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General Chapter XVIII (2018)


GC XVIII-2018

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Predigt des neu gewählten Generaloberen anlässlich seiner Wahl am 4. Juli 2018

Bevor ich Ihnen einige Gedanken mitteile, erlaubt mir bitte, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Ich verbinde mich persönlich mit Euch während der Eucharistiefeier zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria. Wir alle wissen, dass Maria, die Mutter Gottes, wie andere Mütter und Frauen auch, uns daran erinnert, dass Gefühle Teil unseres Lebens als Menschen sind. Die schwierigsten Stunden waren für mich gestern Morgen, während und nach der Strohwahl. Mir war bewusst, dass mein Name in meiner Basisgruppe erwähnt wurde, aber ich hoffte, dass ich noch in Sicherheit war, weil auch noch viele andere Namen in Erwägung gezogen wurden. Meinen Traum, den ich in den letzten drei Jahren hatte, dass ich mich nach diesen sechs Jahren in Rom als Generalrat für einen Missionseinsatz in Liberia oder bei Humaita (BRC) bewerben würde, habe ich immer beibehalten. Bei der Strohwahl am gestrigen Morgen war ich jedoch verzweifelt. Ich kenne mich selbst, meine vielen Grenzen, wenn man bedenkt, dass ich in den letzten sechs Jahren Teil eines bedeutenden Leitungsteams in unserem Orden war. Abgesehen davon: Nachfolger von P. Heinz Kulüke, P. Antonio Pernia und all den anderen Vorgesetzten seit der Zeit des heiligen Arnold zu werden, ist nicht einfach.

Während dieser beunruhigenden Momente der Unsicherheit und sogar der Angst sprach ich mit einigen Mitbrüdern, um meine Gefühle mitzuteilen und auszudrücken. Viele Mitbrüder haben mich ermutigt: Vertrauen in die Führung des Herrn, der weiß, was für die Gesellschaft das Beste ist; Vertrauen in die Mitbrüder, die in diesen Tagen von Sr. Miriam Altenhofen und P. Tim Norton unterstützt werden. Besonders hat mich das Wort “Vertrauen” beruhigt. Deshalb kann ich Euch sagen, dass ich heute Morgen mit ruhigem Herzen in den Plenarsaal zur Wahl gekommen bin und bereit war, alles zu akzeptieren, was die Kapitulare entscheiden.

Mit Blick auf Maria, die Mutter Gottes und unsere Mutter, möchte ich Eure Aufmerksamkeit auf die folgenden Punkte lenken. Der erste ist Vertrauen. Vertrauen ist das, wovon Maria lebte und wofür sie lebte. Sie lebte von dem Vertrauen, dass Gott eine gute Absicht hatte, als er sie berief, die Mutter eines Kindes zu sein, ohne einen Ehemann zu haben; sie lebte von dem Vertrauen, dass sie nicht allein ist in ihrem Leiden als Mutter Jesu und dass das Opfer, das von ihr verlangt wird, nicht umsonst ist. Dieses Vertrauen war im Leben Mariens offensichtlich, und sie war auf Vertrauen angewiesen: Sie ermutigte die Diener bei der Hochzeit in Kana, Jesus zu vertrauen und zu befolgen, was er ihnen sagte. Nach der Auferstehung betete sie zusammen mit den Aposteln und stärkte sie im Vertrauen auf das, was Jesus versprochen hatte.

Das Vertrauen auf Gott, wie P. Josef Alt, der Biograph unseres Gründers, erwähnt, ist eines der drei Hauptmerkmale unseres Gründers, des Heiligen Arnold Janssen. Vertrauen ist das erste der drei Worte, die uns Papst Franziskus während der päpstlichen Audienz für unsere geistliche Erneuerung sagte. Die spirituelle Erneuerung als Hauptanliegen unseres Kapitels bedeutet in erster Linie eine Einladung und einen Aufruf, unser Vertrauen zum Herrn zu stärken. Je mehr wir im Wort verwurzelt sind, desto mehr erkennen wir, dass unser Gott ein vertrauenswürdiger Gott ist. Dieser Gott vertraut auch uns und vertraut uns seine Frohe Botschaft des Heils an. Indem wir unser Vertrauen zum Herrn vertiefen, können wir uns gegenseitig vertrauen. Unsere geistliche Erneuerung soll uns helfen, das gebrochene Vertrauen zu heilen: das Vertrauen zwischen den Oberen und Mitbrüdern, das Vertrauen im Orden allgemein unter seinen Mitgliedern und andere ähnliche Situationen. Wir müssen das gegenseitige Vertrauen zu unseren Laienpartnern stärken. Wir müssen darauf vertrauen, dass jeder von uns einzigartige Gaben für das Reich Gottes erhalten hat. Unsere gestrige Bibellesung hat uns auch daran erinnert, warum wir Gott vertrauen können: Wirf all deine Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um dich (1 Petrus 5,7).

Der zweite Punkt, den wir in Betracht ziehen müssen, wenn wir uns auf Maria konzentrieren, ist die Rolle einer Mutter als Formator. Als Mutter hatte Maria Einfluss darauf, Jesus zu formen und ihn auf das vorzubereiten, was er in seiner Sendung werden sollte. Die Vorbereitung der Menschen und die Vorbereitung unserer jungen Mitbrüder auf die Mission ist eine wichtige Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Wie ich bereits bei meinem gestrigen Erfahrungsaustausch erwähnt habe, ist die Ausbildung für unser interkulturelles Leben und unsere Mission von zentraler Bedeutung. Dazu gehört auch die Bildung für Laien, um ihre von Gott gegebene Würde auszuleben, um beim Aufbau der Kirche mitverantwortlich zu sein.

Der dritte Punkt, der mir in den Sinn kommt, wenn ich mich weiterhin auf Maria beziehe, ist ihr Herz und ihre Sorge für die Armen. Maria hat das Herz einer Mutter, das für die Armen schlägt, das Bedürfnis der Menschen spürt und es wagt, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Wiederum können wir Marias Rolle bei der Hochzeit von Kana sehen. Im Magnificat, als Frau und werdende Mutter, erhebt sie ihre Stimme als Prophetin, und mit echter Überzeugung ruft sie aus, dass die Niedrigen und Armen zu ihrem Recht kommen werden. Hier werden wir daran erinnert, dass wir als Missionare ein Herz brauchen, das den Schmerz der Menschen fühlt, besonders der Armen und Unterdrückten, einen Geist, der nach Mitteln und Wegen sucht, um den Ausgegrenzten bei der Verteidigung ihrer Rechte zu helfen, und Hände und Füße, die mit und für die Armen arbeiten. Dies ist der Ruf Jesu, die Inspiration, die wir von unserem Gründer und der Gründergeneration erhalten, und die Verpflichtung, die wir nach diesem 18. Generalkapitel erneuern wollen. In den Armen und Ausgegrenzten sehen wir das Antlitz des Herrn, wie die erste Lesung sagt. Inter Gentes, unter den Menschen zu sein, ihre Freuden und Hoffnungen, Sorgen und Ängste des Volkes zu spüren, und die Letzten an erster Stelle zu setzen, inspiriert und leitet diese Generalverwaltung.

Der vierte Punkt ist die Rolle von Maria, der Mutter Gottes, beim Aufbau der Gemeinschaft. Maria ist die Mutter Gottes und die Mutter der Kirche, die Kirche als Gemeinschaft, als Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, von Starken und Schwachen, von Mutigen und Ängstlichen. Als Ordensleute ist unsere Stärke das Gemeinschaftsleben, und als SVD ist unsere Gemeinschaft interkulturell. Wir müssen unsere Offenheit und Bereitschaft nähren, als Brüder aus verschiedenen ethnischen und kulturellen Gruppen und Nationalitäten zu leben und zu arbeiten. In diesen Gemeinschaften lernen wir, für einander zu sorgen, besonders für diejenigen, die Schwierigkeiten haben. Unsere Erneuerung ist eine Erneuerung des Gemeinschaftslebens.

Liebe Brüder und Schwestern, heute, kurz vor der Wahl, ermutigten mich Marek Vanus, unser hervorragender Bibel-Koordinator, und José Antunes mit diesen Worten: Wenn Du gewählt wirst, vergiss bitte nicht die Bibel und die Armen. Ich denke, das fasst zusammen, was ich gerade mit Euch geteilt habe. Wir sollten das Wort Gottes und die Armen nicht vergessen und immer wieder Inspiration und Kraft im Wort Gottes in unserer Arbeit für und mit den Armen finden, indem wir im Angesicht der Armen das Gesicht des Herrn selbst sehen. Wir müssen auf das Wort Gottes im Ruf unserer Mutter Erde hören, ein Ruf, auf den wir heute antworten müssen. Möge Maria, die Mutter Gottes und unsere Mutter, unser Gründer, unser vorbildlicher Missionar Joseph Freinademetz, die seligen Maria Helena und Josepha, unsere seligen Märtyrer, für uns beten.

Abschließend möchte ich jedem von Euch für das Vertrauen danken, das Ihr mir als zwölften Generaloberen der Gesellschaft entgegengebracht habt. Wenn Ihr mir gestattet, möchte ich die gleichen Worte verwenden, die Papst Franziskus der bei seiner Wahl zum Papst auf dem Petersplatz versammelten Menge sagte: Bitte betet für mich.