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10 Impulse für den Advent

Liebe Schwestern, liebe Mitbrüder!

ine Initiative der „Maristen-Schulbrüder“ lädt jedes Jahr Laien und Ordensangehörige ein, über die Lebensweise eines bestimmten Kontinents nachzudenken. Ich möchte diese Idee aufgreifen und Sie alle einladen, im JAHR DER GNADE, in Gemeinschaft mit unseren HEILIGEN für Außenseiter und Arme unserer Gesellschaft zu beten.

Als Familie Arnold Janssens sind wir eingeladen, „über unseren eigenen Kirchturm hinaus zu schauen“. Wir wollen uns daher in dieser Adventszeit ganz besonders mit den Menschen Lateinamerikas solidarisieren. An sie denken wir und teilen ihre Hoffnungen, Probleme, Verfolgungen und Leiden. Während der Adventszeit meditieren wir das Wort Gottes, das allen neue Hoffnung gibt.

Diese Reflexionen sind in Lateinamerika entstanden; dennoch teilen sie die gemeinsamen Sorgen unserer Einen Welt.

Während wir mit Schwestern, Mitbrüdern und Freunden beten, die in 65 verschiedenen Ländern aller Kontinente leben, bitten wir den Herrn, er möge unsere Herzen für die Ungerechtigkeiten öffnen, die die Armen und Ausgeschlossenen erleiden.

Das Schema der „10 Impulse für den Advent“ ist folgendermaßen aufgebaut: Auf jedes Bibelwort folgt ein Gebet sowie ein Zitat unserer Heiligen. Die Reflexion leitet zu einem Quellentext über und schließt mit einem kurzen Adventsgebet.

Weitere Elemente wie Lieder, Impulsfragen, Symbole,…können sich anschließen. Die angegebenen Elemente sind nur Bausteine – kein fertiges Haus!

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle besonders bei den „Maristen-Schulbrüdern“, die einige Gebete und Texte zur Verfügung gestellt haben, sowie bei Antonio Fernandez, Rüdiger Brunner und Sebastian Mattappallil, die beim Übersetzen, Korrekturlesen und Layout geholfen haben.

Ich wünsche jedem von Ihnen in dieser Weihnacht die Kraft, die von Jesus in der Krippe ausgeht. Nur Er kann uns alle im gemeinsamen Kampf gegen die Macht der Dunkelheit stützen, dass das Leben der Armen zerstört. Gerade in der Adventszeit sollten wir dafür beten, dass sich unsere Horizonte weiten. Ich wünsche Ihnen, dass die Zeit des Wartens Ihre tiefsten Hoffnungen erfüllt.

Geeint in der Solidarität mit den Armen grüßt Sie
Michael Heinz, SVD

1. Dezember
“ICH MÖCHTE JEMAND SEIN IM LEBEN” Welt – Aids – Tag

WORT GOTTES

“Herr, Du bist unser Vater, wir der Lehm und Du der Töpfer: wir sind alle das Werk Deiner Hände” (Jes 64,7)

GEMEINSCHAFTSGEBET

Herr, verzeih mir,
- dass ich mich daran gewöhnt habe,
die Kinder, die 8 Jahre alt sind, als 13-Jährige anzusehen;
- dass ich mich daran gewöhnt habe zum Slum zu gehen;
ich kann wieder weggehen, sie aber nicht;
- dass ich mich an den Gestank der Abwässer gewöhnt habe,
von denen ich mich entfernen kann, sie aber nicht;
- dass ich Licht anmachen kann,
diejenigen aber vergesse, die das nicht können.
Herr, ich kann einen Hungerstreik machen, sie aber nicht.
Denn hungernd kann keinen einen Hungerstreik machen.
Herr verzeih mir, dass ich ihnen sagen muss
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“,
aber nicht alles dran setze, dass sie ihr tägliches Brot bekommen.
Herr, ich will sie lieben, aber nicht für mich. Hilf mir.
Herr ich träume davon, für sie zu sterben.
Hilf mir aber, für sie zu leben.
Herr, ich will bei ihnen sein, wenn die Stunde kommt.
Hilf mir. - Amen.
Carlos Mugica, Priester und Märtyrer in Argentinien

WORTE UNSERER HEILIGEN

„Die Sprache der Liebe ist die einzige Fremdsprache, die alle Menschen verstehen.“ Josef Freinademetz

REFLEXION

Sie war wohl nicht einmal sechzehn Jahre alt; doch sie sah viel älter aus. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem wir sie trafen: ihr Haar war durcheinander, ihre Haut von der Sonne gegerbt, ihre Füße nackt, ihre Wäsche schmutzig und auf ihrem Gesicht ließen sich Schläge ausmachen… Lorena kam zu uns heran, um uns zu sagen, sie wolle in das Rehabilitationszentrum für “Straßenmädchen” aufgenommen werden. “Ich möchte zur Schule gehen, jemand sein im Leben…”, sagte sie. Während der Busreise erzählte sie uns Teile ihrer Geschichte: wie sie ihre –zerstörte- Familie verlassen und angefangen habe, sich auf der Straße herumzutreiben; wie sie nachts Alkohol in Mengen genommen habe, beraubt und misshandelt worden sei… Und wie in ihr nach so langer Zeit der Wunsch aufgekommen sei, ihr Leben neu zu gestalten… Ich erinnere mich auch, wie sie ein kleines Kind anlächelte, das ihr gegenüber im Schoß seiner Mutter saß, ein Plätzchen aus ihrer Tasche hervorholte und es ihm gab; und wie sie zu singen begann, als wir aus dem Bus stiegen..

Die Schmerzensgeschichte von Lorena wiederholt sich in Tausenden von jungen Menschen in Lateinamerika, und ihre Rückkehr zur Hoffnung lässt sich auch multiplizieren…. “Ich möchte jemand sein im Leben”.

Wir denken an die Kinder und Jugendlichen unseres eigenen Stadtviertels, unserer Schule, unserer Gesellschaft, die nicht erfahren können, dass sie „Lehm in den Händen des Vaters“ sind. Ihre Namen lauten…

Beten wir zum Herrn, dass die beginnende Adventszeit uns zum Leben führe, uns dazu bringe, neue Schritte auf dem Wege der Gerechtigkeit gehen zugunsten des Lebens; und dass unsere Gebete und unser Handeln zu einem hoffnungsvollen Gesang werden, wie der von Lorena…

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

„HIV/AIDS ist zu einer weltweiten Tragik geworden, Generationen von Menschen und die wirtschaftliche Grundlage ganzer Länder sind gefährdet. Armut, Drogenmissbrauch, mangelnde Gesundheitsfürsorge, ganz besonders aber Unwissen und die, aus kulturellen oder religiösen Gründen bedingte Scheu, über sexuelle Belange zu sprechen, begünstigen die Ausbreitung. Die Mitbrüder dürfen vor der Schnelligkeit, mit der sich die HIV/AIDS-Krise ausweitet, nicht die Augen verschließen. Gegenmaßnahmen müssen zum frühesten Zeitpunkt ergriffen werden. Wir sollten helfen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der mit selbstverständlicher Offenheit über diese Dinge gesprochen werden kann. Damit können wir auf die Gefahr hinweisen und falsche Informationen richtig stellen. Den von dieser Seuche Betroffenen soll unsere besondere Sorge gelten. Das mit dieser Krankheit häufig verbundene Stigma wollen wir überwinden helfen.“
(Aus dem Dokument des Generalkapitels 2000, Nr.88)

ADVENTSGEBET

Herr unser Gott, gib dass wir in dieser Adventszeit
Leben dorthin bringen, wo Tod ist,
und Licht wo Dunkelheit.
Gib, dass wir unsere Beziehung zu den Menschen vertiefen,
die für Gerechtigkeit eintreten,
damit wir Liebe säen,
wo Ausschluss, Unterdrückung und Ungerechtigkeit ist.
Amen.

3. Dezember
“UNS VON DEN ARMEN BEREICHERN LASSEN”

WORT GOTTES

“Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.” (Lk 10,21)

GEMEINSCHAFTSGEBET

Herr, ich danke Dir dafür, dass Du so viele Sprachen sprichst.
Du, der überall so viele Freunde besitzt.
Dein Reich erfüllt mich mit Bewunderung.
Es ist so weit, dass Dir alle danken
und Dich kennen, jeder in seiner eigenen Sprache und auf seine Art.
Erlaube mir, an Deinem Reich teilzunehmen,
Im Namen des Heiligen Geistes und Jesu Christi.
Amen.

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„So wie die Sonnenstrahlen die Blüten und Knospen öffnen, so gelangt ein freundliches Gesicht zu den Herzen der Menschen.“ Josef Freinademetz

REFLEXION

“Ein kleines Almosen, ein kleines Almosen”… Manchmal waren es richtige Schreie, es war unmöglich, sie zu überhören. Immer trug sie schwarze Lumpen, immer war sie schmutzig, immer hatte sie ihren Gehstock dabei und Dosen in der Hand: so war Lolita. Ich kenne nicht die Einzelheiten ihres Lebens vor unserer Begegnung. Ich weiß nur, dass sie den ganzen Tag im Park des Dorfes bettelte und dann nach Hause ging, einer halb verfallenen Hütte, um auf den nächsten Tag zu warten. Wir hatten abgemacht, ihr einen Teil ihres wöchentlichen Bedarfs zu geben. Oft besuchten wir sie mit den jungen Leuten, um ihr Lebensmittel zu bringen, Brennholz zu sägen und ihre Hütte ein wenig aufzuräumen…

Oft vernahm ich, wie sie auf eine zärtliche Weise Gott anrief: “Mein Gott segne Sie auch ja nur”, “Mein Herr möge Sie auch begleiten”. (Es ist allerdings genauso wahr, dass sie alle “Teufel” anrufen konnte, wenn ihr jemand das Almosen verweigerte.) In ihrer Hütte waren nicht mehr als einige Decken, unter denen sie schlief, ein alter Tisch, ein paar Stücke Brennholz und einige alte Sachen. Ich erinnere mich, dass wir ihr einmal vorschlugen, sie kostenlos in ein Heim für alte Menschen zu bringen, doch sie wollte nicht.

Als Lolita nach einer kurzen Krankheit starb, änderte sich irgendetwas für mich: ich fühlte eine Art Leere, die ich vorher noch nie empfunden hatte… Und ich stellte fest, dass sie mich dazu gebracht hatte, an meinem Lebensstil zu zweifeln. Sie hatte mir eine neue Form beigebracht, das Leben zu betrachten, losgelöster vom Materiellen, mehr der Vorsehung vertrauend. Lolita war für mich ein Antlitz Gottes gewesen. - Die Armen sind Gottgeweihte und evangelisieren uns.

Sie können Ihr Gebet vom Leben oder der Anwesenheit der Armen ausgehen lassen, die Sie kennen oder die in Ihrer Umgebung leben; lassen Sie zu, dass ihr Leben Sie anspricht, fühlen Sie in ihnen die Anwesenheit Gottes und nehmen Sie seinen Ruf auf. Beten wir dafür, dass unsere Gemeinschaft sich immer mehr solidarisch denjenigen öffnet, die nicht einmal das Notwendigste besitzen, die niemanden haben, der sie pflegt oder liebt, und lassen Sie uns für Lolita und alle Kleinen danken, denen Gott seine Weisheit kundgetan hat.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

Ich besaß einen Malkasten,
Doch ich hatte weder die Farbe Rot
Für das Blut der Verletzten
Noch das Weiß für die Herzen
und Antlitze der Toten.
Ich hatte auch kein Gelb
Für den glühendheißen Wüstensand.
Stattdessen hatte ich Orange
für den Sonnenauf- und –Untergang,
und Blau für die neuen Himmel
und Rosa für die Träume der jungen Menschen.
Ich setzte mich hin und malte den Frieden.
(Verfasst von einem lateinamerikanischen Jungen- 10 Jahre)

ADVENTSGEBET

Herr,
Öffne in dieser Adventszeit unsere Augen,
damit wir Deine Anwesenheit
und Deinen Frieden auch an unerwarteten Orten entdecken
– selbst in einem Stall. Amen.

5. Dezember
“AUF FELSEN BAUEN”

WORT GOTTES

“Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baut” (Mt 7, 24)

GEMEINSCHAFTSGEBET - PSALM 126

Als der Herr die Gefangenen Sions zurückkehren ließ,
da waren wir alle wie Träumende.
Unser Mund war von Lachen erfüllt und unsere Zunge von Jubel.
Damals wurde unter den anderen Völkern gesagt:
“Welch großartige Sachen hat der Herr für sie getan!”
Ja, Großartiges hat der Herr für uns getan, wir waren alle fröhlich.
Lass, o Herr, unsere Gefangenen zurückkehren,
wie du kleine Bäche wieder füllst in dürren Landschaften.
Die unter Tränen säen werden mit Jubel ernten.
Die den Samen ausstreuen gehen weinend davon,
Doch sie werden singend zurückkehren und ihre Garben mitbringen.

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„Eine Gemeinschaft kann nur etwas Gutes bewirken, wenn sie mit einem guten Geist erfüllt ist.“ Arnold Janssen

REFLEXION

Wie jeden Tag brechen die “Straßenerzieher” auf, um ihren Rundgang durch die Stadt zu machen und die Jungen und Mädchen zu finden, die aus der Straße ihr Zuhause gemacht haben… In Brasilen führen José Antonio und Ruben ihre Mission unter diesen jungen Menschen in Grenzsituation durch. Jedes Treffen ist unterschiedlich, immer gibt es neue Geschichten und Probleme zu erzählen, die gelöst werden müssen: Misshandlungen von Passanten oder der Polizei, Streitereien zwischen Kameraden, Geschlechtskrankheiten, Raub… Und bei jedem Treffen gibt sich der Erzieher die Mühe, zuzuhören, Zuneigung zu verteilen, sie fühlen zu lassen, dass auch sie Personen sind und in ihnen noch Unmengen an Möglichkeiten der Selbstverwirklichung stecken, wenn sie es nur wünschen. Jeder Erzieher hat normalerweise einen Verbandskasten dabei, um den Kindern erste Hilfe zu erteilen oder kleinere Infektionen zu behandeln. Wenn sie einen von ihnen versorgen, täuschen oft andere Kinder vor, sich nicht wohl zu fühlen und wollen auch behandelt werden: ein wenig Spray gegen die Schmerzen, ein Löffelchen Hustensaft, ein bisschen Salbe… Und die Erzieher geben es mit Freude; sie wissen, dass es sich nicht um eine Krankheit handelt, sondern darum, Liebe zu geben, sie aufzunehmen…

Die wohl verstandene Solidarität beginnt bei der Hingabe unserer selbst. Die Solidarität, die von der Liebe und der großzügigen Gabe unserer selbst ausgeht, ist eine Solidarität, die einem Haus ähnlich ist, das auf einem Felsen errichtet wurde: die wirkliche Liebe sucht immer die Verwandlung der Situationen, um uns zur Lebensfülle zu bewegen… Und vielleicht ist die Solidarität, die sich auf das Geben von Sachen beschränkt, einem Haus ähnlich, das auf Sand gebaut wurde. Das Echo einer einfachen Pädagogik erinnert uns: “Um die Kinder zu erziehen, muss man sie lieben...”

Wir wollen für die Menschen beten, die in unserer Umgebung den Jugendlichen und Kindern dienen, die sich in Risikosituationen befinden oder verlassen wurden. Beten wir für uns selbst, damit unsere Mission immer mehr solidarisches Engagement fördert, das die großzügige Hingabe des eigenen Lebens beinhaltet.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

Du bist der Gott der Armen,
der menschliche und schlichte Gott,
der Gott, der auf der Straße schwitzt.
Der Gott mit dem
wetter gegerbten Gesicht.
Deshalb spreche ich zu Dir,
so wie mein Volk spricht.
Denn Du bist der Gott der Arbeiter,
Der werktätige Christus.
(Nicaraguanische Messe der Campesinos (Bauern))

ADVENTSGEBET

Geist Gottes, wir sehnen uns in dieser Adventszeit danach,
den unterbrochenen Kreis zusammenzufügen,
Die Brüche unserer Welt und unseres Inneren zu heilen.
Wir wünschen uns, gegenseitig zu lernen,
das Leben auf vollkommene Weise zu leben,
Wir möchten in uns und in der Welt etwas verändern.
Lass uns mit der Realität und mit den intimsten Dimensionen
der anderen in Kontakt treten. Amen.

8. Dezember
FEST DER UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS MARIÄ

WORT GOTTES

“Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel”. (Lk 1, 38)

GEMEINSCHAFTSGEBET – DEINEN NAMEN AUSSPRECHEN

Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt
sagen, dass Die Armut Gottes Augen kauft.
Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt
sagen, dass das Gelübde nach Muttermilch schmeckt.
Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt
sagen, dass unser Fleisch mit der Stille des Wortes bekleidet ist.
Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt
sagen, dass das Reich mit der Geschichte seinen Weg geht,
Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt,
am Kreuz und in den Flammen des Geistes zu stehen
Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt,
sagen, dass jeder Name voller Gnade sein kann.
Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt,
sagen, dass jeder Tod auch Sein Osterfest sein kann.
Deinen Namen aussprechen, Maria, heißt
dich ganz die Seine zu nennen, Grund unserer Freude.
(aus: “Diese Worte noch”, Pedro Casaldáliga)

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„Eine gute Biene weiß aus allem, wo es überhaupt möglich ist, süßen Honig zu bereiten. Der Kritiker hingegen macht selbst aus süßem Wein sauren Essig.“ Arnold Janssen

REFLEXION

Wieder werden uns die ergreifenden Worte von Maria als Vorbild für die völlige Annahme von Gottes Willen dargestellt. Er macht aus seiner einfachen Magd die Mutter desjenigen, der gleichzeitig der von den Propheten angekündigte Diener (Jes 42, 1; 50, 1; 52, 13) und Sohn (Hebr 1) sein wird. Heute freut sich die Welt am Fest ihrer Schutzpatronin Wir finden in ihr das Bildnis des neuen Lebens, das in den zahlreichen Bekundungen entsteht, die unser Charisma in den verschiedenen Kontinenten ausstrahlt, in neuen Stilen und immer neuen Erscheinungsformen. Es ist eine Freude, so viele engagierte Laiengruppen anzutreffen, die ebenfalls an der Mission Christi teilnehmen. In „La Paz“, einem Slum der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, führt eine Gruppe von etwa 10 Laien ein Sozialwerk durch, in dem sie bei verschiedenen Diensten wie Erziehung, Gesundheit, Schneiderei, Evangelisierung und Katechese, Arbeit mit Alten und Kindern, mithelfen. Das heutige Fest ist die Kundgebung eines Werks, das über die eigenen Grenzen hinausgeht und die freudenreiche Ankündigung eines JA in die Orte bringt, an denen die Verkündigung des Evangeliums immer notwendiger wird, insbesondere unter den ärmsten Kindern und Jungendlichen.

Beten wir in der Freude dieses Tages für alle uns bekannten Laiengruppen, die an unserer Seite die Mission mit uns teilen… Nennen wir sie laut… Beten wir auch für die Provinzen mit neuen Organisations- und Arbeitsstilen, wo Laien mit in die Planung und Verantwortung einbezogen werden. Lassen Sie uns Gott danken für diese neuen Zeichen des Lebens. Bitten wir Maria darum, dass sie weiterhin die Quelle der Inspiration ist, damit wir durch ihr Beispiel Zeugen SEINES Reiches werden.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

“Der Platz und die Rolle der Frauen in der Kirche wie in der Gesellschaft überhaupt, besonders dann, wenn es um ihre Beteiligung an Entscheidungen geht, ist uns ein besonderes Anliegen. Wir verpflichten uns, uns für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einzusetzen. Die Zusammenarbeit mit unseren Schwesternkongregationen, den Dienerinnen des Heiligen Geistes und den Dienerinnen des Heiligen Geistes von der Ewigen Anbetung, wollen wir verstärken. Wir sind entschlossen, die Zusammenarbeit mit Frauen (Ordensschwestern und Laien) auch über die Arnoldus-Familie hinaus auszuweiten.“ (aus dem Dokument des Generalkapitels 2000, Nr. 85)

ADVENTSGEBET

Herr,
Dein Reich komme und Dein Wille geschehe:
Wenn wir uns dazu entschließen, gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt zu kämpfen;
wenn wir antreten gegen die Habgier und den Wunsch nach Macht
die in unserem Land und in der globalen Gemeinschaft sind.
Dein Reich komme in dieser Adventszeit. Amen.

10. Dezember
“BEI DEN KLEINEN…” TAG DER MENSCHENRECHTE

WORT GOTTES

“Wenn er es findet – Amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht”. (Mt 18, 12-14)

GEMEINSCHAFTSGEBET
GEBET MIT DEN VÖLKERN AMERIKAS - Nach Psalm 51

Schaffe in mir, oh Gott, ein reines Herz,
Erneuere in mir einen beständigen Geist.
Schaffe in mir ein reines, offenes und empfängliches Herz,
Damit ich auf die vielen verschiedenen von Dir auserwählten Wege eingehe,
Durch die Du mein Leben über die Völker Amerikas aufsuchst.
Schaffe in mir ein reines Herz,
Das von der Unordnung der kulturellen Verführungen befreit ist,
Damit ich die Schönheit der einfachen Dinge im Leben genießen
Und die Gaben wertschätzen kann, die ich oft als selbstverständlich begreife.
Schaffe in mir ein reines Herz,
Gereinigt von Vorurteilen über Kultur, Nation, Stamm oder Tradition,
Das mich zu allen bringt, als Geschwister.
Schaffe in mir ein reines Herz,
Sauber von jeglicher frenetischen Beschäftigung,
Damit ich Zeit habe, mit Dir im zuhörenden Raum
der Einsamkeit und der Stille zu leben,
wie so viele Menschen in kleinen Dörfern und Bergen Amerikas.
AMEN

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„Handle nicht in der Aufregung! Vor einer Entscheidung über wichtige Dinge schlafe erst eine Nacht. Man soll weder flott darauf losreden noch flott darauf loshandeln.“ Arnold Janssen

REFLEXION

Der heutige Tag ist für die gesamte Menschheit von großer Bedeutung. Der Vergleich mit den 99 Schafen und dem, das verloren geht und vom guten Hirten gerettet wird, ist eine Aufforderung, an alle diese “Kleinen” zu denken, die wir tagtäglich auf der Straße antreffen, an unseren Arbeitsplätzen; wir sehen sie im Fernsehen, oder wir lesen von ihnen in den Zeitungen. Oft werden ihre Menschenrechte missachtet. Heute denken wir an Völker und Nationen, wo Ungerechtigkeiten die Menschen geißeln: durch Hunger, Gewalt, Folter oder Tod. Die einheimischen Völker sind im Laufe der Geschichte grob misshandelt worden: man hat sie vergessen und ihnen keine Gelegenheit gegeben, zu wachsen und ihre eigenen Werte zu entwickeln. Eines der schönsten Beispiele für den Kampf um die Menschenrechte, den Frieden und die besonderen Rechte der Ureinwohner ist das von RIGOBERTA MENCHÚ TUM. Diese guatemaltekische Anführerin erlitt als Mädchen die Strenge der Unterdrückung ihres Volkes und ihrer Familie und ist in den letzten zwanzig Jahren in verschiedenen Foren eine prophetische Stimme der Lebensbedingungen einheimischer Völker Guatemalas und Zentralamerikas. Die Trägerin des Friedensnobelpreises (1992) und des Preises “Prinz von Asturien” (1998) ist das lebendige Zeugnis eines Volkes, das auf der Suche nach der Gerechtigkeit und seiner Befreiung ist.

Heute wollen wir uns an das Leben der Schwestern und Mitbrüder erinnern, die ihre Mission als Zeugen des Evangeliums an der Seite der Urvölker Lateinamerikas ausführen, und es dem Herrn darbringen. Ihre Anwesenheit hat sich auf viele Länder ausgeweitet: Mexiko, Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Paraguay, Argentinien, Brasilien. Lassen Sie uns auch dafür beten, dass die Mission unter den Urvölkern an so vielen Orten der Welt ein Samen der Hoffnung für alle diese Kleinen des Evangeliums ist, die uns der Gute Hirte auffordert zu suchen, um an ihrer Seite eine gerechtere und menschlichere Welt zu schaffen.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

“Selbst in den schwersten Stunden, in den härtesten und komplexesten Situationen bin ich in der Lage gewesen, von einer schöneren Zukunft zu träumen.“ (Rigoberta Menchú Tum, Guatemala)

ADVENTSGEBET

Herr, gib uns heute unser tägliches Brot;
Ein Brot, das wir aufgefordert sind zu teilen,
Das Brot, das Du uns in Fülle gabst
Und das wir gerecht verteilen müssen,
Um allen Sicherheit zu geben.
Dein Reich komme in dieser Adventszeit. Amen.

12. Dezember
FEST DER MUTTERGOTTES VON GUADALUPE
SCHUTZPATRONIN LATEINAMERIKAS UND DER PHILIPPINEN.

WORT GOTTES

“Meine Seele preist die Größe des Herrn, denn er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht, er erhöht die Niedrigen und die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben”. (Lk 1, 46-56)

GEMEINSCHAFTSGEBET
GEBET AN MARIA, MUTTER DER EINEN WELT

Pilgernde Schwester der Armen Jahwes,
Prophetin der befreiten Armen, Mutter der Einen Welt,
Mutter aller Männer und Frauen dieser einzigen Welt!
Du bist die fleischgewordene Mutter Gottes.
Mit allen, die an Christus glauben,
und mit all denjenigen, die auf irgendeine Weise Sein Reich suchen,
rufen wir Dich an:
Sprich Du in unserem Namen mit Jesus Christus.
Bitte Ihn, der arm wurde,
dass seine Kirche ohne Ausreden alle überflüssigen Reichtümer aufgibt.
Bitte Ihn, der am Kreuz starb,
dass wir uns für die Befreiung unserer Geschwister einsetzen.
Bitte Ihn, dass uns der Hunger nach jener Gerechtigkeit drängt,
die wirklich erlöst.
Bitte Ihn, der die Mauer der Trennung niederriss,
dass wir, über alles Teilende hinweg, wirklich die Einheit suchen,
die Er selbst im Testament einfordert
und die uns nur als Söhne und Töchter Gottes gelingen kann.
Bitte Ihn, der auferstanden an der Seite des Vaters lebt,
dass er uns an der Kraft seines Geistes teilhaben lässt,
damit wir den Egoismus, die Routine und die Angst überwinden lernen.
Bäuerin und Arbeiterin, in einem kleinen Dorf geboren:
Lehre uns, aufrichtig Jesu Evangelium zu lesen
und es im Leben mit allen revolutionären Konsequenzen zu übersetzen,
mit dem radikalen Geist der Bergpredigt.
Durch Jesus Christus, Deinen Sohn, den Sohn Gottes, unseren Bruder. AMEN
(Pedro Casaldáliga)

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„Nicht lange Gebete, sondern großmütige Handlungen rühren das Herz Gottes.“ Arnold Janssen

REFLEXION

In der Tradition der lateinamerikanischen Kirche erinnert das heutige Fest zweifelsohne an eine der schönsten und bewegendsten Kundgebungen Marias gegenüber ihren kleinen Kindern. Ihre Erscheinung auf dem Berg Tepeyac, am Anfang der Eroberung Mexikos durch die Spanier, stellt einen wichtigen Beitrag Marias bei der Evangelisierung des Kontinents dar.

Maria ist die Mestizin, die auf das Volk der Ureinwohner zuging. Sie ist seine zärtliche und solidarische Mutter inmitten des Leidens und der Sklaverei.

Geleitet von der Gottesmutter von Guadalupe können wir heute an alle Frauen auf dem gesamten lateinamerikanischen Kontinent denken, die das Verschwinden und den Tod ihrer Kinder und Angehörigen haben erleiden müssen. Beten wir für die Mütter des Plaza de Mayo in Argentinien; für die Mütter der Verschwundenen in Chile; für die Mütter der Getöteten und Entführten in Kolumbien; für die Mütter der Verschwundenen in Nicaragua, El Salvador und Guatemala; für die Frauen, die verfolgt, gefoltert und vertrieben werden, weil sie die Verbrechen gegen die Menschenrechte angezeigt haben; für die Frauen, die von ihrem Ackerland in Brasilien vertrieben wurden; für die Frauen, die keinen anderen Ausweg finden, um ihre Kinder zu ernähren, als Prostitution oder Kriminalität.

Das Gedächtnis an Guadalupe ist eine Aufforderung dazu, den Respekt vor der Menschenwürde der Frauen voran zu treiben. Erinnern wir uns auch an alle arbeitenden Frauen. Danken wir Gott für sie und für das Zeugnis von so vielen Frauen, die –von der Gottesmutter von Guadalupe geleitet- ihre Herzen öffnen, um das Schreien und Klagen ihrer Kinder zu vernehmen.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

„In bevorzugter Weise verehren wir Maria, Jungfrau und Mutter. Erfüllt vom Heiligen Geist, wurde sie berufen, den Menschen das Göttliche Wort zu bringen und an seinem Heilswerk teilzunehmen. Sie ist uns Vorbild treuen Hinhorchens und bereiten Antwortens auf Gottes Wort und wird uns helfen, den Menschen das Göttliche Wort zu bringen.“ (Konstitution 406)

ADVENTSGEBET

Herr, lass uns nicht in Versuchung fallen;
in die Versuchung, unseren Verstand, unsere Ohren und Augen
vor den ungerechten globalen Systemen zu verschließen,
die den Abgrund zwischen Reichen und Armen immer größer werden lassen;
Lass uns nicht der Versuchung erlegen,
es sei zu schwer, gerechtere Alternativen zu schaffen.
Dein Reich komme in dieser Adventszeit. Amen.

15. Dezember
“WIR SIND WEITER UNTERWEGS”

WORT GOTTES

“Ich bin dein Gott und ich zeige dir, was nützlich ist und welchen Weg du gehen sollst”. (Jes 48, 17)

GEMEINSCHAFTSGEBET

Wir erscheinen vor Dir, Herr;
wir erfüllen die uns anvertraute Mission.
Wir wissen, was wir zu tun haben:
Samen pflanzen, die eines Tages wachsen werden.
Wir gießen die Samen,
die bereits in den Herzen der Menschen gepflanzt sind.
Wir wissen, dass wir nicht alles tun können.
Indem wir dies akzeptieren, fühlen wir uns frei.
Wir vernehmen Deinen Ruf, Herr,
etwas zu tun, und zwar so gut wie wir können.
Wir sind Arbeiter, keine Bauleiter,
Diener und keine Messias.
Wir sind Profeten einer Zukunft, die nicht die Unsere ist.
Wir werden die Endergebnisse nicht sehen.
Wir bitten Dich, dass auch wir Herzen ohne Grenzen haben.
Wir erheben unser Herz zu Dir, zusammen mit Jesus und mit
Unserer Guten Mutter, Maria,
in Solidarität mit allen Bedürftigen dieser Zeit. Amen.
(nach Worten des Erzbischofs Oscar Romero verfasst)

WORTE UNSERER HEILIGEN:

“Wenn dir Fehler in einer Gemeinschaft auffallen, sieh auch das Gute, das dort geschieht und vertraue.“ Arnold Janssen

REFLEXION

Sein Enthusiasmus und seine Energie beeindruckten vom ersten Augenblick an alle die ihn kannten. Er besuchte Schulklassen und erzählte mit derselben Sanftheit sowohl zärtliche Geschichten für die Kleinsten als auch Geschichten von seinen Reisen für die Schüler, die bald aus der Schule entlassen würden. Immer fiel ihm ein Wort der Aufmunterung und des Trostes für die Kinder ein und von seinen Lippen war seine Verehrung für Maria abzulesen. In den letzten Jahren seines Lebens tat sich seine Hingabe für die jüngsten Mitbrüder in seiner freundlichen Aufnahme kund, durch ein Lächeln, ein Schulter klopfen oder ein Grußwort: “Mein junger Bruder, freuen Sie sich, ein Kind Gottes zu sein.“ Es wird erzählt, dass an seinem Begräbnis viele teilnahmen, dessen Leben positiv durch seine Anwesenheit gekennzeichnet worden war und die eine frische und nahe Erinnerung an ihn behalten.

Wie ihn gibt es unzählige Beispiele unter unseren lieben, älteren Mitbrüdern, die im Laufe ihres Lebens dem Weg treu geblieben sind, den sie vor langer Zeit –schon als junge Menschen- eingeschlagen haben. Sie sind ein wunderbares Beispiel für die Ausdauer inmitten der Schwierigkeiten, für eine großzügige Hingabe angesichts verschiedener Herausforderungen und für eine stetige Anpassung an die Zeichen der Zeit.

Diese Adventszeit ist eine Gelegenheit, für unsere älteren Schwestern und Mitbrüder zu danken; für ihr Leben und Zeugnis… Denken wir auch an die älteren Mitbrüder unserer Gemeinschaft, an die, die sich im Ruhestand befinden, oder an die, die vor kurzem ihr Leben dem Vater gegeben haben. Preisen wir Gott für die Gabe ihres Lebens und bitten wir dafür, dass ihr Beispiel zu einem Anreiz für unsere Ausdauer und Treue gegenüber unserer eigenen Berufung wird.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

„Christus verkündet uns Gott als einen Gott des Lebens und der Zukunft. Er selbst ist die Auferstehung und das Leben (vgl. Joh 11,25). Die Gebrechen der Krankheit und des Alters lassen uns das Geheimnis seines Leidens und Todes tiefer erfahren. In der opferbereiten Annahme unserer Gebrechen vollendet sich unsere Umgestaltung in Christus und wächst unsere Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ (Konstitution 413)

ADVENTSGEBET

Herr, befreie uns vom Bösen:
Vom Bösen einer Welt, auf der die Gewalt in Deinem Namen geschieht,
auf der der Reichtum von wenigen wichtiger ist als die wirtschaftlichen Rechte aller,
auf der die Türen und Schranken zwischen den Völkern sehr schwer niederzureißen sind.
Dein Reich komme in dieser Adventszeit. Amen.

17. Dezember
‘GLAUBE, DER ZU SOLIDARITÄT ANREGT’

WORT GOTTES

“Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden”
(Mt 8,10)

GEMEINSCHAFTSGEBET

Gott, stoße uns an und lass uns
Aufbrechen, obwohl es Grenzen gibt,
Aufbrechen und Neuland entdecken.
Aufbrechen, obwohl die Wege noch unklar sind,
aufbrechen und Möglichkeiten suchen.
Aufbrechen, obwohl das Ziel noch in der Ferne liegt,
aufbrechen und das Ziel im Auge behalten.
Aufbrechen, obwohl nicht alle mitkommen,
aufbrechen, auch wenn kaum Kraft dafür ist,
Aufbrechen und vertrauen auf die neuen Perspektiven, die sich bieten werden.
Gott, lass uns aufbrechen
und vertrautes Terrain hinter uns lassen,
Lass uns aufbrechen in eine neue Zukunft. AMEN

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„Liebe allein kann das menschliche Herz größer machen.“ Arnold Janssen

REFLEXION

Martin und seine Freunde schwitzten reichlich, und es konnte auch gar nicht anders sein. Sie hatten diesen Transformator etwa zwei Stunden lang auf ihren Schultern getragen, bergauf, bis nach Hause. Martin hatte mir einige Abende zuvor bei sich zu Hause, bei Kerzenschein auf dem Boden sitzend, erzählt: “So Gott will werden wir zu Weihnachten elektrisches Licht haben”. Martin und seine Freunde sind Ureinwohner des Volkes der Maya-Quiche und seine Gemeinschaft lebt auf einer Berghöhe, wo es kaum fließend Wasser gibt und wo Anfang des dritten Jahrtausends, des Jahrhunderts der High Tech und der globalen Märkte, die Einwohner keinen Zugang zu elektrischer Energie haben. Das Engagement Martins für sein Dorf brachte ihn dazu, Leute aufzusuchen und Anträge zu stellen und seine Gemeinschaft dazu zu bringen, sich zu organisieren. Er ist Katechet und findet in seinem Glauben die Kraft, sich für die Seinen einzusetzen. Weder die sechs Stunden Fußmarsch, die er manchmal täglich machte, um den Papierkram zu erledigen, noch die häufigen Absagen, die er bekam, ließen ihn aufgeben… Si Dios quiere,….“So Gott will”…

Viele geben angesichts der Schwierigkeiten sofort auf… Lassen es zu, dass die Angst sie lähmt… Vielleicht haben wir selbst diese Erfahrung durchgemacht. Christus fordert uns auf, aus dem Glauben heraus zu leben, dem wahren Glauben, der zur Solidarität und zum Engagement mit denen bewegt, die um mich herum sind, dem Glauben, der unsere Lähmungen heilt…

Nennen wir dem Herrn konkrete Personen oder Gruppen, die wir kennen, die sich in der Umwandlung unserer Gesellschaft engagieren und dies durch ihren Glauben an Jesus tun. Es kann sein, dass sie es im Stillen machen, wie Martin, weit weg von den Schlagzeilen; vielleicht aber sind sie sehr bekannt. Denken wir an regierungsunabhängige Organisationen wie VIVAT, die überall auf der Welt entstehen und die ein neuer Beitrag zu dieser Umwandlung sein wollen.

Danken wir dem Herrn für diese Menschen. Danken wir auch für die Art und Weise, in der sich unsere eigene Gemeinschaft für die Armen und Bedürftigen engagiert, die in unserer Nähe leben. Bitten wir um Glauben und Mut, um weiter neue Schritte in unserem alltäglichen solidarischen Engagement zurückzulegen, mit dem wir aus dem Kleinen heraus eine gerechtere und menschlichere Welt schaffen möchten.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

“Und wie sollen wir uns nicht auf Lateinamerika beziehen, dem wir uns immer so nahe fühlen? In einigen Ländern dieses großen Kontinents können die nachhaltigen sozialen Ungerechtigkeiten, der Drogenhandel, Fälle von Korruption und bewaffneter Gewalt die Grundlagen der Demokratie in Gefahr und die politische Klasse in Verruf bringen. …Ich möchte eindringlich die Einwohner Lateinamerikas dazu auffordern, die Hoffnung weiterhin am Leben zu erhalten inmitten der gegenwärtigen Schwierigkeiten; sie müssen sich bewusst sein, dass angesichts der so zahlreichen menschlichen und natürlichen Ressourcen die gegenwärtige Situation umkehr- und veränderbar ist durch die Zusammenarbeit aller. Deshalb ist es notwendig, die privaten oder parteilichen Interessen beiseite zu lassen und mit allen legitimen Mitteln die Interessen der Nation zu fördern und dabei die moralischen Werte, den aufrichtigen und offenen Dialog, den Verzicht auf Unwichtiges zugunsten derjenigen wieder zu erlangen, die unter jeglicher Art von Mängeln und Bedürfnissen leiden. Mit diesem Geiste handelnd ist zu berücksichtigen, dass die politische Aktion in erster Linie ein edler, harter und großzügiger Dienst an die Gemeinschaft ist”.
Johannes Paul II Rede vor den Mitgliedern des diplomatischen Korps,
10. Januar 2002

ADVENTSGEBET

Herr Jesus,
während wir uns auf die Weihnacht vorbereiten,
lass in uns die Schlichtheit und die Stille der Krippe entstehen.
Amen.

19. Dezember
“AUGEN ÖFFNEN”

WORT GOTTES

Nachdem Jesus ins Haus gegangen war, kamen die Blinden zu ihm. Er sagte zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann? Sie antworteten: Ja, Herr. Darauf berührte er ihre Augen und sagte: Wie ihr geglaubt habt, so soll es geschehen. Da wurden ihre Augen geöffnet. (Mt 9, 28-29)

GEMEINSCHAFTSGEBET

Im einem der Eucharistiegebete sprechen wir:
“Öffne unsere Augen, damit wir alle diejenigen sehen, die in Angst und Beklemmung leben.
Gib uns Worte der Wahrheit ein, wenn wir uns unter Geschwistern befinden,
die alleine und verlassen sind.
Flöße uns Atem ein, damit wir
in Geschwisterlichkeit die betreuen,
die in Armut und Unterdrückung leben.
Mach aus Deiner Kirche einen Ort
der Wahrheit und Freiheit,
der Gerechtigkeit und des Friedens,
damit alle Menschen in ihr einen Grund zur Hoffnung finden”.

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„Unter allen Plätzen der Welt ist jener, an welchem Gott mich haben will, der allerbeste.“ Josef Freinademetz

REFLEXION

Gregoria ist eine etwa 40 Jahre alte Eingeborene, die weder lesen noch schreiben kann, da sie nie die Gelegenheit hatte, zur Schule zu gehen. Letztes Jahr regte der Erziehungsausschuss ihrer Diözese ein zweisprachiges Alphabetisierungsprogramm für Erwachsene an. Gregoria meldete sich an. Diejenigen, die in Lateinamerika in Programmen zur Alphabetisierung mitgearbeitet haben, wissen, dass die Anmeldung zu den Kursen zwar ein großer Schritt ist, doch noch viel wichtiger ist es, weiter an den Kursen teilzunehmen. Gregoria hatte mindestens eine Stunde barfuss durch die Berge zu laufen, um zum Haus zu gelangen, in dem sich die Gruppe traf, und zwar zweimal wöchentlich. Sie gab nicht auf. Ich erinnere mich an ihre zutiefst konzentrierten Augen, wenn sie versuchte, die auf der Tafel stehenden Wörter zu entziffern: “M…a…m…á…”, und an ihr Lächeln, nachdem sie jedes Wort gelesen hatte. Und ich denke an diese Gruppe von über vierzig Männern und Frauen, die das Programm durchhielten und sich trafen, um es mit verschiedenen Aktivitäten abzuschließen, in denen sie ihre neuen Fähigkeiten miteinander teilen konnten. Diese Männer und Frauen hatten beschlossen, die Augen zu öffnen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, ihre Unabhängigkeit zu erweitern, um ihr eigenes Wort auszusprechen…

Sehr viele Menschen in Lateinamerika, ja auf der ganzen Welt wünschen sich inbrünstig, die Augen zu öffnen, ihr Wort auszusprechen, ihre Würde als Söhne und Töchter des Vaters zu verkünden. Wir sind dazu aufgerufen, Situationen zu fördern, in denen das möglich ist. Unsere erzieherische Tradition, unsere Ressourcen, unser eigenes Leben können dazu dienen, uns für diese Brüder und Schwestern zu engagieren, die sehen möchten.

Wir wollen danken für die Art und Weise, in der unsere Gemeinschaften in der Lage sind, die Augen derer zu öffnen, die sehen möchten, besonders der bedürftigsten Menschen. Lassen Sie uns dafür beten, dass unsere Augen sich niemals vor den Bedürfnissen derjenigen verschließen, die an unserer Seite Not und Hunger leiden. Wir wollen unseren Wunsch nach Engagement in die Hände des Herrn legen und ihn um die dafür notwendige Kraft bitten.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

Wenn ich könnte gäbe ich jedem Kind
eine Weltkarte.
Und wenn möglich, einen Leuchtglobus
in der Hoffnung, den Blick des Kindes
aufs Äußerste zu weiten
und in ihm Interesse und Zuneigung
zu wecken
für alle Völker,
alle Rassen,
alle Sprachen,
alle Religionen!
(Dom Helder Cámara)

ADVENTSGEBET

Herr, in dieser Adventszeit wollen wir uns
mit denen solidarisieren, die um uns leben,
mit denen, deren Leben inmitten von Schmerzen steckt,
und mit Dir, dem Kind, das auf seine Geburt in einer Krippe wartet. Amen.

22. Dezember
“Todestag von Chico Mendes” “FÜRCHTET EUCH NICHT!”

WORT GOTTES

“Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei
Gott Gnade gefunden! (Lk 1, 30)

GEMEINSCHAFTSGEBET

Da sagte Maria:
Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott,
meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd
hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig
alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen.

WORTE UNSERER HEILIGEN:

„Welch ein großes Gut ist der Friede!
Wo Unfriede ist, herrscht der Teufel, wo Friede ist, wohnen die Heiligen Engel. Darum tu jeder das Seine, damit dieser gottgewollte Friede bei ihnen herrscht.“ Arnold Janssen

REFLEXION

Oft ist die Angst unsere erste Reaktion, wenn wir zu etwas aufgerufen werden, was über unsere gewöhnlichen Aktivitäten hinausgeht. Es ist ein Trost zu wissen, dass Maria darin keine Ausnahme war. Viele Männer und Frauen in Lateinamerika haben den Aufruf vernommen, neue Wege der Gerechtigkeit zu gehen und haben ihre natürlichen Ängste überwinden müssen.

1988 z.b. wurde in der brasilianischen Stadt Xapuri (Bundesstaat Acre) der Führer der Umweltschutzbewegung, Chico Mendes ermordet. Er war kein reicher Mann, denn er hatte keine Besitztümer, aber er hatte viele Ideale. Er hatte sich auch nicht mit den Mächtigen oder Reichen verbündet, sondern engagierte sich für die Seinen und für die Erde. Er hatte Ehefrau, Kinder sowie ein Stückchen Ackerland. Da er es schaffte, seine Ängste zu überwinden, konnte er sich für den Schutz des Lebens, den Schutz der Umwelt engagieren. Dafür wurde er von einigen Großgrundbesitzern brutal ermordet. Der Kampf, den Chico gegen die Zwangsenteignung des Ackerlandes der Kleinbauern führte, stellte eine Bedrohung für die wirtschaftlichen Interessen der Großgrundbesitzer dar.

Zweifelsohne sind auch wir an vielen Orten der Welt Zeugen von ähnlichen Situationen gewesen, in denen das Leben von gerechten Menschen im Namen eines falschen Gottes geopfert wurde. Diese Menschen wurden zwar zum Schweigen gebracht, doch bleibt uns der Same der Hoffnung.

Danken wir für die Zeichen der Hoffnung, die es unter uns gibt. Erinnern wir uns im Gebet an die Mitglieder der Organisationen, die sich für den Umweltschutz einsetzen… Wenden wir uns an Maria, und geben wir unsere Ängste in ihre Hände, wenn wir zu gerechten Aktionen aufgerufen sind, um das Leben der Menschen zu verteidigen.

WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT

“Der Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung ist für uns einer der neuesten missionarischen Bereiche. Angesichts der ökologischen Krise unserer Zeit machen wir uns Sorgen um das Wohl und Wehe der nachfolgenden Generationen. Wir verpflichten uns deshalb, für die Erhaltung der Umwelt zu arbeiten und einen Lebensstil zu pflegen, der die Bedeutung, die wir der Sorge um die Schöpfung beimessen, augenscheinlich macht.”
Botschaft des 15. Generalkapitels 2000, Nr. 82

ADVENTSGEBET

Gott, der Du alles erneuerst,
Wir beten in dieser Adventszeit dafür,
dass sich ein neues Interesse für den Nächsten
auf der ganzen Erde verbreite;
dass alle Völker Deine Schöpfung schützen;
dass der Lärm der rücksichtslosen Motorsägen aufhört;
die Waldbrände erlöschen,
die Verschmutzung der Luft bereinigt wird,
die alternativen, umweltfreundlichen Energien erhalten bleiben,
die Flut der Umweltverschmutzung aufgehalten werde.
Hilf, dass sich unsere zerstörerischen Gewohnheiten
in Quellen neuen Lebens verwandeln.
Amen.