Ort des Gebetes, der Betrachtung, der stillen Einkehr geworden ist.

Das Haus wird von einer kleinen Gemeinschaft von Steyler Missionaren geleitet. 1995 wurden ein Pilgerzentrum mit einer Kirche, die größeren Pilgergruppen Platz bietet, und Unterkunftsmöglichkeiten für kleinere Gruppen und ein Museum errichtet.

Josef Freinademetz ist weit über die Grenzen seiner Tiroler Heimat hinaus für viele Menschen zu einem ganz persönlichen und nahen Fürsprecher in den vielfältigen Dingen des Lebens geworden. Der Heilige, der als Missionar in China zum Boten der Menschenfreundlichkeit Gottes geworden ist, ist auf diese Weise wieder heimgekehrt in die Welt seiner geliebten Tiroler Berge.

Die Steyler Missionare
heute

Als Arnold Janssen Anfang 1875 dem Erzbischof von Köln, Paulus Melchers, seinen Plan vorstellte, ein Haus für auswärtige Missionen zu errichten, sagte dieser: „Wir leben in einer Zeit, wo alles wankt und unterzugehen scheint, und da kommen Sie und wollen noch etwas Neues anfangen?“ „Wir leben in einer Zeit“, antwortete Janssen, „wo vieles zugrunde geht und anderes dafür neu erstehen muss.“

Diese Einstellung des Gründers der Steyler Missionare, gewachsen und immer neu genährt aus seinem intensiven Gebetsleben und seiner unablässigen Suche nach dem Willen Gottes, ließ ihn an seiner Idee festhalten. Trotz aller Zweifel und Bedenken konnte er mit einigen Getreuen und in ärmlichen Verhältnissen am 8. September 1875 das erste Missionshaus des deutschsprachigen Europa im kleinen Dorf Steyl an der Maas in Holland eröffnen. Und entgegen der allgemeinen Erwartung wurde das Missionshaus Steyl rasch bekannt und schon zehn Jahre später zu einem Missionsorden, der bis zum Tod Arnold Janssens (1909) auf tausend Mitglieder (Priester und Brüder) angewachsen und weltweit tätig war.

IM DIENST DER WELTKIRCHE


Arnold Janssen

„Nicht ich, sondern der Herr ist es“, war die Antwort Arnold Janssens auf das Staunen über das rasche Anwachsen und die Ausbreitung „seines“ Missionswerkes, zu dem neben den Steyler Missionaren auch die Steyler Missionsschwestern (1889) und die Steyler Anbetungsschwestern (1896) gehören. Darauf hat er vertraut und daraus hat er gelebt.

Im Vertrauen darauf leben gemäß ihrem Selbstverständnis die heute 6000 Steyler in aller Welt ihre Mission besonders:

  • in der Gemeindepastoral, im Aufbau und der Betreuung
    kirchlicher Gemeinden und deren Strukturen. Sie tun das als
    Priester und Brüder, Pfarrer, Seelsorger und als Mitarbeiter in
    verschiedensten Sozialprojekten;
  • in der Verkündigung des Wortes Gottes. Als „Gesellschaft
    des Göttlichen Wortes“ sehen sich die Steyler darin
    besonders dem Bibelapostolat verpflichtet;
  • im Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung
    der Schöpfung. Der Einsatz dafür will die Arbeit in den einzelnen
    Aktionen und Projekten prägen;
  • in den Bereichen Medien und Kommunikation sowie in
    der Forschung, die dazu dienen, die Mission der Kirche nach
    dem Vorbild Jesu als respektvollen Dialog mit allen Menschen
    immer neu zu vertiefen und öffentlichkeitswirksam bekannt zu
    machen.


St. Michael in Steyl: Das Mutterhaus der Steyler Missionare.

Selbstverständnis der SVD
heute

In schöpferischer Treue zum heiligen Arnold stehen die Steyler Missionare gemäß der Ordensregel von 1983 und den Satzungen der letzten Generalkapitel für:

Unsere Berufung

Entsprechend dem Wort Jesu Christi: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21) sind wir bereit, unsere Heimat, Sprache und Kultur zu verlassen und überall dort hinzugehen, wohin die Kirche uns sendet. Diese Verfügbarkeit ist das wesentliche Kennzeichen unserer missionarischen Berufung.

Unsere Gemeinschaft

Wir sind eine katholische Ordensgemeinschaft aus Laien und Klerikern und leben in internationalen und multikulturellen Gemeinschaften. Damit geben wir Zeugnis von der weltweiten Kirche und Geschwisterlichkeit. Durch die Gelübde (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) binden wir uns an diese missionarische Gemeinschaft.

Unsere Sendung

Wir arbeiten vor allem dort, wo das Evangelium nicht oder nur ungenügend verkündet ist und wo die Ortskirche aus sich nicht lebensfähig ist. Das Beispiel Jesu bestimmt dabei die Weise, in der wir unsere Mission leben. Aufgeschlossen und voll Hochachtung für die religiösen und kulturellen Überlieferungen der Völker suchen wir das Gespräch mit allen und bringen ihnen die Frohbotschaft der Liebe Gottes. Dabei ist es unsere Aufgabe, in Dialog zu treten mit Menschen:

  • die keiner Glaubensgemeinschaft angehören und auf der Suche nach dem Glauben sind,
  • die arm, an den Rand gedrängt und unterdrückt sind,
  • die verschiedenen Kulturen und
  • nicht-christlichen Glaubenstraditionen und säkularen Ideologien angehören.

Die Steyler Ordensfamilie
heute

EUROPA AMERIKA AFRIKA Die Steyler Missionare
(SVD), die
Steyler Missionsschwestern
(SSpS)
und die Steyler
Anbetungsschwestern
(SSpSAP) sind
heute eine weltweit
tätige internationale
und multikulturelle
Ordensfamilie
mit insgesamt
etwa 10.000
Mitgliedern.
Heute stammt die
Mehrzahl ihrer
Mitglieder – wie
auch die große
Mehrheit der
Katholiken insgesamt
– aus den
(armen) Ländern
des Südens.
Belgien ■▲ Antigua ■▲ Angola
■▲● Deutschland ■▲● Argentinien Äthiopien
■▲ England ■▲ Bolivien Benin
Frankreich ■▲● Brasilien ■▲ Botswana
■▲ Irland ■▲ Chile ■▲ Ghana
■▲ Italien Ecuador Kenia
Serbien Jamaika Kongo
Kroatien Kanada Madagaskar
Moldawien Kolumbien ■▲ Mozambique
■▲● Niederlande ■▲ Kuba Republik
Südafrika
■▲ Österreich ■▲ Mexiko ■▲ Sambia
■▲● Polen Nicaragua ■▲● Togo
■▲ Portugal Panama Zimbabwe
■▲ Rumänien ■▲ Paraguay    
■▲ Russland Uruguay ASIEN
■▲ Slowakei ■▲● USA ■▲ China
■▲ Spanien West Indies ■▲● Indien
■▲ Schweiz     ■▲● Indonesien
■▲ Tschechien AUSTRALIEN
OZEANIEN
■▲ Japan
■▲ Ukraine ■▲ Australien ■▲● Philippinen
Ungarn Neuseeland ■▲ Korea  
Weißrussland ■▲ Papua
Neuguinea
■▲ Osttimor SVD
    Samoa ■▲ Taiwan SSPS
        ■▲ Vietnam SSPSAP

INFORMATION

Umfassende weiterführende Information zu den Steyler Missionaren und Schwestern im deutschsprachigen Raum, zu den einzelnen Niederlassungen etc. und zu den Heiligen

Josef Freinademetz und
Arnold Janssen

finden sich im Internet unter:

www.steyler.de (Deutschland)
www.steyler.at (Österreich)
www.steyler.ch (Schweiz)
www.steyler.nl (Steyl, Niederlande)
www.freinademetz.it

 

Impressum:

Verlag: Steyler Verlag, Postfach 2460, D-41311 Nettetal

Herausgeber: Societas Verbi Divini - Gesellschaft des Göttlichen Wortes
(Steyler Missionare), Rom

Text: P. Josef Hollweck SVD

Endredaktion: P. Stefan Üblackner SVD

Fotos: SVD

Grafik und Layout: Brigitte Rosenberg (Wien)

Druckvorbereich: WMP, A-2340 Mödling

Druck: völcker druck -- Zentrum der Medien . 47574 Goch

Das Foto auf der Umschlagrückseite zeigt einen Ausschnitt aus dem „Steyler Altar“ im Missionshaus St. Gabriel (Österreich): Arnold Janssen, Josef Freinademetz mit Maria Helena Stollenwerk und Josefa Hendrina Stenmanns, den Mitbegründerinnen der Steyler Missionsschwestern und der Steyler Anbetungsschwestern.

Das schönste Los der Welt
ist Missionar zu sein.

J. Freinademetz

ISBN 3-8050-0499-0 Steyler Verlag