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Tsunami in South-East Asia


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Botschafter der Hoffnung

Steyler Missionare in den Krisengebieten des Tsunami

. Amatus und Herr Yofi besuchen Fatima in der Schule in Banda Aceh. Etwas schüchtern nähert sie sich den beiden Männern. Ihr Kopftuch wird noch einmal festgezogen. Sie schaut auf den Boden. „Im Augenblick lebe ich bei einem Onkel meines Großvaters,“ kommentiert die 14-Jährige. „Ich möchte aber wieder zurück in mein Dorf.“ Am Tag des Erdbebens hat Fatima alle ihre Geschwister und die Eltern verloren.

Von Fatimas Dorf „Blang Krueng“, nahe der Provinzhauptstadt Banda Aceh ist kaum etwas stehen geblieben: ein paar halb zerfallene Ruinen und eine Handvoll Kokospalmen, die ums Überleben kämpfen. Junge Männer räumen Geröll weg. Beißender Gestank von Verwesung liegt in der Luft. Nur mit Mundschutz lässt sich hier arbeiten. „Noch immer, neun Wochen nach dem Erdbeben, finden wir Tote“, kommentiert der Bürgermeister und zeigt auf einen gelben Plastiksack, der am Straßenrand liegt.

Fatima besucht zum ersten Mal nach dem Erdbeben ihr Dorf. Schmerzliche Erinnerungen steigen in ihr hoch und das Erzählen fällt ihr sichtlich schwer. „Als wir an jenem Morgen ein lautes Rauschen hörten, sind wir Kinder gleich aus dem Haus gelaufen. Ich dachte zuerst an ein Flugzeug. Eine dunkle Masse Wasser bewegte sich auf uns zu. Alle stürmten zurück ins Haus. Ich bin auf einen Baum geklettert. Die Welle hat meine ganze Familie und unser Haus einfach mitgenommen.“ Fatima bedeckt ihr Gesicht mit dem weißen Schleier. Sie wendet sich ab.

Mit ihrem Schmerz ist die Jugendliche nicht allein. In ihrer Schule haben 42 Kinder Familienangehörige verloren.

Neue Hoffnung durch VIVAT

P. Amatus Woi sagt den Schülern Hilfe zu. Der Steyler Missionar arbeitet in einem Team von insgesamt 30 Patres, Brüdern, Theologiestudenten, Schwestern und engagierten Laien. Gleich nach den Beben hat die Gruppe Erste Hilfe geleistet: Nahrungsmittel und Wasser verteilt, Medizin und Kleider besorgt. Vor der Lokalregierung treten die Missionare als Mitglieder ihrer Nichtregierungsorganisation auf. „VIVAT ist eine gemeinsame Stiftung unserer beiden Orden,“ erläutert P.Amatus. Seit dem vergangenen Jahr sind wir bei der UNO anerkannt. Das verschafft uns auch hier in der fundamentalistisch, muslimischen Provinz ACEH Respekt bei Soldaten und Politikern.“

Kirchliche Gruppen leisteten in Indonesien schnelle Hilfe und Missionare verheimlichen nicht, dass sie von der katholischen Kirche kommen. „Man respektiert uns als Partner,“ beschreibt Herr Yofi das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen. Obwohl die Zahl der Christen kaum ein Prozent der Gesamtbevölkerung der Provinz ACEH ausmacht, zeigen die solidarischen Aktivitäten die Verbundenheit mit der überwiegend muslimischen Bevölkerung. Elfi, zum Beispielt, lebt im Süden der Provinz Aceh. Sie arbeitet als Freiwillige bei VIVAT. Als ihr Pfarrer, ein Steyler, in der Jugendgruppe nach freiwilligen Helfern fragte, erklärte sie sich spontan bereit, für einen Monat bei der Verteilung der Hilfsgüter mit zu helfen.

VIVAT kümmert sich auch um die Bedürfnisse der mittellosen Bevölkerung. Auf Anfrage einer Frauengruppe kauften die Missionare 30 Nähmaschinen, um schon jetzt, während die Menschen noch in Flüchtlingslagern leben, den Familien ein Einkommen zu sichern. „Manche haben wirklich alles verloren,“ berichtet P. Amatus von einem Besuch vor Ort. „Sogar das Land einiger Fischerfamilien ist nun Teil des Meeres.“

Die Ausbildung der Jugendlichen liegt P. Amatus besonders am Herzen. Nur zu gut weiß der Missionar von einem Erdbeben, dass 1992 seine Insel Flores heimsuchte, dass in solchen Augenblicken oft die Jugendlichen nicht weiter zur Schule gehen, weil sie keine Schuluniform haben oder einfach das Geld für Bücher, Hefte oder den Bus nicht da ist. Daher werden in Banda Aceh Fatima und ihre Freundinnen für wenigstens ein Jahr von VIVAT mit dem nötigen Material versorgt, um auch weiter die Schule zu besuchen.

In Blang Krueng, Fatimas Heimat, leben die meisten Familien vom Fischfang. Um bald wieder ihre Arbeit aufnehmen zu können, müssen auch die Teiche für die Shrimps- und Fischzucht gereinigt bzw. ausgebessert werden. Andere Familien lebten vorher von der Salzgewinnung. Die Flutwelle hat auch ihre Lebensgrundlage, die flachen Teiche zum Trocknen des Salzes, zerstört. Der Bürgermeister bittet die Steyler Missionare daher um Lebensmittel. So können die Männer wieder arbeiten und gleichzeitig ihre Familien ernähren.

Doch es wird noch eine Zeit dauern, bis die ersten Fische in den Teichen heranwachsen, die Häuser in Blang Krueng wieder aufgebaut sind und die Familien zurückkehren können.

Die Fischer in Blang Krueng wollen neu anfangen und zwar bald. Die Hoffnung auf einen Neubeginn gibt sogar die Natur. Zwischen den Massen von Geröll und Schutt sucht sich das zarte Pflänzchen einer Bananenstaude ihren Weg. Die grünen Blätter inmitten der Geröllwüste ziehen auch Fatimas Aufmerksamkeit auf sich. „Die lässt sich nicht unter kriegen,“ fällt ihr spontan ein. Die Menschen in ACEH brauchen solche Zeichen, damit die Hoffnung auf einen neuen Anfang auch in ihnen weiterlebt.

Michael Heinz svd

Hintergrundinformationen

Meerbeben in Indonesien

Das meist betroffene Gebiet des Erdbebens vom 26.12.2004 in Indonesien liegt auf der Insel Sumatra und den naheliegenden Inseln Nias, Sabang und Banyuk. Die zusätzliche Flutwelle hat allein in Indonesien mehr als 100000 Todesopfer verursacht. „Die genaue Zahl der Opfer kennt nur Allah.“ So kommentiert einer der Soldaten in Banda Aceh die Tatsache, dass auch neun Wochen nach der Katastrophe immer noch Tote geborgen werden.

Wir Steyler Missionare arbeiten in den beiden Diözesen, die das betroffene Gebiet umfassen: Im Bistum Sibolga leben die Christen vor allem auf der Insel Nias. Insgesamt sind etwa 8% der Gesamtbevölkerung des Bistums Katholiken. Im Erzbistum Medan, dass ganz Nordsumatra und die Provinz ACEH umfasst, bilden die Katholiken eine verschwindende Minderheit von gerade einmal 3,4% der Gesamtbevölkerung. Steyler Missionare arbeiten in insgesamt 6 Pfarreien beider Bistümer. In Medan ist der Hauptsitz des Distriktes der SVD. Zur Zeit ist hier auch die Zentrale für die Hilfsaktionen in beiden Bistümern angesiedelt.

Die Solidarität mit den Opfern der Katastrophe hat gerade in der indonesischen Provinz ACEH ein überwiegend positives Echo erfahren. Trotz der fundamentalistisch, muslimischen Strömungen, können auch christliche Gruppen ihre Solidarität zeigen, wie es in einem Lied heißt: „Weder Hautfarbe noch Rasse oder dein Glaube sind wichtig. Nur die Liebe zum Nächsten zählt.“

P. Aurelius Page, zuständig für Kommunikation in Java, erzählt eine der positiven Reaktionen. Er erzählt: “Sie haben sicher gehört, dass es in der vergangenen Zeit auch Angriffe gegen die katholische Kirche gegeben hat. Die Flutwelle hat jedoch eine gewisse Einheit mit sich gebracht. Die ganze Nation ist vereint, im Schmerz und Solidarität. Ein muslimischer Freund, der ein Seminar leitet, hat seine Verwunderung mir gegenüber ausgedrückt, als er von unseren solidarischen Aktivitäten hörte. “Ich kann nicht glaube, sagte er, dass Ihr das alles für meine Schwestern und Brüder in der Provinz ACEH tut.”

MH

Bilder auf der SVD – Photo CD 36