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Peace
&
Justice


Inhalt

Einleitung

Eine Spiritualität der Versöhnung

Ökumenisches Friedensgebet


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Peace & Justice

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Es reicht nicht,
vom Frieden zu reden.
Man muss an ihn glauben.
Es reicht aber nicht, an ihn zu glauben.
Man muss auch für den Frieden arbeiten.“

(Eleanor Roosevelt)

Michael Heinz svd
Via dei Verbiti 1
Cas. post. 5080
00154 Roma-Italia

Phone: 0039-0657115459
E-mail: svd.jpic@verbodivino.it

ährlich am 21.September laden die Vereinten Nationen zu einer Internationalen Vigilfeier für den Frieden ein. Der Papst bittet in seiner Botschaft am 1.Januar jeden Jahres für den Frieden und motiviert alle, sich für den Frieden einzusetzen. Der ökumenische Rat der Kirchen (WCC) hat die Jahre 2001 bis 2010 als „Dekade zur Überwindung der Gewalt“ erklärt.

Bischöfin Margot Käßmann schreibt…. für die Kirchen müsse neben aller Bildungsarbeit und inhaltlicher Arbeit im Hinblick auf den Frieden letztlich

„...Gottesdienste gefeiert werden, in denen Gemeinschaft erlebbar ist im gemeinsamen Abendmahl. Es wird wichtig sein, Liturgien zu entwerfen, die Raum schaffen für Klage mit Blick auf die Gewalt, die den Opfern eine Stimme geben und die doch in Hoffnung Gottes Zukunft feiern und den roten Faden der Realität der Gewaltfreiheit in Bibel und Geschichte aufzeigen.“

In diesem Jahr soll unser zentrales Thema der FRIEDE sein.

Friede – Schalom, meint nicht nur die Abwesenheit von Gewalt, was in einer Welt mit zur Zeit 30 bewaffneten Konflikten schon ein Erfolg wäre. Schalom ist das Wohlergehen der ganzen Person; auch die Art, miteinander umzugehen: Leben haben, und es in Fülle haben, wie Johannes es in seinem Evangelium ausdrückt.

Die beiliegende Broschüre spricht daher in besonderer Weise das Thema Gewalt und Toleranz an. In Verbindung mit Bibeltexten, Fragen und kurzen Beispielen, motiviert die Broschüre, Gruppen oder Einzelne, die Überwindung von Gewalt im Alltag anzugehen. Schulklassen, Gebetskreise, Gemeinschaften oder Nachbarschaftsgruppen – alle können die 5 Themen in einer „Woche für den Frieden und Versöhnung“ reflektieren.

Frieden ist außerdem ein ideales Thema, um ökumenischen oder interreligiösen Dialog zu pflegen. Denn der Friede ist ein Anliegen aller Kirchen und Religionen.

Vielleicht ergeben sich so, ganz konkrete Schritte, einmal mit unseren muslimischen oder evangelischen Nachbarn ins Gespräch zu kommen; oder sogar eine gemeinsame Aktion für den Frieden durchzuführen,…

Viel Geduld, Fantasie und Erfolg wünscht

Michael Heinz svd

Bitte wirf auch einen Blick auf unsere Homepage
http://www.svdcuria.org/public/jpic/index.htm


EINE SPIRITUALITÄT DER
VERSÖHNUNG

Die biblische Grundlage einer Spiritualität der Versöhnung

ie biblische Grundlage zum Verständnis von Versöhnung kann vor allem in Geschichten gefunden werden, wie jener von Esau und Jakob, Josef und seinen Brüdern im Buch Genesis, oder jener vom Verlorenen Sohn im Lukasevangelium. Der heilige Paulus ist die Person, die am deutlichsten von Versöhnung spricht. Ich möchte beginnen, indem ich Ihnen fünf Grundsätze vorlege, die von seinen Überlegungen abgeleitet sind, vor allem auch aufgrund von 2 Kor 5,17-20.

Versöhnung ist vor allem das Werk Gottes

Wir glauben, dass Erlösung von Gott, und nicht von unsern eigenen Anstrengungen, stammt. Was im Werk der Versöhnung, besonders im Fall von sozialer Versöhnung, offensichtlich wird, ist die Tatsache, dass der angerichtete Schaden so groß ist, dass seine Gutmachung jede menschliche Anstrengung übersteigt. Gott allein hat die Perspektive, die alles wieder ins Lot bringen kann. Wir sind nur Ausführende der Tat Gottes—“Gesandte um Christi willen.“ Nur wenn wir in Gemeinschaft mit Gott leben, können wir erkennen, wie Gott die Welt heilt. Aus diesem Grund ist Versöhnung viel eher eine Spiritualität als eine Strategie. Anders zu denken würde zum physischen und psychologischen Burnout führen in Fällen (die oft geschehen) wo Bemühungen um Versöhnung fehlschlagen.

Gottes Versöhnungstat beginnt beim Opfer (dem Geschädigten)

Gewöhnlich denken wir so von Versöhnung: Der Täter bereut und bittet das Opfer um Vergebung. Das Opfer vergibt dem Täter und dann geschieht Versöhnung. Das ist eine wunderbare Idee, aber in Wirklichkeit bereut der Täter oft überhaupt nicht. Manchmal glauben die Täter, sie hätten überhaupt nichts Falsches getan (Personen in Leitungsfunktionen bestätigen dies oft). Und manchmal ist der Täter gar nicht da oder kann nicht ausgemacht werden (der Täter könnte bereits tot oder nicht bekannt sein). Wie ist in diesem Fall die Situation des Opfers? Ist Heilung für den Geschädigten abhängig von der Fähigkeit des Täters, zur Reue zu gelangen? Ist das Opfer sozusagen in Geiselhaft bis zu einem Moment, der vielleicht nie kommen könnte? Deshalb glauben wir nach diesem Verständnis von Versöhnung, dass Gott beim Opfer beginnt. Gott heiIt das Opfer, indem er seine menschliche Würde wiederherstellt, die ihm der Täter entrissen hat dadurch, dass er es durch Vergewaltigung oder Menschenhandel oder auch durch Entführung und Heimatvertreibung zu einer bloßen Sache erniedrigt hat. Dass Gott beim Opfer beginnt stimmt überein mit unserm Verständnis von einem Gott, der für Witwen und Waisen, Fremde und Gefangene sorgt. Nicht jedes Opfer ist fähig, dieses Angebot der Heilung anzunehmen, aber die Tatsache, dass ein solches Angebot der Heilung existiert, offenbart das Herz des christlichen Verständnisses der Versöhnung.

Gott bewirkt sowohl im Opfer als auch im Täter, eine ,,neue Schöpfung“

Vom Trauma der Vergangenheit geheilt werden oder Vergebung seiner Schuld erlangen, heißt nicht, dass wir zurückgehen zum Zustand, der vor dem Konflikt oder vor dem Trauma war. Das würde bedeuten, dass der Schaden, den das Böse anrichtet, verharmlost wird. In beiden Fällen — nach Heilung und Vergebung—befinden sich Opfer und Täter an einem neuen Ort, einem Ort, der für sie nicht zum voraus sichtbar war. Heilung kommt als Überraschung. Versöhnung bedeutet für das Opfer mehr, als die vergangene Last losgeworden zu sein. Es bedeutet, an einen neuen Ort gekommen zu sein und eine neue Sicht der Welt geschenkt bekommen zu haben. Deswegen werden soziale Versöhnungsprozesse am besten von Menschen begleitet, die selber eine solche Heilungserfahrung gemacht haben, denn sie können sehen, was wir andern nicht sehen können.

Wir versetzen unser Leiden in die Geschichte von Leiden, Tod und Auferstehung Christi

Leiden als solches adelt nicht; in sich selbst wirkt es zerstörerisch auf Personen und Gesellschaften. Nur wenn es in einen neuen sozialen Raum gebracht und neu mit Beziehungen vernetzt wird, kann es veredelnd und sogar erlösend wirken. Als Christen verbinden wir die Geschichte unseres Leidens mit der Geschichte von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Das ist gut ausgedrückt in Phil. 3,10, wo Paulus sagt dass er Christus kennen und in die Gemeinschaft mit der Macht seines Todes hinein genommen sein möchte, damit er auch die Macht von Christi Auferstehung erfahren kann. Die Geschichte Jesu ist der Rahmen, der jenen, die Befreiung von ihren eigenen Leiden suchen, Sinn und Hoffnung gibt.

Vollständige Versöhnung wird erst dann geschehen, wenn Gott alles in allem sein wird

Der Hymnus, der den Brief an die Epheser und jenen an die Kolosser eröffnet, erinnert uns daran, dass die Versöhnung, die wir jetzt erfahren, nicht vollendet ist. Sie wird erst dann vollendet sein, wenn Christus alles versöhnt hat. Im Blick auf das Werk der Erlösung, erinnert uns dies an den Unterschied zwischen Optimismus und Hoffnung: Optimismus kommt von unserm Vertrauen in das, was wir tun können. Hoffnung ist Vertrauen in das, was Gott tun wird. Hoffnung gibt uns einen viel weiteren Horizont und eine breitere Vision für die Zukunft.

Einzelversöhnung und gesellschaftliche Versöhnung

Ein Wort muss gesagt werden zum Unterschied zwischen der Arbeit mit Einzelpersonen, die ein Trauma erlebt haben und der Arbeit zur gesellschaftlichen Versöhnung. Wie bereits erwähnt, bedeutet Versöhnung nach christlichem Verständnis die Wiederherstellung der Menschenwürde im geschädigten Opfer, das Wiedererlangen unserer Ebenbildlichkeit Gottes (Gen 1,27). Soziale Versöhnung bezieht sich auf den Wiederaufbau der Gesellschaft nach einem Konflikt. Diese bemüht sich um die moralische und symbolische Wiederherstellung der Gesellschaft; denn dies ist die Voraussetzung für die Gewissheit, dass der Konflikt nicht nochmals geschieht. Soziale Versöhnung in diesem Sinn sucht das Aussprechen der Wahrheit, das Bemühen um Gerechtigkeit, die Heilung von Erinnerungen und soziale Vergebung.

Eine christliche Spiritualität der Versöhnung

Ich möchte mich nun einer Spiritualität zuwenden, die jene unterstützen kann, die sich mit der Versöhnungsarbeit beschäftigen. Wie bereits erwähnt, werden ohne einen Sinn für Spiritualität, die Strategien zur Versöhnung (Konfliktbewältigung, Friedensförderung) kaum für längere Zeit aufrechterhalten werden können. Die Spiritualität, die hier vorgelegt wird, ist wichtig sowohl für die Versöhnung von Einzelnen als auch von Gesellschaften.

Wie in andern Formen der Spiritualität, spielen Bilder im Zentrieren und Weiterführen unserer Spiritualität eine wichtige Rolle. Bilder verkörpern Ideen, haben aber eine reichere Resonanz. Ähnlich verschaffen uns Geschichten eine Möglichkeit, die Ereignisse zusammenzufügen, die unser Leben so stark verändert haben. Im Versöhnungsprozess sind Geschichten doppelt wichtig - entweder Geschichten von dem, was den Opfern passiert ist und wie diese Heilung erlangten, oder Geschichten von dem, was uns als Volk passiert ist und wie wir zu dem Punkt kamen, wo wir heute stehen.

In diesem Abschnitt möchte ich ein Bild untersuchen, das im Zentrum einer Spiritualität der Versöhnung steht und das diese mit einigen Geschichten illustriert, sowohl von Erfahrungen unserer Zeit als auch von solchen, die uns in der Bibel erzählt werden. Dann möchte ich mich den Übungen der Spiritualität zuwenden, die aus diesem Bild hervorgehen.

Wunden als Quelle einer Spiritualität der Versöhnung

Wenn wir an die Folgen von Ereignissen denken, die unser Leben für immer negativ verändert haben, kommt uns gleich das Bild von Wunden in den Sinn. Eine Wunde zeugt nicht nur von der Tatsache, dass etwas Falsches geschehen ist. Eine nagende Wunde oder eine Narbe, die von einer Verwundung zeugt, spricht von der Rolle des Gedächtnisses in unserm Leben. Wo es sich um tiefe Wunden in unserm Körper und in unserer Seele handelt, verlassen uns Wunden nie. Sie sind Zeichen der bleibenden Veränderung, die in unserm Leben geschehen ist. Wunden, die noch immer offen sind, binden uns an die Vergangenheit auf eine Art, der wir nicht so leicht entrinnen können. Wunden, die zu Narben geworden sind, dienen als Gedächtnistüren zur Vergangenheit, die uns daran erinnern, dass wir jetzt an einem andern Ort sind.

Wunden spielen im Versöhnungsprozess sowohl eine negative als auch eine positive Rolle. Schauen wir zunächst auf die Wunden der Opfer. Wenn Wunden von Opfern offen bleiben, nagen sie innerlich und plagen das Opfer, das diese Wunden mit sich trägt. Sie können das Opfer ständig zum Moment zurückziehen, in dem sie zugefügt wurden. Sie können zu einem Bezugspunkt werden, der alles unausweichlich im Zusammenhang mit diesem ständigen Schmerz interpretieren lässt. Ein dramatisches Beispiel dafür geschah im Jahr 1989. In einer Rede rief Slobodan Milosevic dem serbischen Volk die Schlacht auf dem Amselfeld vor 600 Jahren in Erinnerung, in der die orthodoxen Serben von den ottomanischen Türken besiegt worden waren. Diese Erinnerung war noch giftig genug, um die Völker des Balkans für die folgenden sechs Jahre in einen Krieg zu stürzen.

Wunden, die nicht behandelt werden, können zukünftige Ereignisse immer wieder vergiften. Wir kennen Menschen, die den Zorn von Unrecht, das ihnen vor Jahren geschah, mit sich tragen, ohne je geheilt zu werden. Ihr Leben ist in jenem vergangenen Ereignis gefangen. Eine der großen Gefahren von nicht behandelten Wunden ist die Möglichkeit, dass Opfer von ihrer Opferrolle her, selber zu Tätern an andern werden können. In staatlichen Konflikten ist es manchmal beinahe unmöglich herauszufinden, wer nun Opfer und wer Täter ist, weil die betroffenen Parteien .im Lauf der Zeit beides gewesen sind. Gleicherweise ist es nicht selten, dass Menschen, die unter autoritären Herrschaftssystemen gelitten haben, sich der Gesetzlosigkeit, Anarchie oder dem Hedonismus zuwenden, nachdem die Unterdrückung aufgehoben ist. Das ist ein Verhalten, das sie vordem in ihren besten Momenten niemals geduldet hätten. Es geschieht, weil die Macht der Wunden ignoriert oder verdrängt wird.

So muss für den Dienst der Versöhnung die besondere Aufmerksamkeit zuallererst dem Zustand der Verwundung der Opfer zugewendet werden.

Aber was soll geschehen, nachdem die Wunden geheilt sind? Menschen, die sich mit der Heilung ihrer eigenen Wunden befasst haben, sind am besten geeignet für die Versöhnungsarbeit. Die Wunden jener, die Heilung erfahren haben, können eine außergewöhnliche Empathie mit andern Leidenden entwickeln. Sie haben eine Sichtweise des Verwundet seins, die für andere Menschen guten Willens viel schwieriger zu entwickeln ist. Diese verwundeten Heiler können in die Welt der Schmerzen und des Leidens von Opfern auf einzigartige Weise eintreten. Sie können die Opfer auf eine Art begleiten, die uns übrigen Menschen unbekannt ist. Ja, diese verwundeten Heiler entwickeln sogar oft ein Bewusstsein ihrer Berufung, andern zu helfen als Teil ihres eigenen Heilungsprozesses.

Aber das Verwundet sein des Heilers kann auch negative Konsequenzen haben. Wenn mögliche Heiler sich ihrer eigenen Wunden nicht bewusst sind (entweder durch Nichtbeachten oder durch Verdrängen), können ihre Wunden ihre diesbezügliche Hilfe für andere beeinträchtigen. Das kann auf verschiedene Art und Weise zutreffen. Erstens können uneingestandene Wunden die Heiler in zwangsmäßiges altruistisches Verhalten stürzen als Weg, die Wunden der Vergangenheit zu sühnen. Das kann sich zeigen im „Bedürfnis, gebraucht zu werden“ als Mittel, die Wunden der Vergangenheit zu sühnen. Wiederum könnten Heiler die Opfer nicht vorwärts gehen lassen wollen aus Angst, diese könnten sie dann nicht mehr brauchen.

Zweitens können uneingestandene Wunden so neuralgisch werden, dass, wenn die Erinnerung an die Wunden durch gegenwärtige Ereignisse entzündet wird, der Heilungsprozess vom Opfer auf den Heiler abgelenkt wird. Und schließlich könnten uneingestandene Wunden den Heiler veranlassen, übermäßige Risiken einzugehen, die sowohl den Heiler, als auch das Opfer gefährden. Das trifft vor allem im Fall von Menschen zu, die diese Wunden tragen und sich dann in Konfliktsituationen finden.

Ich habe mich hier mit uneingestandenen Wunden beschäftigt, weil wir ihnen oft begegnen bei Mitgliedern von Ordensinstituten. Solche verwundete Menschen könnten sich vom Ordensleben angezogen fühlen, oder von gefährlicher Arbeit, oder der Versöhnungsarbeit, um sich selbst und Gott zu beweisen, dass sie in Wirklichkeit überhaupt nicht verwundet sind, oder dass sie die Wunden, die sie tragen ,gutmachen können. Das kommt vor allem zum Vorschein in Menschen, die sich hektisch beschäftigt halten oder sich unverhältnismäßigen körperlichen Sicherheitsrisiken auf ihre eigenen Kosten oder auf die von andern aussetzen.

Eine weitere mögliche Konsequenz von uneingestandenen Wunden in Menschen, die in der Versöhnungsarbeit tätig sind, sollte genannt werden. Sogar geheilte Wunden können bei der Arbeit mit Trauma Situationen neuen Angriffen ausgesetzt werden. Wenn man mit Massenmorden konfrontiert wird, der bewussten Verstümmelung von Menschen, der Anwendung von Vergewaltigung als militärischer Strategie, schaut man dem Bösen sozusagen direkt ins Gesicht. Die langzeitliche Arbeit in solchen Situationen kann am besten gesehen werden als ein Kampf mit dem leibhaftigen Bösen. Das Böse verlässt seinen Stand nicht so leicht und wird auf alle möglichen Arten zurückschlagen, um seine Fessel zu halten. Wie immer wir ,,das Böse“ unter diesen Umständen verstehen, wird es alle unsere Kräfte, einschließlich unsern eigenen Sinn für Person- sein erfordern. Wenn wir nicht achtsam sind, riskieren wir, dass unser eigenes Menschsein verringert wird. Ich habe Menschen gesehen, die sich nicht um ihre eigenen Wunden aus der Vergangenheit gekümmert haben und so, während sie in der Versöhnungsarbeit tätig sind, fragwürdiges und sogar falsches Verhalten an den Tag legen, das sie selbst gewöhnlich nicht dulden würden. (In der psychologischen Literatur wird das ,,zweites Trauma“ genannt — wo durch die zu tiefe Erfahrung des Traumas von andern, die Person, die zu helfen versucht, selbst traumatisiert wird.) Einfach gesagt: wenn du dich nicht um die eigenen Wunden kümmerst — auch wenn sie bereits geheilt sind —wird das Böse dich vor allem an diesem Punkt anfallen.

Diese Darstellung von Wunden in der Versöhnungsarbeit —sowohl der Wunden des Opfers als auch derer die zur Heilung helfen möchten — könnte in erster Linie psychologisch oder soziologisch erscheinen. Aber sie schafft die Voraussetzung, um die Spiritualität der Versöhnung anzusprechen. Nach den theologischen Prinzipien, die der oben beschriebenen Versöhnung zugrunde liegen, setzen wir die Geschichte unserer Wunden in die Geschichte von Christi eigenem Leiden, seinem Tod und seiner Auferstehung. Die diesbezügliche biblische Erzählung ist in Joh. 20,19-29. Wenn Jesus seinen Jüngern, trotz der verschlossenen Türen, erscheint, zeigt er ihnen als erstes seine Wunden. Ein tiefes Paradox eröffnet sich hier. In seinem auferweckten und verherrlichten Leib — der sogar durch verschlossene Türen gehen kann — trägt Jesus noch immer die Wunden seiner Qualen und seines Todes. Wenn die Jünger ihn nicht erkennen, zeigt er ihnen seine Wunden als Beweis, dass er es ist.

Ich glaube, was Jesus da tut hat für uns eine doppelte Bedeutung. Erstens, wie schon gesagt wurde, sind auch geheilte Wunden für immer Teil der Person, die wir sind. Sogar im verwandelten Leib des auferstandenen Herrn, sind die Wunden noch immer da. Vielleicht brauchte Jesus diese als sein Erkennungszeichen um uns diese Wahrheit zu lehren. Erinnerung, und unsere Beziehung zur Vergangenheit helfen uns, auszumachen wer wir heute sind und wer wir werden könnten.

Sie lehren uns ein Zweites. Wenn Jesus seine Wunden als Zeichen benützt, aufgrund dessen seine Jünger ihn erkennen sollen, verstehen wir, dass sie nicht zufällig oder unwichtig sind für das Eigenverständnis Jesu. Sie werden sozusagen ein Teil seiner Unterschrift. Die Jünger werden danach ausgesandt, um Gottes Vergebung anzubieten. Die Wunden, die wir haben, sollen eine Quelle der Heilung für andere werden. Das ist klar illustriert in der nächsten Szene der Geschichte. Thomas, der nicht dabei war, als Jesus den Jüngern erschien, weigert sich, das zu glauben, was er hört. Vielleicht konnte er sich das einfach nicht vorstellen. Vielleicht ärgerte er sich darüber, dass er die Erfahrung verpasst hatte. Wenn Jesus wieder erscheint, geht er als erstes auf Thomas zu. Er lädt ihn ein, seine Wunden nicht nur zu sehen, sondern diese zu berühren, und sogar in sie einzutreten. Jesus benützt die Wunden seiner Marter — die dazu angetan waren, um ihn von andern Menschen zu isolieren — um Thomas neu mit Jesus zu verbinden, mit den übrigen Jüngern, und mit seinem eigenen inneren Selbst. Vielleicht können wir von hier aus das Schriftwort besser verstehen: ,,Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes. 53,4; 1 Pet. 2,24).

Indem wir unsere Wunden kennen, indem wir diese in die Wunden Jesu legen, indem wir unsere Geschichte mit der Geschichte Jesu verbinden, können wir unsere Wunden für andere erlösend werden lassen. Wir können andern zeigen, dass sie nicht allein und abgeschnitten sind im Gewebe des menschlichen Lebens. Indem wir eingefügt sind in das Muster des Todes Christi, können wir die Auferstehung erkennen (Phil. 3,10). Eine Spiritualität der Versöhnung hat ihre Wichtigkeit in der Behandlung von Wunden: den Wunden von Opfern, den Wunden derer, die sich um die Heilung bemühen und den Wunden Christi.

Ich möchte diesen Abschnitt über die Spiritualität der Versöhnung aufgrund von Wunden abschließen mit einem weiteren Paulus Text, aus dem zweiten Brief an die Korinther (4,7-1 1):

Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott, und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch und verzweifeln dennoch nicht, wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserm Leib, damit auch das Leben Jesu an unserm Leib sichtbar wird.

Dieser Abschnitt drückt viele Dimensionen einer Spiritualität der Verwundungen aus. Versöhnung ist ein Schatz, eine Gabe Gottes. Aber sie wird in Tonkrügen getragen, das heißt in uns als zerbrechlichen Ausführenden von Gottes Werk. Die Beschäftigung mit den Wunden, die uns prägen, und zu den Erinnerungen zurückkehren, die sie geheimnisvoll darstellen, ziehen uns durch einen Tumult von Gefühlen: die Erfahrungen des Niedergeschlagenseins, der Verwirrung, der Verfolgung, und des Niedergeworfenwerdens. Doch inmitten solcher Erfahrungen trägt uns eine gewisse Kraft durch: Wir werden nicht zertreten, zur Verzweiflung getrieben, verlassen oder zerstört. Jene, die im Dienst der Versöhnung arbeiten, werden hier die Emotionen der Opfer erkennen, und oft auch ihre eigenen.

Es wird hier klar, dass wir trotz dieser Nöte nicht niedergedrückt werden wegen des großen Schatzes, der in uns ist. Paulus drückt das Paradox aus, das dieses möglich macht: Wir tragen den Tod des Herrn in unserm Leib. Die Sprache ist wichtig hier. Viele Nöte, die nach Versöhnung schreien, sind unserm Körper eingeprägt — entweder unserm individuellen Körper, wie in Fällen von Vergewaltigung oder Folter; oder dem politischen Körper als politische Erinnerung. Erinnerungen sind nicht nur intellektuell oder emotional; sie sind oft zutiefst somatisch. Der Tod Jesu, den wir in uns tragen, ist eine solche somatische Erinnerung: die Last seines Todes, die unserm Leib eingeprägt ist. So ist dies etwas, das nicht vergessen werden kann. Der Tod Jesu ist eine Erinnerungswunde mit vielen Dimensionen. Er ist eine Wunde, die im Zentrum unseres Wesens liegt und deshalb unsere Ausrichtung auf das, was wir erlitten haben, verändert. Wir können uns von dieser Wunde nicht abwenden, noch unsere Herzen und unsern Sinn davor verschließen, um sie zu vergessen. Die Wunde zieht unsere Leiden an sich, ist aber selber nicht das Zentrum der Aufmerksamkeit. Vielmehr weist sie über sich selbst hinaus zur Auferstehung Jesu hin, wo Wunden verklärt und Mittel zur Heilung werden.

Johann Baptist Metz hat von der gefährlichen Erinnerung Jesu Christi gesprochen — gefährlich, weil sie befreiend wirkt, gefährlich, weil der Versuch, die Geschichte Jesu durch Auslöschen seines Lebens zu beenden, nur zu dessen Explosion in eine andere Dimension führte. Die heilende Gnade der Versöhnung, das Leben Christi, das in unserm Leib sichtbar wird, hat dieselbe gefährliche und befreiende Möglichkeit. Es ist der Unterschied zwischen niedergeworfen werden, ohne zerstört zu werden. Gottes Fähigkeit, alle Dinge in Christus zu versöhnen, Frieden zu stiften durch das Blut seines Kreuzes (Kol. 1,20) offenbart uns die Beziehung zwischen unsern Wunden, den Wunden Jesu und dem verwundeten Herzen Gottes, das die Welt so sehr liebt.

Übungen für eine Spiritualität der Versöhnung

Welche Übungen verkörpern diese Spiritualität der Versöhnung? Ich möchte hier zwei Übungen vorstellen: (1) die Übung des kontemplativen Gebetes, und (2) die Schaffung von Räumen von Sicherheit und Gastfreundschaft.

Kontemplatives Gebet mag eine eigenartige geistliche Übung scheinen für etwas so Aktives wie Versöhnungsarbeit. Aber es gibt mindestens drei gute Gründe für einen solchen Vorschlag.

Vor allem, wenn Versöhnung in erster Linie das Werk Gottes ist, und wir nur Gottes Werkzeuge sind, müssen wir, um getreue und wirksame Werkzeuge zu sein, in ständigem Kontakt und in der Vereinigung mit Gott sein. Kontemplatives Gebet eignet sich am besten dazu. Im kontemplativen Gebet sind nicht wir es, die das Werk ins Leben rufen — wie dies im Fürbittgebet oder im Lobgebet der Fall ist. Vielmehr lernen wir in Stille und Geduld auf Gottes Sprechen zu warten. Dieses Warten auf Gott schafft in uns jene Stille, die uns befähigt, Gottes Wort zu hören, wenn sein Wort zu uns kommt. Solch stilles, geduldiges Warten hat die logische Wirkung, dass es uns lehrt, wie wir mit jenen, die Heilung suchen, warten und Ausschau halten sollen. Opfer haben es nötig, ihre Geschichten immer wieder zu erzählen, bevor ein heilendes Wort erscheint.

Zweitens bereitet die Übung des kontemplativen Gebets für den Moment vor, an dem kein Wort von Seiten Gottes zu uns kommt. Zum kontemplativen Gebet zurückzukehren, auch wenn wir kein Wort von Gott haben, ist oft die Bedingung für unsere geistliche Verwandlung. Gleichermaßen geschehen Versöhnung und Heilung oft überhaupt nicht, wie geduldig und sorgfältig wir auch immer sind oder gewesen sein mögen.

In einem solchen Warten auf Gott schauen wir zurück auf unsere eigenen Wunden: Gibt es etwas in uns selbst, das diese unsere Verbindung mit Gott blockiert? Wieder sind wir aufgerufen, uns mit unsern eigenen Wunden zu beschäftigen nicht aus einem gewissen Masochismus oder Narzissmus, sondern um etwas Neues aus diesen Wunden zu lernen. Wenn wir neuen Situationen begegnen, werden verschiedene Aspekte unserer Wunden angerührt. Wir könnten Teile davon entdecken, die nicht geheilt sind. Oder wir könnten Stärken entdecken, von denen wir nicht wussten, dass wir sie haben.

Dieses Warten auf Gott kann uns auch auf einen der schwierigsten Momente im Dienst der Versöhnung vorbereiten: auf jene erschreckenden Momente, wenn Gott nicht nur schweigt, sondern überhaupt nicht mehr da zu sein scheint. Überlebende von Folter erzählen gelegentlich von einer solchen tiefen Erfahrung von Abwesenheit. Wie tief auch immer ihr Glaube gewesen war, in diesem Moment des tiefsten Schmerzes waren sie ganz allein. — Gott war nicht da. Der klagende Schrei Jesu am Kreuz in einem Moment, wo Gott abwesend zu sein schien (Matt. 27,46) ist vielleicht der einzige Ort, wohin diese erstickende Angst getragen werden kann.

Drittens kann Kontemplation unsere Fähigkeit vermehren, uns den Frieden vorzustellen, die ,,neue Schöpfung“, von der Paulus spricht (2 Kor. 5,17). Im Bemühen, Gewalttätigkeit zu überwinden, ist Frieden mehr als das Aufhören von Konflikten. Er ist, wie wir gesehen haben, ein neuer Ort, der ganz anders ist als was wir erwartet hatten. Warten und Ausschau halten kann uns achtsam machen auf die kleinsten Bewegungen der Gnade. Kontemplation verhilft uns also zu einem Weg in die Zukunft.

Die zweite Übung zu einer Spiritualität der Versöhnung ist die Schaffung von sicheren und gastfreundlichen Räumen. Das sind Räume, zu denen Opfer kommen und darin wohnen können, um ihre Wunden zu erforschen und damit beginnen können, sich eine andere Zukunft vorzustellen. Diese Räume sind sowohl physisch als auch sozial. Die südafrikanische Kommission für Wahrheit und Versöhnung wollte ein Raum dieser Art sein, wo Opfer kommen konnten, um die Wahrheit ohne Repressalien auszusprechen.

Diese Räume müssen vor allem sicher sein. Das heißt, es müssen Räume sein, wo die Opfer nicht von neuem verletzt werden. Da solche Verletzungen im Grunde ein radikaler Vertrauensbruch sind, muss die Sicherheit solcherart sein, dass diese Brüche heilen, Vertrauen wiederhergestellt und Menschen neu in die menschliche Familie eingegliedert werden können.

Indem sie sichere Räume schaffen, bereiten Menschen im Dienst der Versöhnung die Opfer neu für eine Erfahrung der Treue Gottes vor. Dies ist die Grundlage des Bundes, eines Bewusstseins der Zugehörigkeit, des Glaubens an eine Welt, wo man wieder Hoffnung wagen könnte. Die stetige Präsenz von Menschen, die im Dienst der Versöhnung arbeiten, (diese ruhige Präsenz, die genährt wird durch Kontemplation) erlaubt den Opfern, ihre Geschichte zu erzählen, ohne unterbrochen oder korrigiert zu werden, jemanden zu erfahren, der sie begleitet, ohne sie zu verlassen, jemanden zu haben, der weder vor ihrem Zorn noch vor ihren Tränen flieht.

Der Raum muss auch gastfreundlich sein. Das heißt in erster Linie, dass Gastfreundschaft ein Zeichen sein soll, welches vom Opfer verstanden wird. Diese Gastfreundschaft muss dem Verständnis des Opfers entsprechen, und nicht jenem der Person, welche diese anbietet. Darauf muss besondere Sorgfalt gelegt werden in Fällen, wo kulturelle Unterschiede bestehen zwischen Opfern und jenen, die ihnen helfen wollen. Gastfreundschaft bedeutet zweitens, dass das Opfer Wertschätzung erfährt, dass seine Menschenwürde bestätigt wird, auch wenn diese verringert wurde durch ein Trauma oder Schuld. Gastfreundschaft ist kein Mittel zum Zweck, sondern ist in sich selbst wichtig. Drittens kann die Erfahrung von Gastfreundschaft den Weg bereiten zur Erfahrung der göttlichen Gastfreundschaft — zur Gabe, die wir Gnade nennen. Gnade ist der Moment, wenn Heilung der Wunde sich ereignet, wenn die Menschenwürde wieder hergestellt ist, wenn die Ebenbildlichkeit Gottes (Gen 1:27) des Opfers in neuem Licht erstrahlt.

Die große biblische Geschichte von der Schaffung eines sicheren und gastfreundlichen Raumes ist jene von Jesus und seinen Jüngern beim Frühstück am See (Joh. 21,1-19). In dieser Geschichte bereitet Jesus das Frühstück für seine Jünger. Während des Mahles, das er vom Fisch, den er mitgebracht hat und den Fischen, welche die Jünger gebracht haben, zubereitet hat, sagt Jesu nichts. Das schafft einen sicheren und gastfreundlichen Raum. Erst nach dem Frühstück wendet er sich an Simon, um ihn zu fragen — dreimal — ob er, Simon, Jesus liebe. Die dreimalige Frage entmutigt Simon.

Die Frage erinnert ihn an eine andere Episode vor nicht allzu langer Zeit, als er an einem andern Feuer saß und leugnete, Jesus überhaupt zu kennen. Aber jedes Mal, wenn er seine Liebe zu Jesus bestätigt hat, gibt ihm Jesus einen Auftrag — für seine Lämmer zu sorgen. Jesus zeigt sein wieder gefundenes Vertrauen in Petrus, indem er ihm jene anvertraut, die seine verletzlichsten Nachfolger sind. Gerade so, wie Jesus in einer früheren Geschichte Thomas neu den Jüngern beifügte, so tut er dies jetzt mit Simon.

Abschluss

Versöhnung ist etwas, nach dem unsere heutige Welt schreit. Und um dies geschehen zu lassen, müssen wir uns tief einwurzeln in eine Spiritualität, die uns in unserer mühsamen Arbeit stützen wird. Ein wichtiger Weg zu dieser Spiritualität führt über unsere eigenen Wunden, damit wir zu den heilenden Wunden Christi gelangen können. Zwei der geistlichen Übungen, die uns dorthin führen werden, sind das kontemplative Gebet und die Schaffung von sicheren, gastfreundlichen Räumen für andere. Es gibt natürlich viele andere Dimensionen. Aber hier müssen wir ansetzen.

P. Robert Schreiter, C.PP.S.


Der Autor des Artikels, P. Robert Schreiter, C.PP.S., lehrt Theologie an der Catholic Theological Union in Chicago (USA), und an der Universiät von Nijmegen, Niederlande. Seine Bücher und Artikel über Versöhnung sind in vielen Sprachen erschienen. Er dient auch als Mitglied des Generalrates der Missionare vom Kostbaren Blut.

Original in Englisch

Weitere Informationen zum Thema
Frieden und Versöhnung
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svd.jpic@verbodivino.it

Ökumenisches Friedensgebet

Du einziger Gott aller Menschen.
Du hast die Erde und den Kosmos geschaffen,
in ihrer Vielfalt, ihrer Schönheit, ihrer Zerbrechlichkeit.
Auch die verschiedenen Kulturen und Religionen
sind auf der Suche nach Dir, dem Ursprung von allem.
Du willst, dass alle füreinander nicht Bedrohung, sondern ein Segen sind.
Unsere Eine Welt soll nach Deinem Willen
ein bewohnbares und friedliches Haus für alle sein.
Den Nahen Osten hast Du auserwählt,
Deinen Weg mit uns an zahlreichen heiligen Orten bekannt zu machen.
Abraham, Vater des Glaubens für Juden, Muslime und Christen,
hörte Deinen Ruf im Land zwischen Euphrat und Tigris, dem heutigen Irak.
Dem alten und neuen Volk Israel hast Du in besonderer Weise
Leben und Zukunft zugesagt.
Wir danken Dir vor allem für unseren Herrn und Bruder Jesus Christus.
Er ist unser Friede.
Er ist gekommen, um Mauern nieder zu reißen
und allen ohne Unterschied Leben und Zukunft zu schenken.
Wir wissen uns in Gemeinschaft
mit den christlichen Kirchen des Nahes Ostens.
Sie legen Zeugnis ab für das Evangelium Jesu,
für die Kraft der Gewaltfreiheit und die Gewissheit der Auferstehung.
Wir beten zu Dir aber auch in Verbundenheit
mit allen Brüdern und Schwestern aus jenen Religionen,
die im Nahen Osten ihren Ursprung haben.
Uns alle hast Du nach deinem Bild und Gleichnis geschaffen,
alle sind Dein Ebenbild.
Allen, hast Du den Hunger und Durst nach Gerechtigkeit
und die Sehnsucht nach Frieden eingegeben.
Alle, Muslime, Christen und Mitglieder des Volkes Israel,
sehnen sich nach Versöhnung.
Alle trauern um die Opfer von Hass und Gewalt.
Alle sind nach Deinem Plan auch berufen,
an einer neuen Welt zu bauen.
So bitten wir Dich:
Erbarme Dich aller Opfer und aller Täter.
Beende die Spirale der Gewalt, der Feindbilder,
des Hasses, der Vergeltung.
Schenke allen, besonders den Verantwortlichen in der Politik, die Einsicht,
dass der Weg zum dauerhaften Frieden nicht der Krieg,
sondern der Einsatz für Frieden in Gerechtigkeit ist.
Erwecke in allen abrahamitischen Religionen auch heute Werkzeuge,
Botinnen und Boten einer anderen Welt.
Mach, dass die Herzen sich auftun und der Krieg beendet ist,
noch bevor er beginnt.
Schenke uns einen dauerhaften Frieden.
Gib, Herr, dass alle Menschen guten Willens aus allen Religionen,
in Nord und Süd, Ost und West, in gemeinsamer Verantwortung,
die Berge der Missverständnisse abtragen,
die Gräben des Hasses zuschütten
und Wege für eine gemeinsame Zukunft ebnen.
Lass in der Einen Welt die Waffen schweigen.
Lass dafür den Ruf nach Frieden lauter werden,
für alle ohne Unterschied.
Herr, einziger Gott
Mache alle zu Werkzeugen Deines Friedens.
AMEN

Hermann Schalück ofm