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Nachfolger des Paulus, des Apostels der Völker

Messe zum Gedenken an Papst Johannes Paul II

Collegio del Verbo Divino, Rom
7. April 2005

Lesungen: Off 21:1-7 / Mt 28:1-10

n den frühen Morgenstunden dieser Woche sind einige von uns zum Besuch des Grabes gegangen. Die Wächter waren nicht wenige. Und sie zitterten nicht vor Angst, wie es im Evangelium dieser Messe steht, sondern sie waren ganz aufmerksam und hatten die Situation im Griff. Auch junge Menschen waren da. Und zwar nicht nur ein “junger Mann gekleidet in weiß” (Mk 16:5), sondern Millionen von jungen Menschen mit ihren Rucksäcken. Die Wächter brauchten uns nicht zu fragen: “Wen sucht ihr?“ Sie wussten von vornherein, dass wir gekommen waren, um Papst Johannes Paul II zu sehen. Und wir fanden ihn im Petersdom, das heißt seine sterblichen Überreste. Denn er selbst war ins Haus des Vaters heimgekehrt und hat jetzt Anteil an der Auferstehung des Herrn.

Aber wer war Johannes Paul II? In den letzten Tage ist sehr viel über ihn gesagt worden, und in den kommenden Tage wird noch mehr über ihn gesagt werden: über sein Leben, sein Pontifikat, seinen Tod. Ich weiß nicht, ob wir heute abend noch weiteres sagen und so die Wortflut noch vergrößern sollen. Vielleicht reicht am heutigen Abend eine kurze Besinnung auf diesen Papst, eine Besinnung aus unserer Sicht als Steyler Missionare (SVD). Wer war Johannes Paul II für uns Steyler? Wer war Johannes Paul II, gesehen mit “Steyler Augen“?

In diesem Zusammenhang möchte mich eines Ausdrucks bedienen, den ein Journalist in diesen Tagen gebraucht hat. Und so schlage ich vor, Johannes Paul II nicht nur als Nachfolger des Petrus, des ersten Hirten, sondern auch als Nachfolger des Paulus, des großen Missionars, zu betrachten. Also, eine kurze Besinnung auf das Engagement dieses Papstes für die Mission. Wie er selbst gleich nach seiner Wahl vor 26 Jahren sagte, war er ein Papst, der aus der Ferne kam.

Erstens: Das Engagement Johannes Paul II für die Mission in seinen Tätigkeiten und Aktionen. Da kann man sofort an seine vielen Reisen denken, die ihn in die verschiedensten Gegenden der Welt gebracht haben. Eine Quelle spricht von insgesamt 95 Reisen in ca. 130 Länder. Experten sagen, dass diese Reisen zusammengenommen 29 Reisen um die Erde entsprechen. Die Figur des Paulus und seiner vielen Missionsreisen kommt einem unmittelbar in den Sinn. Die Apostelgeschichte spricht von den Reisen des Paulus, auf denen er in den frühen Jahren des Christentums Ortskirchen geschaffen und ermutigt hat. Aber vielleicht noch wichtiger als dies ist der Dialog mit anderen Religionen und mit den anderen christlichen Kirchen, den Johannes Paul II gefördert hat. Er war der erste Papst, der eine jüdische Synagoge besucht hat, der erste Papst, der eine muslimische Moschee betreten hat, der erste Papst, der in einer protestantischen Kirche gepredigt hat. Diese Offenheit anderen Religionen gegenüber erreicht einen Höhepunkt in seiner Einladung an alle führenden Persönlichkeiten der Weltreligionen zu der Feier eines „Friedenstages“ in Assisi in den Jahren 1986 und 2002. Und genau wie Paulus sprach er auf den verschiedenen Areopagen der heutigen Welt: in den Vereinten Nationen, im Italienischen Parlament, in Auschwitz, an der Klagemauer in Jerusalem, zu der Jugend auf den verschiedenen Weltjugendtagen. Er erhob auch seine Stimme zur Verteidigung der Armen und Notleidenden in Afrika, Lateinamerika and Asien. Und von ganz direkter Bedeutung für uns Steyler, er erhob drei missionarische Heilige, die er als “drei Pioniere der Evangelisation” bezeichnete, zur Ehre der Altäre: Daniel Comboni, Arnold Janssen und Josef Freinademetz.

Zweitens: Das Engagement für die Mission von Johannes Paul II in seiner Lehre und seinen Schriften. Hier muss man ganz besonders seine Enzyklika “Redemptoris Missio” erwähnen, welche „die dauernde Gültigkeit des Missionsauftrags der Kirche“ hervorhebt. Ich weiß, dass einige Elemente dieser Enzyklika bei einigen Mitgliedern der Katholischen Kirche und unter verschiedenen Anhängern anderer Religionen und Christlicher Kirchen keine Zustimmung finden. Aber ich glaube, dass diese Enzyklika der „Mission ad gentes“ im neuen Millennium neuen Impuls gegeben hat. Auch seine anderen Schreiben weisen immer auf die Teilnahme aller an der Mission der Kirche hin: die christliche Familie, Laien, Ordensmänner und –frauen, Priester, Bischöfe, die Jugendlichen. Er spricht von einem neuen Frühling der Mission der Kirche (RM 2) und in seiner Homilie bei der Heiligsprechung der drei missionarischen Heiligen unterstrich er, „dass die Verkündigung des Evangeliums den ‚Hauptdienst darstellt, den die Kirche jedem einzelnen und der ganzen Menschheit leisten kann’ (RM 2)“.

Drittens: Das Engagement für die Mission von Johannes Paul II in seiner Vision der Kirche und der Welt. Ein wichtiger Aspekt des Engagements für die Mission von Johannes Paul II besteht darin, dass er die Kirche noch mehr der Welt geöffnet hat. Diese Offenheit der Kirche für die Welt war eine grundlegende Einsicht des II Vatikanums. Wir finden sie vor allem in dem Konzilsdokument „Gaudium et Spes“, an dessen Erarbeitung, so sagt man, Kardinal Karol Wojtyla mitgearbeitet hat. Das Pontifikat von Johannes Paul II war geleitet von dieser Intuition des Konzils. Nach seiner Sicht ist die Kirche eine Gemeinschaft, die tief/ganz engagiert ist in den Angelegenheiten der Welt, eine Kirche, die sich nie von der Welt absondert oder sich ihr gegenüber verschließt, eine Kirche, die mit anderen zusammenarbeitet zur Verteidigung der Menschenrechte und in der Schaffung einer neuen Kultur des Friedens, der Solidarität und der Gemeinsamkeit. Seine erste Enzyklika ging schon in diese Richtung. „Redemptor Hominis” stellte die menschliche Person in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und des Dienstes der Kirche. In seiner ersten Ansprache als Papst sprach er die jetzt unvergesslichen Worte: “Fürchtet euch nicht. Öffnet Christus die Türen. Ja, reißt Christus die Türen auf!” Diese Offenheit der Kirche für die Welt und die der Welt für die Kirche ist durchgehendes Thema des Pontifikats Johannes Paul II. Dies war auch das Zentrum seines Engagements für die Mission. Und mit den Worten „Duc in altum” (Fahrt hinaus aufs Meer) in seinem Apostolischen Schreiben „Novo Millennio Ineunte“ schloss er sozusagen den Kreis.

Aus dieser Perspektive schien Johannes Paul II die ganze Welt zu umfangen. So war sein Einfluss spürbar nicht nur in der Kirche sondern auch in der Welt. Es schien als hätte er eine Verantwortung auszuüben, nicht allein in der Kirche sondern auch in der Welt, d.h. in der Gesellschaft. Er wurde betrachtet nicht nur als Leitfigur der Katholischen Kirche sondern als eine führende Persönlichkeit der Welt. Und die Welt gab eine positive Antwort; sie nahm ihn an als einen Bürger der Welt und als die moralische Stimme in der Welt. Und so fühlte die ganze Welt eine gewisse Leere, als er vor sechs Tagen starb. In den Worten von Kardinal Angelo Sodano bei der Messe am Tag nach seinem Tod, “die Welt fühlt sich wie verwaist“. Und morgen wird sein Begräbnis ein Anlass für ein Treffen der ganzen Welt sein.

Diese katholische und universale Vision von Johannes Paul II findet in den Lesungen von heute ein Echo: in “dem neuen Himmel und einer neuen Erde” der ersten Lesung und in „dem ersten Tag der Woche“ der Auferstehung in der Lesung aus dem Evangelium. Wie Kardinal Camillo Ruini in der Messe, die er am Abend vor dem Tod des Papstes feierte, sagte, Johannes Paul II sieht und berührt jetzt schon diese neue Welt der Offenbarung, diesen neuen Tag der Auferstehung.

Am Ende jedoch werden wir nichts über Johannes Paul II gesagt haben, wenn wir nicht von seinem Glauben an Christus sprechen: dieser Glaube an Christus, der das Fundament für alles war, was er tat und lehrte. Es war ein Glaube – unsere lieben polnischen Mitbrüder mögen mir erlauben, es so auszudrücken – der charakteristisch Polnisch war. Das heißt: ein Glaube, der fest, kämpferisch und treu war. Wie wir wissen, wollte Johannes Paul II trotz seines Gesundheitszustandes nicht abdanken, weil „Christus nicht von seinem Kreuz herabgestiegen ist“. Also, ein Glaube bis ans letzte Ende. Eine Treue bis in den Tod.

So könnte wir sagen, dass um 21:37 Uhr, Samstag, den 2. April 2005, der Herr selbst Johannes Paul II von seinem Kreuz heruntergeführt hat. Der Herr scheint seinem treuen Knecht gesagt zu haben: „Genug, Johannes Paul II. Du hast gut gedient, Du hast genug gelitten“. Dann wurde er in die Arme Marias gelegt, der er ganz ergeben war („Totus tuus“) und in die Arme seiner Jugendlichen, die ihm die ganze Nacht hindurch auf dem Petersplatz Wache hielten. Und am nächsten Tag, dem zweiten Ostersonntag, begann er, am neuen Leben des auferstandenen Herrn teilzunehmen.

Auf Wiedersehen, Johannes Paul II. Und Dankeschön. Danke Dir, dass Du unter uns gewesen bist als der Nachfolger von Petrus und von Paulus. Danke Dir, dass unter uns gewesen bist als der Hirt der ganzen Kirche und als der Apostel aller Völker. Mögest Du die Worte des Herrn hören: „Sehr gut, tüchtiger und treuer Diener; nimm teil an der Freude deines Herrn“ (Mt 25:21).

Antonio M. Pernia, SVD
Generalsuperior